10.02.2014

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

EIOPA läuft sich warm für die Vermittlungsaufsicht

Nachdem die europäische Versicherungsaufsicht schon einen Sturm der Entrüstung mit dem Anliegen ausgelöst hatte, jeden noch so kleinen Vermittlerbetrieb zur Bestellung eines „Beschwerdebeauftragten“ zu zwingen, will sie nun gegenüber den Vergleichsportalen Zeichen setzen und die noch gar nicht verabschiedete Vermittlerrichtlinie 2 übertrumpfen.

Aktuell setzt sich EIOPA mit einem seiner drei Schwerpunkte des Konsumentenschutzes weiter auseinander, die die Aufsicht Anfang 2012 in den Fokus der Arbeit gerückt hat. In seinem „Report on Good Practices on Comparison Websites“ vollzieht EIOPA einen Balanceakt zwischen der noch fehlenden rechtlichen Autorisierung, der Vermittlerbranche verbindliche Vorgaben zu machen, und dem offenkundigen Ziel, sich als handlungsstarke Aufsichtsbehörde zu präsentieren.
In dem Papier werden Verhaltensrichtlinien für Internet-Versicherungsvergleichsportale aufgestellt, die zwar als nicht rechtlich verbindlich bezeichnet werden, gleichwohl aber deren Einhaltung eingefordert wird. Auch die nationalen Regierungen werden aufgerufen, diese Regeln in ihren Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen.

Umfassende Transparenz gefordert
In insgesamt sechs Regelungsbereichen werden Hinweise zu einem guten Verhalten zusammengefasst. Diese betreffen die Informationen zur Webseite und ihren Betreibern, Informationen zur Beratungsgrundlage und damit den in den Vergleich einbezogenen Versicherern, den Umgang mit Interessenkonflikten, Regeln zur Erstellung von Versicherungsrankings, der Darstellung der für Verbraucher wichtigen Informationen sowie zur Aktualität der Informationen.

Sollen jegliche Geschäftsbeziehung offenlegen
In einigen Bereichen geht EIOPA allerdings weit über das hinaus, was sowohl die gültige als auch die künftige Vermittlerrichtlinie gemäß dem Vorschlag der EU-Kommission von 2012 (IMD 2) fordern. Beispielsweise verlangt die Behörde, dass Portale jegliche Geschäftsbeziehung zu Versicherungsunternehmen offenlegen, was die in der Regel als Makler zugelassenen Betreiber zu außerordentlich umfangreichen und wettbewerblich auch bedenklichen Offenlegungen zwingt.

Dagegen verlangt die Vermittlerrichtlinie von Maklern lediglich, dass sie bei ihren Empfehlungen eine ausgewogene Marktuntersuchung zugrunde legen. Das deutsche Recht hat daraus die Pflicht zu einer „hinreichenden Anzahl von auf dem Markt angebotenen Versicherungsverträgen und von Versicherern“ gemacht, die ein Makler in seinen Rat einzubeziehen hat (§ 60 Absatz 1 Satz 1 VVG). Eine Information an den Kunden, welche Versicherer das alles sind oder theoretisch sein könnten, wird gerade eben nicht verlangt.

Überzogene Erklärungspflichten
Werden bestimmte Versicherungsprodukte ins virtuelle Schaufenster gestellt und werblich angepriesen, soll der Betreiber genau erklären, warum er diese Produkte ausgewählt hat, und was der Verbraucher unter der Empfehlung zu verstehen hat. Das ist ungefähr so, wie wenn man Einzelhändler verpflichten würde, in ihren Werbeanzeige genau zu erklären, warum sie beispielsweise eine bestimmte Kaffeesorte als Sonderangebot der Woche ausgewählt haben und darauf hinzuweisen, dass trotz dieser Kaufempfehlung Kaffee immer noch für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gefährlich sein kann.

Schließlich wird über die Vermittlerrichtlinie hinaus verlangt, Vergleiche nicht ausschließlich nach dem Kriterium Preis, sondern auch nach Leistungen durchzuführen. Auf den ersten Blick erscheint das selbstverständlich, dass nicht der Preis allein entscheidend sein kann. Und die Kritik an Vergleichsportalen ist nachvollziehbar, dass sie möglicherweise den Kunden zu einseitig auf den Preisvergleich hin konditionieren.

