22.07.2013

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Innovation: Andere Branchen machen es vor

86 Prozent der Führungskräfte in Banken und Versicherungsunternehmen sehen Innovation und nicht Kosteneffizienz als entscheidend für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens an. Dies ist das Ergebnis einer gesamteuropäischen Studie der Unternehmensberatung h&z, die zu anderen Schlüssen kommt als die aktuelle Studie von Palatinus Consulting (Versicherer in alten Gleisen).


Nicht nur in Zypern straucheln Banken und Versicherer: Ein veränderter regulativer Rahmen und ökonomische Volatilität infolge der Finanzkrise stellen in ihrem Überlebenskampf neue Bedingungen. "Prognosen sind derzeit nicht möglich", hieß es seitens der Landesbank Baden-Württemberg, Deutschlands größter Landesbank, im April dieses Jahres. Eine Situation, die auch die Wirtschaftlichkeit traditioneller Geschäftsmodelle in Frage stellt. Lebens- und Rentenversicherungen werden zum Minusgeschäft sagt Ergo-Vorstandsvorsitzender Torsten Oletzky. Und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" titelte zuletzt: Altersvorsorge - die diskrete Geldvernichtung.

Die Fähigkeit zur strategischen Innovation halten vor diesem Hintergrund 86 Prozent der befragten Führungskräfte in europäischen Banken und Versicherungsunternehmen für den entscheidenden Knackpunkt für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens. Die Kosteneffizienz tritt dagegen in den Hintergrund. Das ist eines der Ergebnisse einer pan-europäischen Studie unter 110 befragten Führungskräften und über 500 Kunden, durchgeführt von der Unternehmensberatung h&z und der Transformation Alliance, einem Netzwerkzusammenschluss unabhängiger europäischer Unternehmensberatungen. Banken und Versicherer investieren viel Geld in neue Produkte und Systeme, um innovativer zu sein, doch der Kunde wertschätzt dies derzeit noch nicht.


Innovation mit Kundenfokus ist Ziel Nummer eins

Entscheidend für den Innovationserfolg ist der Kundenfokus, darin ist sich die Mehrheit der befragten Führungskräfte einig. Die Loyalität der Kunden zu steigern, das ist ihr primäres Ziel. Nur 28 Prozent suchen in ihren Innovationsinitiativen Effizienzgewinne. Damit bestätigt die Studie Forschungsergebnisse der renommierten Copenhagen Business School: Bei einem volatilen Umfeld sind nicht die effizientesten Unternehmen die erfolgreichsten, sondern diejenigen, die sich durch strategische Innovationen am besten anpassen.

Als Lippenbekenntnis bleibt das aber ohne Wirkung, wie die Analyse von Geschäftsberichten europäischer Banken undVersicherer zeigt: Vor der Finanzkrise findet sich "Innovation" mit zunehmender Häufigkeit dort als Schlagwort - allerdings vor allem produktbezogen und offensichtlich ohne positiven Einfluss auf den Geschäftserfolg.

Schlüsselfaktor Umsetzungskompetenz
Wichtiger als schöne Worte ist die Umsetzungskompetenz im Unternehmen. In ihr sehen die befragten Führungskräfte den Schlüsselfaktor für den Innovationserfolg. Ähnlich beurteilen es die Marktanalysten. Das zeigt das Beispiel der Commerzbank: Kosteneffizienz hat hier den Turn-Around und die Rückführung der Bundesmittel ermöglicht - die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wird aber nachhaltig schwach bewertet.

Generali als positives Beispiel
Dagegen überzeugen erfolgreiche Unternehmen wie die Generali Deutschland Gruppe durch konkrete Implementierung und Umsetzung. Sie hat das Thema in Deutschland einem zentralen "Innovationsmanager" zugeordnet. Marc Schreiner, Country Head of Innovation, fördert den Aufbau von Netzwerken und den Best Practice-Austausch zwischen geschäftsverantwortlichen Einheiten: "Innovation darf nicht nur Imagefaktor sein - wir brauchen Initiativen und Projekte und müssen diese auch umsetzen können."

Als zentrales Themenfeld für diese Initiativen sehen die von h&z befragten Führungskräfte den maßgeschneiderten Zuschnitt von Produkten und Dienstleistungen (78 Prozent). Dafür können Banken und Assekuranz von Mass Customization-Ansätzen in der produzierenden Industrie lernen. Ähnlich bedeutend sind der direkte Zugang zum Berater (76 Prozent) und die Produktklarheit (70 Prozent). "Unsere Hauptprobleme sind die Komplexität und die geringe Verständlichkeit", bestätigt Ergo-Vorstandsvorsitzender Torsten Oletzky.

Insgesamt sehen im IT-Bereich drei Viertel der befragten Führungskräfte Handlungsbedarf, sowohl bei der Internet- (87 Prozent) als auch bei der Smartphone-Unterstützung (82 Prozent) ihrer Dienstleistung. Aber Vorsicht mit sozialen Netzwerken: Nur sehr wenige Kunden (elf Prozent) wünschen sich dort Aktivitäten ihres Versicherers oder ihrer Bank.

