Privatrente durch Kapitalabfindung vergleichbar
Seit Beginn der 90er Jahre gibt es einen Trend zu privaten Rentenversicherungen. Warum sich aufgeschobene Rentenversicherungen nur über den Vergleichsmaßstab Kapitalabfindung zueinander messen lassen und was der soeben erschienene erste Vergleich ergeben hat.
Der Trend ist klar erkennbar: Im Jahre 1990 wurde das Produktangebot der Lebensversicherer von der Kapital bildenden gemischten Lebensversicherung (KLV) mit einem Neugeschäftsanteil von 63,5 Prozent bestimmt. Davon sind inzwischen nur noch 9,4 Prozent übrig. Heute dominieren private Rentenversicherungen den Markt: Mit einem Neugeschäftsanteil von 24,6 Prozent liegen klassische Privatrenten (ohne Fonds-Policen) nach Stückzahl vorn, deren Neugeschäftsanteil zwischen 1975 und 1990 gerade mal von 1,0 auf 2,2 Prozent gestiegen war.
Da die aufgeschobene Rentenversicherung durch die lange Anspar– und Verrentungszeit erst ab etwa dem Jahr 2045 einer Ablaufanalyse zugänglich ist, versuchte es der Markbeobachtungsdienst map-report jetzt mit einem Hilfsmittel und analysierte den Verlauf der gebotenen Kapitalabfindungen.
Trotz "junger" Datenbasis interessante Erkenntnisse
Die Datenbasis ist auf Grund der "Jugend" dieses Produktes noch unbefriedigend, bietet aber interessante Erkenntnisse. Dafür verwendet der map-report als Musterkunden einen Mann (43, Nichtraucher), der entweder zum 1. Januar 1970 oder 1990 eine aufgeschobene Leibrente zum Normaltarif erworben hat. In beiden Fällen werden 1.200 Euro Jahresbeitrag, eine Rentengarantie von zehn Jahren und eine Beitragsrückgewähr bei Tod in der Aufschubzeit zugrunde gelegt. Verglichen wurden dann die tatsächlich erreichten Kapitalabfindungen.
Ergebnis für Vertragsbeginn 1970 und Kapitalabfindung 1990: Nur 12 Versicherer konnten überhaupt Daten liefern. Die Rendite, bezogen auf die Kapitalabfindung, lag im Durchschnitt der bei knapp 6,1 Prozent. Die Bandbreite bewegte sich zwischen 4,4 Prozent (Ideal) und 6,56 Prozent (Victoria). 20 Jahre später konnten immerhin schon 21 Gesellschaften Daten für die Kapitalabfindung im Jahr 2009 liefern. Ergebnis: Im Durchschnitt schafften die Versicherer 5,1 Prozent Rendite. Die Bandbreite reichte von 4,4 Prozent (Bayerische Beamten) bis zu 5,79 Prozent (Volkswohl Bund).
Kapitalabfindung "gern gesehen"
Bemerkenswert: Die Rendite der KLV für denselben Musterkunden lag im Zeitraum 1970 bis 1990 um 0,17 Prozentpunkte höher als die der Rentenversicherung. 2009 schaffte die Rentenversicherung 0,3 Prozentpunkte mehr Rendite mit ihrer Kapitalabfindung als die KLV. Erstaunlich daran ist, dass die KLV den Risikoschutz einschließt, der ja rund 10 Prozent des Beitrages aufzehrt und den Kunden damit deutlich teurer kommt als die 10 Jahre Rentengarantie bei der Privatrente. Für Manfred Poweleit, Chefredakteur von map-report, ist der Grund offensichtlich: "Die Kapitalabfindung statt der Rentenzahlung ist bei Lebensversicherern gern gesehen, denn der Versicherer entledigt sich damit des Risikos, dass der Privatrentner länger lebt als vorgesehen."
Die Versicherer scheinen in der Tat die vorzeitige Abfindung einer Rentenversicherung heutzutage höher zu vergüten als früher. Ein Indiz findet sich im map-report: Etwa im Jahr 1995 ist der Trend von der KLV hin zu Rente mit Kapitalabfindung gekippt. „Die Versicherer freuen sich angesichts der rasant steigenden Lebenserwartung offenbar über jeden Kunden, der die Abfindung statt die Rente nimmt“, so Poweleit. Dennoch kaufen praktisch alle Kunden mit der Privatrente die "Katze im Sack". Grund: Wer 1990 im Alter von 30 Jahren begonnen hat, eine aufgeschobene Rentenpolice anzusparen, der wird Mitte 2026 mit 66 in Rente gehen und 2045 vielleicht das 85. Lebensjahr noch erleben. "Erst danach sind Leistungsbilanzanalysen mit handfesten Renditeangaben für die durchschnittliche Lebenserwartung möglich", so Poweleit.
Hinweis
Der
map-report Nr. 712 "Aufgeschobene Rentenversicherung: Kapitalabfindungen im 20-Jahres-Vergleich" kann unter für 37,50 Euro bestellt werden.
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Autor(en): Detlef Pohl