09.12.2013

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Stimmungsschwankungen bei Maklern

Eine launige Analyse von Trendbefragungen zeigt, wie viel man aus solchen Studien herauslesen kann - oder gerade nicht.

Seit etlichen Jahren ist die Trendforschung im Bereich der Versicherungsvermittler etabliert. Besonders geeignet erscheinen freie Vermittler, also Makler und Mehrfachvertreter, um die "Stimmung" im Markt wiederzugeben. Für Vertriebsverantwortliche bieten die Indizes Vergleichshilfen, um die eigene Wahrnehmung und die eigenen Zahlen im Vergleich zum Wettbewerb einzuordnen. Medien liefern den Indizes dankbaren Stoff, Neues zu berichten.

Seismografische Basisarbeit
Mindestens schon rund zehn Jahre beschäftigt sich die heutige Yougov AG, früher Psychonomics, mit solcher seismografischen Basisarbeit. Auch die bbg Betriebsberatungs GmbH ist bereits seit etlichen Jahren aktiv und nutzt ihren Fundus an Adressen von freien Vermittlern.

So zeigt die aktuelle Trendstudie "IV/2013" auf der Basis von rund 400 befragten Vermittlern ein durchaus positives Bild. 71 Prozent der Befragten sind zufrieden bis hin sogar zu begeistert über die aktuelle Geschäftsentwicklung.

Wunsch-Endalter wird verschoben
Zu dieser Studie gehören auch eine Erhebung des Alters der Teilnehmer sowie die Frage danach, wann der Ausstieg aus der Tätigkeit geplant ist. Beides ist im langfristigen Vergleich leicht gestiegen, das Durchschnittsalter wird aktuell mit gut 49 Jahren angegeben. Im Jahr 2008 lag es noch rund zwei Jahre niedriger. Damals wollten die Teilnehmer im Schnitt mit 65 bis 66 Jahren aufhören, aktuell liegt das Wunschausstiegsalter zwischen 66 und 67 Jahren. Daraus könnte man einen ersten interessanten Schluss ziehen, dass sich die Befragten nicht vorstellen können, ihre Tätigkeit zu beenden, und deshalb den Ausstieg immer weiter hinausschieben.

Diesen Verdacht nährt eine weitere Analyse: Vergleicht man das Durchschnittsalter der Befragten und die jeweils genannte durchschnittliche Stimmung, so ist sowohl optisch als auch rechnerisch eine positive Korrelation festzustellen. Mit anderen Worten, je älter man ist, desto mehr macht die Arbeit Freude. Da erscheint es folgerichtig, dass die Befragten immer später aufhören wollen.







Selbsttäuschung im Spiel?
Allerdings könnte es sein, dass sich die Befragten doch etwas über ihre Stimmung täuschen. Diesen Schluss wiederum legt ein Vergleich der Antworten auf die Frage nach der Stimmung im aktuellen Quartal sowie nach der Verbesserung des aktuellen zum selben Vorjahresquartal nahe. Denn verschiebt man die Kurve der wahrgenommenen Verbesserung um dieses eine Jahr relativ zur aktuellen Stimmungsmeldung, sodass das jeweilige Quartal aus heutiger wie aus damaliger Sicht aufeinander treffen, dann überraschen die Kurvenverläufe. Zu erwarten wäre ein Gleichlauf. Den gibt es auch, aber nur ab und zu. Ansonsten scheint es doch immer wieder zu positiven wie negativen Verklärungen dessen zu kommen, was man noch ein Jahr zuvor empfunden hat. Insgesamt laufen die Trends sogar auseinander: Man ist immer besser gestimmt und sieht das immer seltener als Verbesserung an. Ist doch logisch, oder?

Dieser Effekt lässt sich allerdings vielleicht erklären. Denn während die zeitverschobene Wahrnehmung negativ korreliert, ist die zeitgleiche Beurteilung unterschiedlicher Quartale positiv korreliert. Das heißt auf Deutsch, die aktuelle Stimmung wird tendenziell auf früher übertragen. Ein genaues Erinnern an dieselbe Zeit vor einem Jahr fällt wohl doch eher schwer.



