22.09.2014

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Schlammschlacht im Gewerkschaftslager

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versucht jetzt vor Gericht, die Spaltung der Arbeitnehmervertretung sowohl im Versicherer- als auch im Vermittlergewerbe zu verhindern.

Vor 13 Jahren entstand innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die heutige Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus einer Fusion verschiedener Spartengewerkschaften. Dazu gehörten neben ÖTV und IG Medien vor allem auch die DGB-Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV) und die bis dahin unabhängige Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG).

Wenig Interesse an gewerkschaftlicher Vertretung
In der Versicherungsbranche litten beide zuständigen Gewerkschaften HBV und DAG unter einem eher geringen Organisationsgrad der Beschäftigten. Dadurch gingen Tarifverhandlungen sowohl für die Beschäftigten der Versicherungsunternehmen als auch derjenigen in Vertreter- und Maklerunternehmen meist recht geräuschlos und schnell über die Bühne. Anders als bei Branchen wie Metall oder Öffentlicher Dienst mussten die Arbeitgeber keine nennenswerten Streiks und ähnliche Arbeitskampfmaßnahmen befürchten.

Die Fusion sollte mehr Schlagkraft bringen. Für die Versicherungsbeschäftigten positiv, wurde der sehr unideologische und pragmatische frühere Gewerkschaftssekretär der DAG, Richard Sommer, Bundesfachgruppenleiter bei Verdi. Doch mit seinem Eintritt in den Ruhestand verstummte diese Stimme gegen manche, eher politisch motivierte Festlegung des DGB. Beispiel Bürgerversicherung: Während der DGB sich früh auf die SPD-Forderung nach einer Abschaffung der privaten Vollversicherung zugunsten einer sogenannten Bürgerversicherung festlegte, erreichte Sommer innerhalb von Verdi, zumindest eine solche Festlegung öffentlich zu vermeiden. Denn für die Beschäftigten der betroffenen Krankenversicherungsunternehmen sowie für die über 80.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei den unter anderem von Krankenversicherungsvermittlung lebenden Vermittlern lösten solche Pläne verständlicherweise Existenzsorgen und Widerstand aus.

Unzufriedene gründeten neue (alte?) Gewerkschaft
Nach der Pensionierung von Sommer war der Weg frei, innerhalb auch Verdi einseitig linkspopulistische Positionen zu vertreten. Im Jahr 2010 schließlich wurde die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) "von unzufriedenen Verdi-Mitgliedern gegründet", wie Verdi in einer Pressemitteilung es darstellt. Sommer übernahm in diesem Jahr den Auftrag, die neue Gewerkschaft mit dem der alten DAG so ähnlichen Namen bei ihrem Aufbau zu unterstützen.

Offenkundig bereitet diese Wendung nun Verdi kalte Füße. Anfang September gab Verdi bekannt, gegen die NAG Klage einzureichen, um ihr den Gewerkschaftsstatus abzuerkennen. Christoph Meister, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für Finanzdienstleistungen: "Eine starke gewerkschaftliche Interessenvertretung erfordert zwingend eine entsprechende Durchsetzungsfähigkeit. Dafür steht in der Versicherungswirtschaft allein Verdi."

Aufsichtsratsposten verloren
Aus ihrer Sicht sei die NAG weder fachlich noch als Tarifvertragspartei "allerdings bislang nicht erkennbar in Erscheinung getreten." Auch reiche die Mitgliederzahl nicht aus. Über die Zahl der Mitglieder schweigt sich die NAG auf Nachfrage aus. Gleichwohl stellt sich die Frage, warum unter diesen Umständen eine Klage überhaupt notwendig ist - offensichtlich traut Verdi der NAG doch mehr zu.

Auslöser des Streits ist wohl auch, dass die NAG bei den Aufsichtsratswahlen der Münchener Rück im März einen eigenen Wahlvorschlag eingereicht hatte. Mit knapp 41 Prozent der Stimmen erhielt die NAG so viel Zuspruch, dass sie einen der drei Sitze, die für Gewerkschaften vorgesehen sind, Verdi abnehmen konnte. Neben der Ergo-Betriebsrätin Ina Hosenfelder sitzt zudem mit dem Ergo-Konzernbetriebsratschef Marco Nörenberg auch der Vorsitzende des Gewerkschaftsrates der NAG im Münchener Rück-Aufsichtsrat. Verdi reagiert auf den Verlust dünnhäutig und wirft der NAG "Vortäuschung einer bestehenden Gewerkschaftseigenschaft" und persönliche finanzielle Interessen vor, "lukrative Aufsichtsratsmandate zu erringen".