Spielt der Wunsch des Kunden keine Rolle mehr?
Doch auf den zweiten Blick wirft das zwei gravierende Fragen auf. Die erste ist, wie denn der Fall zu behandeln ist, wenn ein Kunde genau diesen Wunsch hegt, ein besonders billiges Versicherungsprodukt zu erwerben. Die Vermittlerrichtlinie verpflichtet Vermittler lediglich, die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden in den Rat einzubeziehen. Sie sieht keineswegs vor, den Kunden zu zwingen, sich auch gegen seine Wunsch nach anderen als nach den von ihm ausdrücklich gewünschten Kriterien beraten und Produkte empfehlen zu lassen.

Die zweite Frage ist, wer denn definiert, nach welchen Leistungskriterien und wie genau ein Ranking erstellt werden soll. Selbst scheinbar einfache Versicherungsprodukte weisen eine Vielzahl von Leistungskriterien auf, in denen sie sich im Wettbewerb voneinander unterscheiden.

Versicherungen unterscheiden sich nicht nur durch den Preis

Viel sinnvoller wäre es, wenn EIOPA die nationalen Regierungen dazu aufrufen würde, Bemühungen anzustellen und zu verstärken, die Verbraucher aufzuklären und ihnen das notwendige Grundwissen im Umgang mit Versicherungsprodukten zu verschaffen – beispielsweise, dass sich Versicherungen keineswegs nur im Preis voneinander unterscheiden. Und anstatt Versicherungsvermittler zu diskriminieren, einen Provisions-Striptease von ihnen zu verlangen und damit indirekt überhöhte Anschlusskosten an den Pranger zu stellen, müsste vielmehr den Verbrauchern der Wert einer guten Beratung erläutert werden, und dass diese auch gutes Geld kosten muss.
Wenn dann der Verbraucher noch erfährt, woran er eine gute Beratung erkennen und wie er sie von schlechter Beratung unterscheiden kann, darf man es doch wohl dem mündigen Verbraucher selbst überlassen zu entscheiden, was denn seine „Wünsche und Bedürfnisse“ sind.

Bildquelle: EIOPA
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Bald sollen sich Versicherungsmakler und Versicherer besser verstehen: Das GDV-Projekt Maklerkommunikation 4.0 wird am 7. Oktober 2016 an den Start gehen.
 » mehr
29.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Vertragsservice, telefonische Erstberatung sowie Compliance-Beratung: Durch die Kooperation mit der Hamburger Anwaltskanzlei Michaelis kann die Heilwesen Netzwerk RM eG ihren Mitgliedern mehr Services bieten.  » mehr
27.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Bekanntlich haben drei deutsche Versicherer nach der Solvabilität-II-Berichterstattung zur Bedeckungssituation durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Kriterien nicht erfüllt. Die VSAV will nun konkrete Namen von der Behörde wissen. Diese beruft sich auf...  » mehr
22.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Der Maklerdienstleister und Spezialversicherungsmakler Finlex ist mit einer elektronischen Ausschreibungs- und Platzierungsplattform für Financial Lines an den Start gegangen. Die ersten Produktangebote sind klassische Financial Lines: D&O-, Rechtsschutz- sowie...  » mehr
20.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Anforderungen an eine effiziente IT-Unterstützung für den Versicherungsvertrieb NACHRICHT
Im heutigen Versicherungsvertriebsumfeld kommt der Einbindung leistungsstarker IT-Tools eine zentrale Rolle zu. Ein hoher Automatisierungsgrad ist eine wichtige Anforderung für eine effiziente Kundenbetreuung durch die beteiligten Vermittler.  » mehr
18.07.2016
   WebTV   Bildergalerie   ANZEIGE
Im Rahmen des diesjährigen Charta Qualitätsbarometers wurden wieder besonders maklerfreundliche Versicherer in den Sparten Lebens-, Kranken-, Schaden- und Rechtsschutzversicherung ausgezeichnet. Wer vorne lag, und was die Makler den Versicherern in Sachen Digitalisierung ins...  » mehr
18.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen