23.07.2012

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Reisebus: Ohne Gurt ein Drittel weniger Entschädigung

Wer mit einem Reisebus unterwegs ist, sollte sich unbedingt anschnallen. "Kommt es zu einem Unfall und wird der Reisende verletzt, darf die Versicherung hohe Abzüge machen", warnt Michael Burmann, von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltsverein (DAV). Einen 30-prozentigen Mithaftungsanteil hat beispielsweise das Oberlandesgericht Hamm (Az.: 6 I-U 187/11) bei einer schwer verletzten Busreisenden bestätigt. Die Betroffene gab zu, dass sie bewusst auf den Gurt verzichtet hatte. Damit musste das Opfer auf Schmerzensgeld in Höhe von rund 43.000 Euro verzichten.


"Es gilt eine europaweite Gurtpflicht bei der Fahrt mit einem Reisebus. Viele Kunden kennen diese Pflicht nicht", sagte Burmann auf einem Presseseminar im französischen Lembach. Vorwürfe erhebt der Verkehrsanwalt zudem gegen Busbetreiber. Nach seiner Erfahrung gibt es immer noch Unternehmen, die die Gurte im Sitz verstecken und die Reisenden nicht auf die Gurtpflicht hinweisen. Damit will man die Reise angeblich angenehmer gestalten. Tatsächlich werden die Reisenden erheblich gefährdet. "Aus Crashversuchen und Realunfällen wissen wir, dass die Passagiere mit Gurt deutlich sicherer sind", bestätigt Michael Weber, Leiter des Instituts für Unfallanalysen aus Hamburg (ifu).

Schon Beinaheunfall ist gefährlich
So werden nicht angeschnallte Passagiere im Bus herumgeschleudert, wenn es zu einem Auffahr- oder Umkippunfall kommt. Extrem gefährdet sind Buspassagiere, die während der Fahrt im Bus stehen. Businsassen verletzten sich nämlich schon dann oft schwer, wenn das Fahrzeug keinen Unfall hat, sondern lediglich abrupt bremst oder einem Hindernis ausweicht. Dies ergab eine Analyse der Unfallforschung der Versicherer (UDV). "Bei Linienbussen werden auch ohne tatsächlichem Unfall, die Passiere meist während der Fahrt verletzt", erläutert UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Grund seien in aller Regel Stürze von im Bus stehende Personen. Vor allem ältere Menschen könnten sich meist nicht halten, wenn der Bus plötzlich stark bremst oder scharf in die Kurve geht.

Ursachen bleiben im Dunkeln
Technische Hilfsmittel könnten Busse sicherer machen. So sollten wichtige Daten, wie das gefahrene Tempo, dem Busfahrer direkt auf der Windschutzscheibe angezeigt werden. Große Vorteile versprechen sich die Experten zudem von Notbremssystemen, die ab 2013 in Reisebussen Pflicht werden. Problematisch ist, dass die Ursache vieler Busunfälle im Dunkeln bleibt. Zwar schätzen die Unfallforscher, dass in den überwiegenden Fällen menschliches Versagen der Fahrer zum Unfall führt. Doch welche Fehler die Fahrer aus welchen Gründen genau machen, kann später oft nicht mehr festgestellt werden.

Ein Grund: "Die Unfallschreiber in Bussen sind unzureichend", so Gutachter Weber. "Moderne Geräte können jede Brems- oder Lenkbewegung sowie die Instrumentenbedienung aufzeichnen", erläutert der Unfallanalytiker. Sie sollten daher in Reisebussen Pflicht werden. Noch weiter geht DAV-Anwalt Burmann: "Ich fordere für alle Autos die Einführung eines Unfalldatenschreibers". So könnten endlich Unfallopfer ihre Ansprüche sicher beweisen. Dies werde durch moderne ABS-Systeme immer schwieriger. Es gebe kaum noch Bremsspuren. "Daher ist es oft nicht mehr feststellbar, ob der Unfallgegner mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist", warnt Weber.

Black-Box nicht für Straftaten auswerten
Mit dem Unfalldatenschreiber sollen aber nur zivilrechtliche Ansprüche gesichert werden. "Es ist durchaus möglich, die Pflicht so zu gestalten, dass der Unfalldatenschreiber nicht strafrechtlich von Polizei und Staatsanwaltschaft ausgewertet werden darf", erläutert Burmann. Andernfalls müssten die Autofahrer damit rechnen, dass Polizeibeamte bei einer Routinekontrolle gleich die Fahrdaten der letzten 100 Kilometer abfragen würden. Auch technisch könne dies verhindert werden. So kann die Black-Box so eingestellt werden, dass sie immer nur die letzten Minuten aufzeichnet.
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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
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