09.04.2014

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Die Flutpflichtversicherung wird nicht kommen

Eine Pflichtversicherung gegen Hochwasserschäden für Gebäudebesitzer wird auf der diesjährigen Wissenschaftstagung (10.4.2014) des Bund der Versicherten (BdV) ein wichtiges Thema sein – wie schon im Vorjahr. Seit Jahrzehnten fordern die Verbraucherschützer einen solchen Schutz für alle Gebäudebesitzer zur Pflicht zu machen.

Aktuell, so der Appell des BdV, soll die erweiterte Elementarschadenversicherung, die die private Assekuranz für Immobilienbesitzer anbietet, zur Pflichtversicherung umgewidmet werden. Dann wären gleichzeitig viele weitere Elementarschäden, vom Erdrutsch über den Schneedruck bis hin zum Vulkanausbruch mitversichert. Die klassische Wohngebäudeversicherung umfasst nur den Schutz gegen die Elementargefahren Sturm und Hagel.

Der BdV sieht sich derzeit auch in einem politischen Hoch. Denn Politiker in Thüringen und Sachsen unterstützen das Vorhaben. Für Unruhe hat auch eine Kündigungsaktion der Allianzversicherung im vergangen Jahr gesorgt. Der Versicherer hatte per Änderungskündigung die Prämien für Hochwasserschutz besonders gefährdeter Objekte in Altpolicen stark erhöht.

Bundesweit relativ wenige Elementarschutzversicherungen
Bundesweit sollen nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erst rund 33 Prozent aller Immobilienbesitzer einen zusätzlichen Elementarschutz eingedeckt haben. Dabei sind die Versicherer längst dazu übergegangen, dass die Kunden den zusätzlichen Schutz abwählen müssen. Trotzdem bleibt das Dilemma, dass bestimmte Gebäude in Hochrisikozonen nicht versicherbar sind. Nach Angaben des BdV würden „die Problem“ schon in der zweithöchsten Zürs-Stufe 3 (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) auftreten. Viele Versicherer würden schon in dieser Stufe den Schutz erst nach Einzelfallprüfung gewähren.Zudem gebe es oft hohe Selbstbeteiligungen oder Prämienzuschläge.

Demgegenüber behauptet der GDV, dass 99 Prozent aller Häuser in Deutschland problemlos versicherbar wären. „Für das verbleibende Prozent werden mit Selbstbehalten oder individuellen baulichen Maßnahmen oft bezahlbare Lösungen angeboten“, heißt es beim GDV. Die Versicherer lehnen eine Pflichtversicherung weiterhin energisch ab. Nach ihrer Meinung würde ein solcher Pflichtschutz dazu führen, dass Gebäudebesitzer und öffentliche Hand ihre Bemühungen um Prävention einstellten. Häuser würden dann wieder zunehmend in Risikozonen gebaut.

Vorbild Großbritannien
Der GDV verweist auf Großbritannien. Hier habe ein Elementarpflichtschutz für Gebäudebesitzer zu einer Vervielfachung der Prämien geführt. Auch das Europäisch Parlament hat eine europaweite Einführung „wegen zu hoher Komplexität“ abgelehnt. In Deutschland dürfte die Einführung einer solchen Pflichtversicherung aber vor allem an verfassungsrechtlichen Bedenken scheitern. Darauf hatte bei der BdV-Tagung 2013 Volker Schöfisch vom Bundesjustizministerium hingewiesen. Kunden ohne Risiko würden zwangsweise versichert und dürften sich gegen einen solchen enteignungsgleichen Eingriff wohl wehren.

Die größte Hürde einer Pflichtversicherung ist jedoch der hohe Verwaltungsaufwand. So müsste mit der Pflichtpolice, wie bei der Kfz-Haftpflichtversicherung, ein Zulassungsverfahren eingeführt werden, damit sichergestellt wird, dass jeder Hausbesitzer seine Prämie zahlt. Daher ist in der Vergangenheit eine Zwangsversicherung immer dann gescheitert, wenn ihre praktische Einführung auf Expertenebene diskutiert wurde. Dies dürfte auch 2014 der Fall sein.

Bildquelle: GDV – Ihre Deutschen Versicherer
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Vor drei Monaten ist das "Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs im Eisenbahnbereich" in Kraft getreten.Eisenbahnunternehmen, Fahrzeughalter und Wagenhalter müssen demnach bis zum 2. März 2017 die Deckungssumme ihrer Haftpflichtversicherung auf mindestens 20 Millionen Euro erhöhen.  » mehr
01.12.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Wie kann die verbundene Wohngebäudeversicherung (VGV), bislang das Sorgenkind der Komposit-Branche, auf Erfolgskurs getrimmt werden? Die Analysten der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners empfehlen den Unternehmen, die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden besser...  » mehr
22.11.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Marcel Armon (38) wird im kommenden Jahr die Geschäftsführung der Dual Deutschland GmbH verstärken. Als Sprecher der Geschäftsführung soll er das Underwriting sowie Vertrieb und Marketing verantworten und die Entwicklung des Assekuradeurs weiter vorantreiben.  » mehr
17.11.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Fast jeder Dritte hat schon im Internet Versicherungen abgeschlossen. Ein Abgesang auf den klassischen Vertrieb lässt sich damit aber nicht begründen - wenn der Vertrieb die richtigen Schlüsse zieht.  » mehr
14.11.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Chubb hat nun sein Vertriebsteam für Deutschland zusammen. Die Ernennungen treten mit sofortiger Wirkung ein und sind Teil des laufenden Integrationsprozesses als Folge der Übernahme der Chubb durch ACE.  » mehr
10.11.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Zum Ende des Jahres ist es immer ratsam, sich eingehender mit den Finanzen zu beschäftigen, um keine Termine zu versäumen und keine finanziellen Vorteile zu verschenken. Worauf Verbraucher bis zum Jahresende achten sollten, hat der Finanzdienstleister Plansecur aus Kassel...  » mehr
03.11.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Makler-Champions 2017
Versicherer und Pools auf dem Prüfstand! Versicherer und Pools auf dem Prüfstand!

Versicherungsgesellschaften versprechen seit Jahren, ihre Maklerorientierung zu verbessern. Doch was hat sich bislang konkret getan? Zum siebten Mal hat Versicherungsmagazin gemeinsam mit Servicevalue eine unabhängige Maklerbefragung gestartet, um die Gesellschaften zu finden, die "Makler-Champions" sind.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen