21.11.2011

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Garantiezins in der Lebensversicherung: Von Japan lernen

Der japanische Versicherungsmarkt gleicht in vielerlei Hinsicht dem deutschen, so dass Erfahrungen durchaus auf Deutschland anwendbar sind. Diese Auffassung vertrat Dr. Winfried Heinen, Vorstand der Gen Re Kölnische Rück AG, während einer Fachveranstaltung zum Thema Rechnungszins in der Lebensversicherung kürzlich in Berlin.

Eingeladen hatte der Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaft aus Berlin. Sowohl das Versicherungsvertrags- als auch das Aufsichtsrecht weisen – historisch bedingt – sehr viele Parallelen zu Deutschland auf. So hat zum Beispiel über viele Jahre der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit eine tragende Rolle im japanischen Versicherungsmarkt gespielt.
Auch das sonstige Umfeld wie eine Stornoquote von sechs Prozent und der historisch maximale Garantiezins von 6,5 Prozent seien „sehr deutsch“, wie Heinen (siehe Bild) betonte.

Zahl der Marktteilnehmer stieg zu Lasten der VVaG
Bereits Ende der 90er Jahre mussten die Versicherer einen negativen Spread zwischen dem Garantiezins und dem, was mit Kapitalanlagen erwirtschaftet werden konnte, verzeichnen. Die 14 größten Lebensversicherer wiesen Fehlbeträge von umgerechnet rund 30 Milliarden Euro auf.
In der Folge gingen acht von 50 Gesellschaften insolvent – vor allem Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre –, die größtenteils von ausländischen Versicherern übernommen wurden. Insgesamt stieg aber die Anzahl der Marktteilnehmer, allerdings zu Lasten der VVaG, die von 16 Gesellschaften Anfang der 90er Jahre auf jetzt vier abgenommen haben.

Versuch, fondsgebundene Produkte ohne Garantien zu etablieren
"Bei der Übernahme insolventer Unternehmen durch ausländische Player kam es zu einer Reduktion der Garantien", weiß Heinen. Bei der Übernahme angeschlagener, aber solventer Unternehmen war dies aufsichtsrechtlich nicht möglich. Neben einer Reduktion der Zinsversprechen im Bestand wurden auch die Kapitalanlagen umstrukturiert und vermehrt in andere Währungen investiert.
Zudem erhöhte man die Duration. So liefen im Jahr 2003 nur 20,7 Prozent der Verträge länger als zehn Jahre, im Jahr 2009 waren es schon 45,5 Prozent. Auf der Produktseite versuchte man fondsgebundene Produkte ohne Garantien zu etablieren, bis zur Währungskrise auch Variable Annuities sowie stark steuergetriebene - so genannte Increasing Term-Produkte - sowie Risikopolicen.

Zu hohe und zu lange Garantiezusagen in Deutschland
Für den deutschen Markt ergeben sich daraus laut Heinen interessante Schlussfolgerungen. So seien die Garantiezusagen zu hoch und zu langfristig. Auch müsse nachgedacht werden, ob statt der jährlichen auch endfällige Garantien möglich seien. Und die heute übliche Überschussbeteiligung müsse zugunsten der Risikotragfähigkeit der Unternehmen überdacht werden.

Bild: Elke Pohl

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Autor(en): Elke Pohl
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