24.07.2015

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Nur ausgewogene Rentensysteme haben eine Zukunft

Allianz International Pensions hat den Retirement Income Adequacy (RIA)-Indikator entwickelt; er bewertet 49 Länder auf ihr Potenzial, zukünftigen Rentern ein angemessenes Alterseinkommen zur Verfügung zu stellen. Dabei analysiert er mehrere Einkommensquellen (staatliche, betriebliche, private Altersvorsorge, finanzielle Vermögenswerte, Immobilien) sowie die im Alter relevanten Ausgaben, etwa für die Gesundheitsversorgung.

Rentensysteme, deren staatliche, betriebliche und private Säulen weitgehend ausgewogen sind, liegen im Ranking weit oben. Diese Systeme können aller Wahrscheinlichkeit nach ein angemessenes Renteneinkommen bieten. Die Top 3 sind die Niederlande, dicht gefolgt von Dänemark und Norwegen. Deutschland liegt im oberen Mittelfeld auf Platz 13. Weiter unten auf der Liste finden sich Entwicklungsländer ohne umfassende Rentensysteme: Indonesien und Indien belegen dabei die hinteren Plätze.

Altersversorgung hat sich zu einem Drahtseilakt entwickelt

"Wir wissen, dass Rentner künftig auf unterschiedliche Einkommensquellen zurückgreifen müssen“, sagt Dr. Renate Finke, Senior Economist bei Allianz International Pensions und Verfasserin der Studie. „Daher betrachtet der RIA-Ansatz alle Einkommensquellen ganzheitlich und beschränkt sich nicht nur auf einen Faktor des Renteneinkommens, zum Beispiel die staatliche Rente. Warum? Die Altersversorgung hat sich zu einem Drahtseilakt entwickelt, bei dem die finanzielle Nachhaltigkeit der staatlichen Rentensysteme gewahrt - siehe Pension Sustainability Index - sowie ein gewisses Level an Renteneinkommen für zukünftige Generationen sichergestellt werden müssen.“

Die Regierungen haben Reformen eingeleitet, die in einem geringeren staatlichen Renteneinkommen künftiger Renter resultieren – im Vergleich zu ihrem Einkommen vor dem Renteneintritt und zu den Rentnern von heute. Daher werden in Zukunft andere Quellen hinzukommen müssen und die Zusammensetzung des Renteneinkommens wird sich ändern: Staatliche Renten werden durch kapitalgedeckte Elemente ersetzt; leistungsorientierte Pensionspläne entwickeln sich in Richtung beitragsorientierter, und familienunterstützte Strukturen wandeln sich hin zu mehr formalisierten, staatlichen Strukturen.

Es gibt kein Patentrezept
Bei allen Veränderungen bleibt eine Frage gleich: Wie viel Renteneinkommen ist angemessen? „Es gibt kein Patentrezept“, erklärt Finke. „Einige Länder definieren die Angemessenheit als einen sozialen Standard, wie etwa die Armutsgrenze oder einen Prozentsatz des Einkommens vor dem Renteneintritt, andere Länder zielen darauf ab, den Lebensstandard vor der Rente weitgehend aufrecht zu erhalten.“

Deutschland liegt im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Zwar hat man begonnen die Altersvorsorge breiter aufzustellen, allerdings ist die kapitalgedeckte Alterssicherung weiterhin ausbaufähig. Beispielsweise nehmen innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge nicht alle Arbeitnehmer ihren gesetzlichen Anspruch auf Entgeldumwandlung wahr. Insgesamt erwerben nur 56.4% aller Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Betriebsrente.

Langfristig nachhaltige Finanzierbarkeit in Frage
Eines der Probleme, dem sich viele Länder gegenübersehen, kann am Beispiel Österreich veranschaulicht werden. Während das gesetzliche Rentensystem dem Land eine gute Bewertung hinsichtlich der Angemessenheit einbringt, ist die kapitalgedeckte Säule unterentwickelt. Da das Renteneintrittsalter aber nach wie vor niedrig ist und die Menschen somit lange Zeit Renten beziehen, steht die langfristig nachhaltige Finanzierbarkeit in Frage.

Integriertes Altersvorsorgesystem wird zunehmend wichtig
„In Ländern wie Österreich, mit nur einer starken Säule, stehen möglicherweise auf längere Sicht wieder Rentenreformen auf der politischen Agenda, die zu niedrigeren Rentenniveaus führen werden. Dann ist es wichtig, auch Maßnahmen zur Stärkung der sonstigen Einkommensquellen mit einzubeziehen. Ein integriertes Altersvorsorgesystem wird zunehmend wichtig; die verschiedenen Einkommensquellen müssen gemäß ihrer Rolle im Gesamtsystem gestaltet werden,“ ist Finke überzeugt.

Textquelle: Allianz SE; Bildquelle: © Robert Kneschke / fotolia
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Autor(en): versicherungsmagazin.de
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