18.05.2015

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Vertriebskosten weiterhin im Visier der Politik



Die Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek ermunterte die Versicherungsbranche, weiter aktiv Altersvorsorge zu verkaufen. Sie mahnte aber auch deutliche Änderungen im Vertrieb an.

Zufällig zeitlich parallel erschienen Anfang der vergangenen Woche zwei Studien, die sich mit den ersten beobachtbaren Auswirkungen des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) beschäftigen.

Dr. Mark Ortmann vom ITA Institut für Transparenz hatte im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) Musterangebote für klassische Rentenversicherungen, klassische und fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen jeweils nach Tarifstand 2014 und 2015 untersucht. Durch die Absenkung der Zillmergrenze sanken nach seinen Ergebnissen die in die Tarife einkalkulierten, einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten deutlich um knapp 29 Prozent bei den Schicht 3-Renten, um knapp 26 Prozent bei klassischen und knapp 34 Prozent bei fondsgebundenen Riester-Renten.

Umschichtung in laufende Kosten kritisiert
Dabei zeigte sich eine weite Spannbreite der Änderungen. Es gab auch vereinzelte, deutliche Erhöhungen der einkalkulierten, einmaligen Abschlusskosten, aber wohl von einer sehr geringen Basis ausgehend. Denn auch bisher schon hatten nicht alle Lebensversicherer die Zillmerhöchstgrenzen ausgeschöpft.
Im Gegenzug sind die laufenden Kosten in den untersuchten Tarifen meist gestiegen, was der Bund der Versicherten in einer Pressemitteilung kritisierte und auf eine fehlende Anpassung der Vergütungen der Versicherungsvermittler zurückführte. Das LVRG sei ein „Intransparenzförderungsgesetz“, weil die Kosten für die Kunden noch schwerer durchschaubar seien.

Dabei entspricht eine solche Verlagerung von einmaligen Kosten in die laufenden Kosten gerade der Intention auch des Verbraucherschutzes, Fehlanreize einer ausschließlichen Vergütung bei Vertragsbeginn zu reduzieren, wie auch der Bund der Versicherten in seiner Stellungnahme weiter ausführt. Wie nun aber eine Umverteilung in die Laufzeit stattfinden und gleichzeitig alles auf einen Blick völlig leicht erkennbar bleiben soll, für diese Quadratur des Kreises müssen auch die Kritiker der Lebensversicherung erst eine Lösung suchen.

Parallel zu Ortmanns Studie war die Untersuchung Provisionen und Courtagen erschienen, wonach erst ein Drittel der Vermittler Änderungen am Vergütungssystem durch das LVRG berichten und knapp die Hälfte Ankündigungen künftiger Veränderungen angibt. In den durchschnittlichen Provisionssätzen in der Lebensversicherung sind gegenüber einer Untersuchung von 2011 noch keine Änderungen erkennbar, aber die Stornohaftungszeiten sind im Mittel angestiegen.

Dank an die Branche
Bei der Euroforum-Konferenz „Neue Vertriebsstrategien nach dem LVRG“ bedankte sich die CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek, Berichterstatterin für das LVRG im Finanzausschuss des Bundestags, für das Engagement der Versicherungsbranche. Sie ließ erkennen, dass ihr wohl bewusst ist, welche Herausforderung die Branche bestehen muss. Das LVRG war erst im August 2014 im Bundesgesetzblatt und musste innerhalb weniger Monate umgesetzt werden.

Vor allem aber enthält es keine Handhabe für einen direkten Eingriff in bestehende Vertragsverhältnisse mit Vermittlern und Vertriebsangestellten. Vielmehr setzt es auf freiwillige und damit konsensorientierte Verhandlung. Dabei ist offenkundig auch eine wettbewerbliche Vielfalt beabsichtigt.

Die Richtung stimmt, doch der Weg ist noch weit
Karliczek ermunterte die Vertriebsverantwortlichen, verlorenes Vertrauen in die Branche zurückzugewinnen. Die Studienergebnisse interpretierte sie als „richtige Richtung“, über die sie froh sei. Gleichzeitig mahnte sie die Versicherer: „Wir werden das noch eine Weile beobachten“. Erklärter Wille sei, dass die Vertriebskosten insgesamt sinken, und dass bei der Vergütung stärker laufende statt einmalige Elemente eingesetzt werden.

Ausdrücklich hob sie die Bedeutung der Versicherungswirtschaft als einer der tragenden Säulen der Altersvorsorge hervor. Deutschland dürfe nicht eines Tages dastehen als ein Land, in dem keine Grundsicherung im Alter sichergestellt sei. Die Honorarberatung stellte Karliczek ausdrücklich nicht als Lösung aller Probleme dar. Der Blick auf Großbritannien zeige, dass auf diesem Weg keine breite Versorgung der Verbraucher erreicht werde.

Realistischer Blick auf die künftige Zinsentwicklung
Den Versicherern riet sei, den Solidaritätsgedanken, der auch der privaten Lebensversicherung innewohnt, stärker nach außen zu tragen. Die Branche sollte eigene Standards für die Transparenz ihrer Produkte entwickeln, meinte sie auch mit Blick auf die Kritik Ortmanns an der weiterhin fehlenden Vergleichbarkeit von Versicherungsangeboten.

