25.09.2009

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Studie entlarvt Rentengarantie als Wahllüge

Wenige Tage vor der Bundestagswahl deckt das Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA) der Universität Mannheim auf, wie massiv sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auf die gesetzliche Rentenversicherung auswirkt: „In den nächsten zehn Jahren in Form eines um etwa 0,5 Prozentpunkte höheren Beitragssatzes sowie Einbußen bei den Rentenanpassungen“, erklärt Axel Börsch-Supan, Professor und Direktor des MEA.

Demnach fällt die Rente zwischen 6 und 9 Prozent niedriger aus als noch im Rentenversicherungsbericht 2008 vor Jahresfrist prognostiziert, ergab die MEA-Studie „Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel“. Diese wird weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert, aber auch vom GDV unterstützt.

Rentengarantie auf politischem Prüfstand
Die Untersuchung belegt, dass die erst kürzlich per Gesetz sanktionierte Rentengarantie für Rentner und rentennahe Jahrgänge ein auf Pump finanziertes Wahlversprechen der Großen Koalition ist und wohl in Kürze wieder auf den politischen Prüfstand kommt. Hauptursache für die langfristigen Kürzungen ist laut Studie der Ausfall der Lohneinkommen während der Krise. Die Rentengarantie bewirkt geringfügig niedrigere Renditeeinbußen als ohne Garantie. Der maximale Renditeverlust werde von 0,3 auf rund 0,25 Prozentpunkte reduziert. Damit findet eine Umverteilung von Jung zu Alt statt, die nicht mal den Alten hilft.
Der Grund: Vermittelt über die Rentenanpassungsformel werden die Rentenzahlungen permanent geringer sein als vor der Krise. „Auch die Rentengarantie kann diese langfristigen Wirkungen nicht vermeiden. Sie verschärft aber den Druck auf den Beitragssatz“, räumt Börsch-Supan mit einer populären Fehleinschätzung auf.

Stabilität des Rentensystems gefährdet
Das Signal der Rentengarantie ist laut Studie auch verheerend für den Generationenvertrag: Eine zum Schutz der derzeitigen Rentner abgegebene Garantie, dass Kürzungen ausgeschlossen sind, zerstört den Ausgleichsmechanismus zwischen Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung. Sie konterkariert damit den bislang eingebauten Ausgleich zwischen den Generationen. Damit wird letztlich die Stabilität des Rentensystems gefährdet, folgern die Studienautoren.

Die Studie zeigt: Am stärksten betroffen von der Krise sind die Jahrgänge, die bereits über viele Jahre „Vermögen“ in Form von Entgeltpunkten angesammelt haben. Ihr „Rentenvermögen“ wird am stärksten abgewertet, so dass sich ihre implizite Rendite – also das Verhältnis von Rentenleistungen zu Rentenbeiträgen – um bis zu 0,3 Prozentpunkte verringert. Allerdings genießen diese Jahrgänge auch dann immer noch ein hohes Renditeniveau. Die wegen der Bevölkerungsalterung ohnehin niedrigeren Renditen der jüngeren Jahrgänge werden hingegen zusätzlich durch besagte Rentengarantie für die Alten geschmälert, denn sie müssen die Kosten der Garantie in Form höherer Beiträge zahlen.

Junge Arbeitnehmer zahlen die Zeche der Rentengarantie
Unterm Strich muss jeder Arbeitnehmer durch die jetzige globale Krise im Schnitt 0,1 Prozentpunkte Verlust bei seiner Rentenrendite hinnehmen. So paradox es klingt: Am wenigsten betroffen sind Jugendliche, also die Jahrgänge, die ihre Erwerbskarriere erst nach der Krise beginnen. Ihre Rendite bleibt im Vergleich zur Situation ohne Krise unberührt. Allerdings beginnt ihre Karriere mit einem krisenbedingt niedrigeren Erwerbseinkommen. Daher wird auch ihr Rentenzahlbetrag niedriger liegen als ohne Krise. Zudem haben sie die Zeche für die Rentengarantie an die Alten zu zahlen – zusätzlich zur Bürde des demografischen Wandels.

Details zur MEA-Studie „Auswirkungen der Finanzkrise auf die Gesetzliche Rentenversicherung, ihre Beitragszahler und ihre Rentner“ sind im Internet abrufbar.
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Autor(en): Detlef Pohl
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