Die drei Kern-Dimensionen: Themen, Methoden, Kultur
Erfolg mit strategischer Innovation braucht kreative Ideen und dezentrale, unternehmerische Initiative. Erfahrungen aus den Experimenten müssen nach dem Motto "Try Early &Fail Cheap" zusammengebracht und in die Organisation zurückgespielt werden. So können sich erfolgreiche Konzepte schnell verbreiten und es kann aus Fehlern gelernt werden. Diesen Prozess zu unterstützen, darin sieht auch Marc Schreiner bei Generali Deutschland seine Hauptaufgabe.

Das Thema Innovation sollte in drei Dimensionen bearbeitet werden:
1) Themenorientierte Initiativen adressieren Innovationskrisen, die beispielsweise durch neue Geschäftsmodelle oder Technologien ausgelöst sind. Bei der Digitalisierung im Fotogeschäft hat Fuji so erfolgreich die Neu-Orientierung geschafft, während der dominierende Konkurrent Kodak insolvent ging.
2) Unabhängig von Einzelthemen sind unterstützende Methoden und Maßnahmen zu entwickeln, beispielsweise zur Bewertung strategischer Optionen. Damit basiert die Zukunftsfähigkeit auf der nachhaltigen Befähigung der Organisation. Hierzu zählen die befragten Führungskräfte auch Kollaborationswerkzeuge (27 Prozent).
3) Entscheidend ist eine Unternehmenskultur, bei der das Top-Management Innovationsinitiativen und die sichtbare Incentivierung von Treibern solcher Initiativen fördert - auch wenn diese im Einzelfall nicht erfolgreich sind. Diese Förderung von Innovationsbeiträgen verbunden mit einer Fehler tolerierenden Unternehmenskultur halten die befragten Führungskräfte für eine conditio sine qua non.

Der Innovationsmanager als Startpunkt?
Den dedizierten Innovationsmanager als Startpunkt dieser Entwicklung fordern ein Drittel der Befragten. Generali-Mann Schreiner sieht "die sichtbare und zunehmende Unterstützung durch den gesamten Vorstand" als kritische Voraussetzung. Einen nächsten Entwicklungsschritt erkennt er im "proaktiven Treiben von Projekten und Initiativen mit geschäftsorientierter Verantwortung". Diese Projekte sollen nach ersten Erfolgen zum weiteren Wachstum in die Geschäftsbereichseinheiten übergeben werden. Ein ähnliches Vorgehen in Technologieunternehmen, wie durch den Business Development Officer SAP Global Services, zeigt sichtbare Erfolge. Es sind Beispiele, aus denen Versicherer und Kreditinstitute lernen können und sollten.

Die Autoren:
Professor Dr.-Ing. Guido Baltes ist Professor für Strategie und Management an der Hochschule Konstanz. Als Experte für Strategische Innovation liegt der Schwerpunkt seiner Forschung und Lehre im Bereich Dynamischer Fähigkeiten, organisationale Ambidextrie und Corporate Entrepreneurship. Er unterstützt Unternehmen in strategischer Transition und bei der Umsetzung innovationorientierter Wachstumsstrategien.

Sven C. Schumacher ist Partner bei h&z. Er betreut überwiegend Banken und Versicherungen in ihren Optimierungsprojekten. Seine Beratungsexpertise liegt im Einkaufs- und Sachkostenmanagement, in der Organisations- und Strategieentwicklung sowie in der Prozessoptimierung von Operations bzw. Shared Services.

Dr. Raimund Kuess, promovierter Jurist und diplomierter Betriebswirt, ist Projektleiter im h&z Finanzdienstleistungsteam. Er berät Banken und Versicherungen bei Reorganisations-, Prozessoptimierungs- und Einkaufsprojekten.

Bild: © Gerd Altmann/Pixelio.de
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Guido Baltes, Raimund Kuess, Sven C. Schumacher
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Die neuen mobilen Trends in der Automobilbranche interessieren und tangieren zunehmend die Kfz-Versicherer. So werden aus früheren Gegnern - oft gezwungenermaßen - potenzielle Kooperationspartner. Folglich war es nur logisch, dass auf der 3. Internationalen ATZ-Fachtagung...  » mehr
27.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Joachim Wenning (52) ist seit heute neuer Vorstandsvorsitzender von Munich Re. Die Hauptversammlung verabschiedete Nikolaus von Bomhard (60), der dem Konzern über dreizehn Jahre vorstand.  » mehr
27.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der IDD in deutsches Recht stehen fest. Nun ist es höchste Zeit, dass die Provisions- und Vergütungsmodelle neu gestaltet werden. Eine aktuelle Studie skizziert, wie weit die Unternehmen sind und was noch zu tun ist.  » mehr
26.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Das neu gegründete Data Innovation Lab der Axa Deutschland hat drei große Ziele: Kundenbedürfnisse frühzeitiger erkennen, Beziehungen zu Kunden vertiefen und helfen, effizienter zu arbeiten. Das Data Innovation Lab versteht sich als Begegnungsfläche für Analytik, in der...  » mehr
26.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Europäische Union berät derzeit über die Delegierten Rechtsakte, mit denen wichtige Details zur Versicherungsvertriebsrichtlinie geregelt werden sollen. Dabei geht es auch um den Aufwand, den Vertreiber künftig haben werden. Eine aktuelle Umfrage dient der Transparenz über...  » mehr
24.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Für 75 Prozent der deutschen Unternehmen ist das wichtigste betriebliche Problem im Personalsektor, geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) kann ein Instrument zur Mitarbeiterbindung sein, fristet bislang aber noch ein Nischendasein,...  » mehr
24.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen