23.02.2011

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Social Media: Versicherer haben Anschluss verpasst

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat die Entwicklung bei sozialen Netzwerken verschlafen. Zu diesem niederschmetternden Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie des Softwareunternehmens Attensity Europe GmbH, die Wissenschaftler der Fachhochschule Kaiserslautern von November 2010 bis Februar 2011 durchführten und nun präsentierten.

Für diese Studie wurden alle gängigen Kanäle daraufhin untersucht, inwieweit deutsche Versicherer auf diesem Gebiet aktiv sind und mit welcher Wirksamkeit. Dabei wurde eindeutig festgestellt: Die Chancen der Social-Media-Plattformen werden eindeutig unterschätzt, so dass die Branche in der Mehrheit den Anschluss an den internationalen Wettbewerb bereits verpasst hat. „Gerade für die Wachstumschancen der deutschen Versicherungsunternehmen innerhalb des EU-weiten Binnenmarktes ist diese Entwicklung problematisch“, heißt es bei Attensity.

Social Media kann Versicherer zu langlebigen Kundenbeziehungen verhelfen
Soziale Netze, Blogs und Web 2.0-Communities sind aus dem öffentlichen Leben längst nicht mehr wegzudenken“, bemerkt Professor Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern und federführender Autor der Studie. „Social Media hat vor allem für junge Menschen mehr und mehr die Funktion eines Leitmediums. Inzwischen würden viele Jugendliche und junge Erwachsene eher auf Fernsehen und Zeitungen verzichten als auf interaktiven Online-Austausch via Facebook, Twitter, Flickr oder StudiVZ.“ Damit würde eine ganze Generation nicht oder nicht zielgruppengerecht angesprochen.

Dabei liegt der Nutzen auf der Hand: „Social Media kann Versicherungsunternehmen auf kosteneffiziente Weise zu langlebigeren Kundenbeziehungen verhelfen – und wird damit den Wettbewerb massiv verändern“, prophezeit Martina Tomaschewski, Marketingchefin von Attensity. Allerdings würden erst wenige Versicherer über eine dezidierte Strategie mit effektiven Softwaretools verfügen.

Twitter und Youtube spielen kaum eine Rolle
Versicherer wählen scheinbar willkürlich Plattformen aus und managen dortige Auftritte nicht oder schlecht. So hat die Studie festgestellt, dass zum Beispiel ein großer Versicherungskonzern auf Facebook mit 16 verschiedenen Pages vertreten ist, ohne dass ein regelmäßiges Management erkennbar sei. Außer Allianz, R+V und Ergo seien Versicherer auf Facebook praktisch überhaupt nicht existent. Auch Twitter und Youtube lassen Versicherer mehrheitlich noch links liegen. Nur bei 38 der 110 bilanzstärksten deutschen Versicherungsgesellschaften lässt sich laut Studie überhaupt eine Twitter-Präsenz nachweisen.

Und dies obwohl der Vorteil – vor allem im Hinblick auf junge Kunden – nicht zu übersehen ist. „Ein kurzer Tweet im Schadenfall, ein Hinweis auf online verfügbare Dokumente, notwendige Schritte oder zuständige Sachbearbeiter – all dies kann die Kundenloyalität und Markwahrnehmung bei vernachlässigbaren Kosten nachhaltig verbessern“, macht die Marketingchefin deutlich.

Mögliche Lösung, um dem Fachkräftemangel zu begegnen
Und selbst auf Schüler- und StudiVZ, Deutschlands führenden Social-Media-Plattformen mit Millionen von registrierten Schülern und Studenten, konnte die Studie keine aktive Ansprache durch Versicherer registrieren. Fast jede Unternehmensseite und Gruppe innerhalb der beiden Plattformen habe weniger als 400 Nutzer, lediglich die DEVK bringe es auf 600.

Und noch auf einen weiteren Aspekt, der für soziale Netze spricht, macht die Studie aufmerksam: den Fachkräftemangel. Ein erfolgversprechender Ansatz, sich mit dem unausbleiblichen Fachkräftemangel auseinanderzusetzen sei, möglichst frühzeitig im Lebensumfeld potentieller Arbeitnehmer präsent zu sein. Eine Aufgabe, die nach Ansicht von Attensity konventionelle Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitung in Zukunft immer weniger erfüllen werden.

In unserer Titelgeschichte "Soziale Netzwerke: Online neue Kontakte knüpfen" in der Oktober-Ausgabe von Versicherungsmagazin lesen Sie, dass auch Makler und Vermittler erst zögerlich diese Kontaktformen nutzen, obwohl sie diverse Chancen bieten.

Bild: © Ernst Rose / PIXELIO
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Autor(en): Elke Pohl
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