15.07.2013

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Altersvorsorge: Ohne Kinder weniger Rente

In der aktuellen Diskussion über vermeintliche und tatsächliche Fehler und Versäumnisse des Vorsorge-Vertriebs hilft es, sich grundlegende Fakten ins Gedächtnis zu rufen. Der Map-Report tut dies mit den Geburtenzahlen.

In Stellungnahmen des Verbraucherschutzes und der Politik, in Youtube-Videos und Vorträgen wird seit Jahren das Bild des Finanzhais bemüht, der Versicherungen und Geldanlagen ausschließlich zur persönlichen Provisionsbereicherung vertreibt. Dass der Bedarf für Vorsorgesparen objektiv besteht, gerät dabei ebenso in Vergessenheit wie die Tatsache, dass die große Mehrheit der zu schützenden Kunden hierfür einen externen Anstoß braucht – und damit jemanden, der ihn provisionsgetrieben aufsucht, berät und zu einem sinnvollen Abschluss führt. Wer dagegen in seiner Kanzlei wartet, bis honorarfreudige Kunden freiwillig zu ihm kommen, wartet lange – jedenfalls auf diejenigen Menschen, die Vorsorge am dringendsten brauchen, es aber nicht wissen oder wissen wollen.

Geburtenzahl fast halbiert
Wie groß der Bedarf ist, dafür sind manche Statistiken hilfreich. Der Fachjournalist Manfred Poweleit erinnert in seinem aktuellen Map-Fax an eine Statistik, die jedem Vorsorgegespräch vorangestellt werden sollte: die Geburtenstatistik. Bis zum so genannten Pillenknick, dem Aufkommen von Antibaby-Pillen, lag die Geburtenzahl regelmäßig bei deutlich über einer Million Kinder, in Spitzenzeiten bei mehr als 1,3 Millionen im Jahr.
Mittlerweile unterschreitet die Geburtenzahl dauerhaft die 700.000er-Grenze. Und das, obwohl es ab 1. August bundesweit einen Anspruch auf Kinderbetreuung auch für Unter-Dreijährige gibt oder seit mehreren Jahren schon großzügige Familienförderung in Gestalt des Erziehungsgeldes. Anscheinend hat bisher keine Bundesregierung das „Erfolgsrezept“ gefunden, mit dem die Geburtenzahl wieder signifikant steigt.

Die Konsequenz ist für Eingeweihte klar: Auf das Umlagesystem der gesetzlichen Versicherungen rollt eine Belastungswelle zu, wenn die geburtenstarken Jahrgänge – die bis Ende der 1960er Jahre Geborenen – in den nächsten maximal zwei Jahrzehnten in den Ruhestand eintreten. Die seither fehlenden Kinder fehlen heute bereits als Eltern, das heißt der Geburtenrückgang wird fast zwangsläufig weitergehen. Gezielte Einwanderung könnte diesen Trend noch zumindest bremsen, aber auch dazu sind bisher keine überzeugenden Konzepte entwickelt und umgesetzt worden.

Viel länger arbeiten – oder viel mehr sparen
Damit ist eins klar: Ein Zurück zur abschlagsfreien Rente mit 65, garniert mit großzügigen Frühverrentungen wie bis vor etwa zehn Jahren auf breiter Front üblich und natürlich einer Wiederanhebung des Rentenniveaus in die Nähe von 70 Prozent der letzten Bezüge gibt es nicht mehr, auch wenn einige linke Politiker davon träumen. Angesichts der Geburtenzahlen grenzt das an Realitätsverweigerung.

Stattdessen wäre es dringend nötig, an realistischen Konzepten zu arbeiten, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer weit über das Alter 65 hinaus zu erhalten. Der Begriff Altersteilzeit sollte mit neuem Bedeutungsinhalt gefüllt werden, indem Menschen bis 70 und noch länger in Teilzeit und damit angemessen zu ihren körperlichen Möglichkeiten arbeiten können. Wer dies nicht will, so muss die Botschaft lauten, der muss heute ganz erhebliche Anteile seines Einkommens sparen statt konsumieren. Alles andere wäre die Quadratur des Renten-Kreises.




Bild: © Christian Riedel / PIXELIO
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 16.07.2013 11:32:12 von Jürgen Lindemann: j- lindemann

Die private Vorsorge ist leider mit schwammingen Aussagen, was die Ablaufleistungen
und die lebenslange Rente bei der privaten Rentenversicherung betrifft, verbunden.
Hier muss eine nachvollziehbare Berechnung mit garantierten Werten erfolgen. Außerdem sollten bei diesen Berechnungen die weichen Kosten berücksichtigt werden.
mehr ...
FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Der digitale Versicherungsvertrieb im Web wird immer wichtiger. Wenn deutsche Kunden ein neues Versicherungsprodukt suchen, recherchieren sie lieber online, statt ihren Vermittler anzurufen, wie eine Studie zeigt.  » mehr
02.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Durch die stark steigenden Immobilienpreise in den Ballungsräumen, ist das Sparziel "Wohneigentum" für Normalverdiener weniger attraktiv. Dies ist ein Ergebnis der Herbstumfrage 2016 des Verbandes der Privaten Bausparkassen zum Sparverhalten der Deutschen.  » mehr
02.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Nordbayerischer Versicherungstag: Vertrieb muss sich (technisch) erneuern, Versicherungstipp von Rudi und Susanne Lehnert, Makler-Champions: Makler entscheiden über Servicewert, 11. Tag der Versicherungswirtschaft in Ulm: Digitalisierung treibt Branche um, Vertrieb: Klassische...  » mehr
01.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Ergo: Schutz bei Cyberangriffen, HKD: Neuer Hausrat-Tarif, Universa mit neuer Pflegezusatzversicherung, Axa: Neuer Pflegevorsorge-Tarif
 » mehr
01.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Die Lebensversicherung ist den Verbraucherschützern schon seit Jahrzehnten ein rotes Tuch. Der mittlerweile verstorbene Hans Dieter Meyer, der 1982 den "Bund der Versicherten" gründete, prägte zum ersten Mal den Begriff "legaler Betrug" für kapitalbildende...  » mehr
01.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Wie die Rentendebatte zeigt, bleibt das von Frank Schirrmacher einst beschworene "Methusalemkomplott" nicht nur ungelöst. Es wird durch die Negativrenditen noch verschärft. Dabei könnte Altersvorsorge so einfach sein, wenn die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie angewandt...  » mehr
01.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Makler-Champions 2017
Versicherer und Pools auf dem Prüfstand! Versicherer und Pools auf dem Prüfstand!

Versicherungsgesellschaften versprechen seit Jahren, ihre Maklerorientierung zu verbessern. Doch was hat sich bislang konkret getan? Zum siebten Mal hat Versicherungsmagazin gemeinsam mit Servicevalue eine unabhängige Maklerbefragung gestartet, um die Gesellschaften zu finden, die "Makler-Champions" sind.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen