14.12.2012

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Krankenversicherung wird deutlich teurer

Wie das Analyseunternehmen Franke und Bornberg mitteilt, hat es inzwischen einen Überblick über die endgültigen Bedingungen von 13 Versicherern und die Prämien von elf Versicherern für die neue Unisex-Welt, in der ab 21. Dezember nur noch neue Verträge abgeschlossen werden dürfen.

Als erste Trendaussage stellen die Analysten fest, dass die Prämien "stärker als erwartet" steigen. Vor allem Männer müssen sich infolge des Verbots der Geschlechtsdiskriminierung auf erhebliche Prämiensteigerungen einstellen. Franke und Bornberg hat Erhöhungen in einer Bandbreite von vier bis 35 Prozent festgestellt.

Auch für Frauen wird es meist teurer
Wie im Vorfeld schon erwartet worden war, wird es aber für die Frauen keineswegs in vergleichbarem Maß günstiger. Das geht schon allein deshalb nicht, weil die künftige Zusammensetzung der Versichertenkollektive nach Geschlecht unsicher ist. Je optimistischer die Krankenversicherer hier im Einstieg kalkulieren, desto eher provozieren sie die sogenannte Antiselektion, womit sie vor allem dasjenige Geschlecht anlocken, das von den neuen Tarifen besonders profitiert. In der Folge muss dann die Startkalkulation durch überproportionale Beitragsanpassungen korrigiert werden, weil selbst der Europäische Gerichtshof nicht so weit gegangen ist, Frauen zu verbieten, länger zu leben als die Männer. Denn nur dann würde die von Verbraucherschützern aufgestellte These aufgehen, dass die Prämien im Durchschnitt gleich bleiben müssen, weil sie im Prinzip einfach nur anders verteilt würden.

Bei Frauen sieht Franke und Bornberg bisher eine Bandbreite der Prämienänderungen, die von einer Ersparnis von sechs Prozent bis hin zu einer Steigerung um 15 Prozent reicht. Geschäftsführer Michael Franke: "Dem ersten Trend nach wird die PKV für Männer und Frauen also deutlich teurer als erhofft."

PKV bessert Tarife im Vergleich zur GKV nach
Allerdings werden auch die Leistungen angehoben. Offenbar wollen die Krankenversicherer auf die Kritik reagieren, dass ihre selbst oft als Hochleistungstarife bezeichneten Vollversicherungen manche Leistungen nicht erbringen, die in der Gesetzlichen Krankenversicherung selbstverständlich sind. Die Analysten nennen vor allem die Anhebung der Erstattung von Psychotherapiesitzungen auf bis zu 50 pro Kalenderjahr, eine Öffnung der oft auf bestimmte Hilfsmittel begrenzten Hilfsmittelkataloge, die Erstattung palliativmedizinischer Maßnahmen (Schmerzbehandlung und Begleitung Sterbender) oder Haushaltshilfen im Krankheitsfall.

In der Folge erwartet Franke und Bornberg das Verschwinden der so genannten Billigtarife vom Markt, die oft nur einen sehr eingeschränkten Leistungskatalog enthalten. Franke: "Qualität hat ihren Preis, auch wenn es um die Gesundheit geht".

Rechnungszinsen werden gesenkt
Der direkte Preisvergleich der neuen Unisex- mit den alten Bisex-Tarifen ist allerdings schwierig. Denn neben dem Faktor Unisex spielen weitere Elemente in die Preisbildung hinein. So erwarten die Analysten, dass die Krankenversicherer 2013 "auf breiter Front" ihre Rechnungszinsen um bis zu einem Prozentpunkt absenken werden. Derzeit verwenden die Gesellschaften noch einheitlich den Höchstrechnungszins von 3,5 Prozent, aber erste Gesellschaften haben bereits eine Senkung angekündigt. Damit müssen auch die Krankenversicherten der Niedrigzinssituation ihren Tribut zollen. Offenbar erscheint es vielen Gesellschaften eine günstige Situation, sich angesichts der durch Unisex erzwungenen Neukalkulation auch im Bereich Rechnungszins Luft zu verschaffen.

Darüber hinaus wird die normale Beitragsanpassung in die neuen Tarife eingerechnet, die durch Kostensteigerungen ohnehin auch in den Alttarifen notwendig geworden wäre.

Für die PKV wird 2013 wohl ein schwieriges Jahr werden. Denn ihre Preis-/Leistungs-Relation verschlechtert sich relativ zur Gesetzlichen Krankenversicherung. In der GKV sind die Höherverdienenden durch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 2,9 Prozent betroffen, neben den normalen Steigerungen der absoluten Beiträge, die durch steigende Löhne verursacht werden.
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Autor(en): Matthias Beenken
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