Ortmann hatte insbesondere bemängelt, dass die Renditeminderung von den Versicherern sehr unterschiedlich und nicht immer inhaltlich nachvollziehbar berechnet wird. Schließlich regte Karliczek an, mit einem realistischen Blick auf die künftige Zinsentwicklung Lebensversicherungen ohne Zinsgarantien zu entwickeln.
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Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 20.05.2015 21:27:44 von Reinhard Kahle: Die Konsequenzen stehen

Was Verbraucherschützer kaputt geredet haben ohne dem Verbraucher eine vernünftige Alternative für die Altersvorsorge zu nennen und was die Politik noch unterstützt hat, lässt sich nicht so schnell wieder auf gesunde Füße stellen. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass sich die Vermittler noch ein Bein für die Altersvorsorge rausreissen um sich dann für ihren redlichen Lohn, also die Provision, beschimpfen zu lassen? Wie wäre es denn wenn die Kritiker und Neider der Provision die Beratung zur Altersversorgung zukünftig für lau übernehmen? Ach halt, haben die Leute überhaupt eine Qualifikation dafür? Ich meine zum beraten und zum verkaufen! Für endlose Kritik ist nämlich keine Qualifikation nötig!
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am 01.06.2015 10:26:13 von Rudolf Bönsch: Kostendiskussion

Kommentar zu: Die Konsequenzen stehen

Was Verbraucherschützer kaputt geredet haben ohne dem Verbraucher eine vernünftige Alternative für die Altersvorsorge zu nennen und was die Politik noch unterstützt hat, lässt sich nicht so schnell wieder auf gesunde Füße stellen. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass sich die Vermittler noch ein...
Die Kostendiskussion ist langsam nicht mehr zu ertragen. Zu verstehen sowieso. bei Rententarifen verwenden die Versicherer i. a. R. aast alle die gleiche Sterbetafel und den gleichen Rechnungszins, nachzulesen in den Anhängen zur Bilanz.
Wenn die Garantieleistungen dann voneinander abweiche, dann sind die Kosten die Ursache. Dafür brauch keine Reduktion in Vieles and what ever.
Im PIB sollte schlicht die Kostensumme genannt werden und nicht den Kunden und Vermittler dazu zwingen 100e von Werten rechnen zu müssen um die Summe zu erfahren. Das ist kundenunfreundlich. Zum Abstellen braucht es kein weiteres Gesetz.
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am 01.06.2015 12:00:51 von H.Pirchmoser: Abschlussprovisionen

Da sieht man wieder mal,daß die Politikerinnen und Politiker keinerlei Ahnung
vom Altersvorsorge und Versicherungsmarkt haben! Die begreifen noch garnicht welches Übel Sie wieder einmal angerichtet haben mit diesem Gesetz!
Seriöse Beratung der Bürger bleibt auf der Strecke, da jegliche Motivation zur Beratung
von Lebensversicherungen und Altersvorsorge fehlt. Ich schlage vor,daß
Politikern absofort 30% der Bezüge und Diäten gestrichen werden. Vielleicht dämmert es Ihnen dann welchen Schaden Sie in der Branche angerichtet haben! Die haben keinerlei Ahnung und von dem viel!
Das Problem sind nicht die Abschlusskosten sondern die laufenden Kosten
der Gesellschaften! Hallo aufwachen in der Politik, und mal selbst denken bevor man einen Berufsstand so dermassen beschädigt!
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am 02.06.2015 16:20:31 von Sebastian Schäfer: Kostendiskussion

Kommentar zu: Kostendiskussion

Die Kostendiskussion ist langsam nicht mehr zu ertragen. Zu verstehen sowieso. bei Rententarifen verwenden die Versicherer i. a. R. aast alle die gleiche Sterbetafel und den gleichen Rechnungszins, nachzulesen in den Anhängen zur Bilanz.
Wenn die Garantieleistungen dann voneinander abweiche, dann...
Die Nennung der Gesamtkosten in EUR erscheint zwar auf den ersten Blick transparent, aber bei genauerer Betrachtung ist diese Größe kein geeignetes Instrument, um die Qualität einer Rentenversicherung zu ermitteln. Ein Kunde wird u.U. lediglich durch diesen EUR-Betrag zum günstigsten Anbieter "gelotst". Der günstigste Anbieter muss aber nicht der beste Anbieter sein, da natürlich auch die Gesamtverzinsung eine Rolle spielt. Somit erachte ich den Ausweis der prozentualen Gesamtkostenquote, welche die Renditereduktion durch Kosten ausweist, als transparenteste und fairste Lösung.
mehr ...
am 02.06.2015 16:20:32 von Sebastian Schäfer: Kostendiskussion

Kommentar zu: Kostendiskussion

Die Kostendiskussion ist langsam nicht mehr zu ertragen. Zu verstehen sowieso. bei Rententarifen verwenden die Versicherer i. a. R. aast alle die gleiche Sterbetafel und den gleichen Rechnungszins, nachzulesen in den Anhängen zur Bilanz.
Wenn die Garantieleistungen dann voneinander abweiche, dann...
Die Nennung der Gesamtkosten in EUR erscheint zwar auf den ersten Blick transparent, aber bei genauerer Betrachtung ist diese Größe kein geeignetes Instrument, um die Qualität einer Rentenversicherung zu ermitteln. Ein Kunde wird u.U. lediglich durch diesen EUR-Betrag zum günstigsten Anbieter "gelotst". Der günstigste Anbieter muss aber nicht der beste Anbieter sein, da natürlich auch die Gesamtverzinsung eine Rolle spielt. Somit erachte ich den Ausweis der prozentualen Gesamtkostenquote, welche die Renditereduktion durch Kosten ausweist, als transparenteste und fairste Lösung.
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