Von der Neujahrseuphorie in die Depression
Noch etwas fällt auf: Die starken Stimmungsschwankungen der freien Vermittler. Anscheinend gibt es eine Neujahrseuphorie, die in schöner Regelmäßigkeit über den Jahresverlauf in Depressionen endet. Wer das weiß, kann sich gut vor Depressionen schützen, indem er am 1. April sein Maklerbüro bis zum nächsten Jahreswechsel schließt. Vielleicht verstärkt dieser ungewohnt lange Urlaub sogar die Jahreseröffnungsbegeisterung. Das aber ist reine Spekulation und vorerst nicht durch Zahlen zu belegen.

Gedanken machen sollten sich die freien Vermittler allerdings auch, von wem sie sich befragen lassen. Denn wer sich von der bbg befragen lässt, unterliegt deutlich stärkeren Stimmungsschwankungen als diejenigen, die Yougov auf die Frage der Fragen nach dem Geschäftsverlauf antworten. Dafür aber schwanken bbg-Befragte stabiler, während Yougov-Teilnehmer im Zeitablauf einen erkennbar negativen Trend aufweisen. Immerhin gibt es rechnerisch noch eine positive Korrelation zwischen beiden Maklerbefragungen, das heißt man ist sich in den wesentlichen Fragen der Konjunkturentwicklung nicht ganz uneinig.

Eine gewisse Skepsis kann nicht schaden
Der Unterschied kann allerdings auch daran liegen, dass Yougov nach eigenen Angaben ein Panel benutzt, also stets dieselben Makler befragt, während es sich bei der bbg-Umfrage wohl um Zufallsstichproben mit wechselnder Zusammensetzung handelt. Auch sind die Zahlen unterschiedlich, bei Yougov sind es meist um die 200 Teilnehmer.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Konjunkturbefragungen sicher wertvolle Erkenntnisse liefern und deshalb fortgesetzt werden sollten. Aber eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht. Methodik und Fragestellungen beeinflussen die Ergebnisse erkennbar stark und erschweren die Interpretation. So wie auch die Interpretation der Behauptungen, die in diesem Artikel aufgestellt wurden.




Bildquelle: © Berwis/Pixelio.de
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz den Absatz von bAV-Produkten in mittelständischen Unternehmen ankurbeln? Im Prinzip ja, meint eine Mehrheit von bAV-Verantwortlichen, die für eine Studie befragt wurden.  » mehr
29.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Das Vergleichsportal für die private Krankenversicherung (PKV) KV-Fux.de hat jetzt seinen Betrieb aufgenommen. Es wird von der Debeka, Huk-Coburg-Gruppe und der Concordia finanziert. Betreiber ist das Softwarehaus KVpro.de aus Freiburg. "Einen Einfluss auf die...  » mehr
14.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Gibt es frauenspezifische Literatur und Kunst? Verhalten sich Frauen im Straßenverkehr anders als Männer? Denken Frauen und Männer unterschiedlich? Fundierte Antworten dazu können an dieser Stelle nicht gegeben werden. Auskünfte darüber, ob sich das Anlageverhalten von Frauen...  » mehr
10.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Noch haben interessierte Versicherungsvermittler Gelegenheit, an der BVK-Strukturanalyse teilzunehmen. Diese führt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) zum zweiten Mal mit dem Versicherungsjournal durch. Die Branchenumfrage findet unter wissenschaftlicher...  » mehr
07.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Rund 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Diese Zahl stagniert seit Jahren. Eine automatische Entgeldumwandlung könnte die Teilnahmequote an der bAV erhöhen. Eine breite Mehrheit der Arbeitnehmer würde dies befürworten,...  » mehr
23.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Gut 45 Prozent der Versicherer weltweit sehen den Wandel der Kundenbedürfnisse mittlerweile als eine der größten Gefahren für das eigene Wachstum. Dies ist ein Ergebnis des aktuellen "CEO-Survey" von PwC.  » mehr
16.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen