25.11.2013

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PKV zu höherem Beitragszuschlag bereit

Beim 31. Münsterischen Versicherungstag begrüßte Uwe Laue, Vorsitzender des PKV-Verbands, die Einigung von Union und SPD im Gesundheitsbereich. Aber die Branche hat noch einige Wünsche an die künftige Bundesregierung.

Am Vortag des Münsterischen Versicherungstags erst hatten die Unterhändler von Union und SPD eine Einigung in Sachen Kranken- und Pflegeversicherung bekanntgegeben. Der Vorstandsvorsitzende der Debeka Versicherungen und des PKV-Verbands Uwe Laue staunte darüber, dass ausgerechnet dieses politische Minenfeld als erstes ausgeräumt wurde. Für die private Krankenversicherung (PKV) besonders erfreulich: "Die Bürgerversicherung kommt nicht, sie kommt weder durch Vorder- noch durch die Hintertür", so Laue.

Wettbewerb kommt zurück
Stattdessen sei ein Schwerpunkt der geplanten Koalition, die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung neu zu ordnen. "Der Wettbewerb ist wieder da", so Laue zu der Einigung auf einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Ein zweiter Schwerpunkt sei eine Ausweitung der Sozialen Pflegepflichtversicherung. Dafür werde der Beitragssatz um einen halben Prozentpunkt angehoben, um mehr Leistungen, eine Neudefinition der Pflegebedürftigkeit in fünf statt bisher drei Stufen und - mit 0,1 Prozentpunkten Beitragsanteil - einen Kapitalstock in einem Fonds aufzubauen.

Dieser soll bei der Bundesbank angelegt werden. Zwar kritisierte Laue, dass keine privatwirtschaftliche Fondslösung gewählt werde, aber angesichts der Niedrigzinsen dürfte das Interesse derzeit eher mäßig sein - jedenfalls fiel Laues Kritik an der staatlichen Fondslösung vergleichsweise milde aus.
Auch ein Ausbau der Portabilität in der PKV soll nicht kommen. Nach Laues Einschätzung will die SPD eine Stärkung des PKV-Systems möglichst vermeiden. Nicht wehren können werden sich die Branche und vor allem die Versicherten gegen einen Zusatzbeitrag für Präventionsmaßnahmen, den Laue auf zehn Euro pro Mitglied in GKV und PKV bezifferte. Zwar gebe es keine rechtliche Möglichkeit, diesen Sonderbeitrag von Privatversicherten zu verlangen, aber es werde entsprechender moralischer Druck aufgebaut werden.

Versicherer sollten Streitpunkte ausräumen
Laue benannte allerdings auch eine Reihe Bereiche, in denen sich das Krankenversicherungssystem seiner Meinung nach weiterentwickeln muss. "Ich sehe einige Herausforderungen", meinte er, "künftig werden wir mehr Rollatoren als Kinderwagen auf den Straßen sehen". Die GKV solle abgrenzbare Leistungen wie Unfälle im Privatbereich, Zahnbehandlung und -ersatz sowie Krankengeldzahlungen ausgliedern und der PKV überlassen, wiederholte er eine alte Forderung des Verbands und bezifferte die mögliche Kosteneinsparung auf jeweils rund neun Milliarden Euro.

Aber auch die PKV schonte Laute nicht ganz. Auf der Leistungsseite hätten zumindest die meisten Versicherer die Unisexeinführung genutzt, die Tarife so anzupassen, dass es keine Leistungslücken mehr gegenüber der GKV gibt - offenbar aber nicht alle Unternehmen. Auch das Thema Beitragsanpassungen ist für Laue ein entscheidendes, um nicht die Akzeptanz für die PKV zu verlieren. Zwar gibt es seiner Meinung nach nur vereinzelte Ausreißer, insgesamt jedoch nur moderate Beitragsanpassungen knapp über denen der GKV. Dennoch schlug er vor, den derzeit zehn Prozent betragenden gesetzlichen Beitragszuschlag zu erhöhen.

Außerdem solle die Versicherungsaufsicht strenger überwachen, dass Versicherer keine Tarife mehr mit "unrealistisch günstigen Anfangsbeiträgen" auf den Markt bringen. Er nannte die Aktion seines Hauses, die PKV innerhalb von sechs Monaten nach Eintritt der Versicherungsfreiheit auch für Angestellte mit Vorerkrankungen zu öffnen, als ein Modell für die Branche. Bei den Beamten gebe es schon seit 23 Jahren die Regelung, dass diese nicht wegen Krankheit abgelehnt und ein maximaler Risikozuschlag von 30 Prozent verlangt werde, das sollte auch für Angestellte gelten.

Immer höheres Eintrittsalter
Laue stellte allerdings auch eine Reihe Forderungen auf. So gehören Zusatzversicherungen seiner Meinung nach nur in die PKV und nicht in Form von Wahltarifen zur GKV. Bei der Umsatzsteuer könnte er sich Erleichterungen für Patienten aller Systeme vorstellen. Bei der betrieblichen Krankenversicherung verlangte Laue von der Finanzverwaltung "dringend eine Klarstellung", ob diese weiterhin gefördert werden kann. In Insolvenzfällen möchte er Ansprüche auf ausstehende Krankenversicherungsbeiträge mit Priorität behandelt sehen.

Vor allem wünschte er sich mehr Wahlfreiheit für Angestellte und verwies darauf, dass das durchschnittliche Eintrittsalter von 29 auf mittlerweile 37 Jahre angestiegen ist, ein Zeichen dafür, dass die Versicherungspflichtgrenze deutlich schneller als die Lohnentwicklung steigt. Einen Erfolg der Wahlfreiheit mit einer zwar nur kleinen, aber doch anregenden Förderung verzeichnete Laue beim Pflege-Bahr: 330.000 Verträge seien inzwischen abgeschlossen, und in 2014 erwartet er, dass die Millionen-Grenze überschritten wird.

Bild: © Benjamin Klack/Pixelio.de
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Autor(en): Matthias Beenken
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