10.01.2012

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Kreditversicherer: Kunden können verhandeln

Ohne Aufpreis können Industrie- und Gewerbeunternehmen jetzt ihre Kreditversicherung um eine so genannte Nachlaufdeckung erweitern. Stellen die Kreditversicherer bei einem Warenempfänger eine wirtschaftliche Schieflage fest, mussten die versicherten Lieferanten früher damit rechnen, dass der Forderungsausfallschutz sofort beendet wird. Nun gewähren die Versicherer bis zu 30 Tage weiteren Versicherungsschutz für alle bereits abgeschlossenen Lieferverträge.

"Rund 50 Prozent aller Kunden haben eine solche Nachlaufdeckung bereits vereinbart", bestätigt Ralf Meurer, Chef der Hamburger Euler Hermes und Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Das ist bei uns kostenlos", bestätigt Andrea Neumann, Sprecherin der Atradius Kreditversicherung aus Köln. Bei der Coface Kreditversicherung aus Mainz sind für Kleinkunden bis fünf Millionen Euro Umsatz mittlerweile zehn Tage Nachlaufdeckung Standard.
"Für Mittelständler bis 50 Millionen Umsatz sind auch vier Wochen verhandelbar", sagt Coface-Sprecher Erich Hieronimus. Bei größeren Verträgen werde die Prämie grundsätzlich verhandelt, heißt es weiter bei Coface.

Der Markt steht erheblich unter Druck. So haben die Kreditversicherer in den vergangenen zwei Jahren mit sehr guten Schadenkostenquoten von 57 und 58 Prozent viel Geld verdient. Trotzdem wollen sie 2012 die Prämien stabil halten. Allgemein wird ein Krisenjahr erwartet. Scheinbar wird eine aufschlagfreie Nachlaufdeckung nun als Mittel dafür eingesetzt, bei den Prämien nicht nachgeben zu müssen. Versicherungsmakler sollten daher für ihre Kunden auf jeden Fall aktiv werden und Verbesserungen verhandeln.

Erst 50 Prozent Marktabdeckung
Die Nachlaufdeckung wird nun von allen Erstversicheren auf dem deutschen Markt angeboten, so die ACE Trade Credit Insurance der ACE aus Hamburg. Das Unternehmen bietet Kunden, die vom Versicherer keine Wunschdeckung erhalten, eine Erhöhung der Versicherungssummen an. Nach Einschätzung von ACE haben erst rund 50 Prozent aller Unternehmen eine Kreditversicherung abgeschlossen, die für den Schutz ihrer Lieferantenkredite sinnvoll wäre. Es gibt somit einen hohen Nachholbedarf. Die Kreditversicherung ist deutlich günstiger als eine Absicherung des Forderungsausfalls über Banken. Schutz gegen den Umstand, dass der Abnehmer zwischen Lieferung und Bezahlung pleite geht, bieten in Deutschland neben Euler-Hermes, Atradius und Coface auch R+V und Zurich an. Industrie- und Gewerbeunternehmen müssen übrigens keine "volle" Kreditversicherung kaufen. Wer ein solides Mahn- und Inkassowesen hat, kann auch - so der Vorschlag von Experten - lediglich besonders hohe Forderungsausfälle absichern.

Bild:© Alexander Dreher/Pixelio.de
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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
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