Bidlquelle: © Cumulus
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 22.09.2014 14:55:37 von Cw: Verdi als geldgeiler Neider

Da stelle man sich vor, da ist eine Gewerkschaft (Ver.di) die beschliesst ein politisches Votum (Bürgerversicherung) und somit die Gefährdung aller Mitarbeiter im PKV-Bereich. Klug wie sie ist gibt sie ein Gutachten (Bei der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung) in Auftrag, welches beweisen soll, dass kein Arbeitsplatz gefährdet sei.
Dumm nur, dass das Gutachten die Befürchtungen der Arbeitnehmer bestätigt.
Für Verdi kein Problem. Das Gutachten wird zur Nachbesserung zurück gegeben. Eine so Kluge Gewerkschaft wie Ver.di kann sich nicht irren.
Dumm nur auch nach Nachbesserung kostet es noch immer fast 70000 Arbeitsplätze.
Aber weise wie die Verdi-Leute sind gibt es einen Paradigmenwechsel und man hat nie die Bürgerversicherung gefordert. Man will Versicherung zu gleichen Regeln (also eine Bürgerversicherung).

Die Menschen lassen sich aber nicht für Dumm verkaufen. Nicht umsonst ist die NAG so erfolgreich, da sie sich genau dafür einsetzt wofür Verdi sich schon lange nicht mehr einsetzt- für die Arbeitsplätze der Menschen im Versicherungsgewerbe.

Der Erfolg bei der Aufsichtsratswahl bei der MunichRe zeigt wie wichtig die NAG geworden ist.

Das geht aber gar nicht. Jedenfalls nach Verdi. Das Geld kann man viel besser selber gebrauchen (um etwa mit politischen Forderungen genau diese Unternehmen zu schädigen). Der Widersacher muss weg.

Und wie jeder schlechte Mensch unterstellt man den anderen genau das, was man selber will.

Jeder Arbeitnehmer der Versicherungswirtschaft muss sich im klaren sein, dass jeder Euro Mitgliedsbeitrag bei Verdi direkt seinen Arbeitsplatz gefährdet
mehr ...
am 23.09.2014 09:20:19 von CP: Beiträge für Gerichtsverfahren?

Na Super! Dafür zweckentfremdet VER.DI also die Mitgliedbeiträge. Um Mitbewerber mundtot zu machen in teuren Gerichtsverfahren. Peinlicher geht es ja schon nicht mehr!!!
mehr ...
FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Die klassische Managerhaftpflicht-Police hat ausgedient. Herkömmliche Directors-and-Officers-Versicherungen (D&O) werden vom Unternehmen abgeschlossen. "Der individuelle Vermögensschutz nimmt im Rahmen einer Unternehmens-D&O nur eine untergeordnete Rolle ein", kritisiert...  » mehr
28.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Vorstandswechsel bei der Grundeigentümer-Versicherung VVaG: Heinz Walter Berens und Rüdiger Buyten gehen zum 31. Dezember in den Ruhestand. Bereits zum 1. Juli 2016 ist Dr. Matthias Salge in den Vorstand der Grundeigentümer-Versicherung berufen worden.  » mehr
28.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Vertragsservice, telefonische Erstberatung sowie Compliance-Beratung: Durch die Kooperation mit der Hamburger Anwaltskanzlei Michaelis kann die Heilwesen Netzwerk RM eG ihren Mitgliedern mehr Services bieten.  » mehr
27.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Die digitale Zukunft der Versicherung VERANSTALTUNG
3. Management Circle Strategietagung: Versicherung neu denken - auf dem Weg zum digitalen Kundenerlebnis. Diskutieren Sie die aktuellen Trends und Herausforderungen mit namhaften Experten aus der Versicherungswirtschaft und Beratung.

 » mehr
25.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Bekanntlich haben drei deutsche Versicherer nach der Solvabilität-II-Berichterstattung zur Bedeckungssituation durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Kriterien nicht erfüllt. Die VSAV will nun konkrete Namen von der Behörde wissen. Diese beruft sich auf...  » mehr
22.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Zum 1. November 2016 wird Emmanuel (Manny) Roman (52) Chief Executive Officer der Pacific Investment Management Company LLC (Pimco), einem Tochterunternehmen der Allianz im Bereich Asset Management. Er löst Douglas (Doug) Hodge (58) ab, der Pimco - so wörtlich - durch eine...  » mehr
21.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen