02.09.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Deutschland braucht mehr Versorgungskoordinatoren

Baustellen, wo das Auge hinreicht – im ambulanten Sektor, im stationären Sektor und auch im Arzneimittelbereich. Das zeigt sich unter anderem dadurch, dass es in den ländlichen Gebieten zu wenige Fachärzte gibt, zwischen den Kliniken immense Qualitätsunterschiede herrschen und sich nach wie vor teure Scheininnovationen im System entwickeln können. Und zu allem Überfluss sind die Schnittstellen zwischen den ambulanten und den stationären Bereichen kaum vorhanden oder mangelhaft koordiniert.

Ingo Kailuweit, Vorstandsvorsitzender der KKH Kaufmännische Krankenkasse, machte auf diesen dauerhaften Missstand auf der Euroforum-Konferenz „PKV aktuell“ in Berlin aufmerksam. O-Ton-Kailuweit: „Trotz seiner vielfältigen Vorzüge – auch im internationalen Vergleich - ist das deutsche Gesundheitswesen nach wie vor von Über-, Unter und Fehlversorgung gekennzeichnet.“ Problematisch sei die Situation auch in einem sehr wichtigen Teil des Gesundheitswesens, im Pflegesektor. Denn dort gäbe es keine integrierte Versorgung und keine Qualitätstransparenz. Und: Die Pflegekassen dürften keine Leistungen finanzieren, von denen auch die Kasse profitiert. Zudem gäbe es bislang keine präventiven Leistungen in der Pflegeversicherung. Grundsätzlich wären die beiden Felder Krankenversicherung und Pflegeversicherung zwei Welten, die noch nicht (richtig) verzahnt wären, um eine optimale Versorgung der Menschen zu liefern.

Pflegebedürftige auf Unterstützung angewiesen
Vor allem die Situation Pflegebedürftiger stelle besondere Ansprüche an die Organisation der Versorgung. Doch die Systematik der Integrierten Versorgung (IV) basiere auf mobilen Versicherten, die eigenständig Leistungserbringer wie (Fach-)ärzte, Physiotherapeuten oder Apotheken besuchten. Doch Pflegebedürftige seien auf Unterstützung angewiesen oder müssten von den Leistungserbringern aufgesucht werden. Wenn dies nicht der Fall wäre, seien die Leistungen für die Menschen unerreichbar.

Stärkere Präventionspolitik gefragt
Obwohl viele Pflegeheimbewohner an Demenz, Diabetes oder Koronarer Herzerkrankung litten, bestünde nur selten Kontakt zu dem entsprechenden Facharzt. Die Situation in Zahlen: Während nach einer aktuellen Untersuchung 85 Prozent der Heimbewohner den Allgemeinmediziner einmal oder mehrmals in Quartal aufsuchten, würden nur rund zehn Prozent den Urologen oder Internisten im Quartal sehen, den Geriater oder Gerontopsychiater nicht einmal drei Prozent. Kailuweit nimmt hierzu dezidiert Stellung:“ Damit eine Pflegestufe überhaupt nicht eintritt, benötigen wir eine stärkere Präventionspolitik. Wir brauchen aber auch mehr Fachärzte und weniger Allgemeinmediziner. Unsere Krankenversicherung ist durch diese falsche Pflegeversorgung massiv belastet“.

Versorgungskoordinator hilft, einzelne Segmente sinnvoll zu vernetzen

Aus diesem Grund plädierte er für eine (bessere) Vernetzung diverser Leistungserbringer wie Krankenhaus, Haus- und Fachärzte, Physiotherapeut, heimversorgende Apotheken, in deren Zentrum das Pflegeheim und seine Bewohner stehe. Damit die Koordination und Vernetzung dieser einzelnen Elemente gelinge, müsste ein so genannter Versorgungskoordinator implementiert werden. Doch von diesen Koordinatoren gäbe es in den hiesigen Pflegeeinrichtungen noch viel zu wenige.
Die Aufgaben dieses Koordinators wären unter anderem, alle Betroffenen bei der Ermittlung und Organisation des pflegerischen und medizinischen Versorgungsbedarfs zu unterstützen, die Pflegemitarbeiter zu qualifizieren und zu ermutigen, Auffälligkeiten wahrzunehmen und gemeinsam mit der heimversorgenden Apotheke, die Arzneimittelverordnungen auf unerwünschte Wirkungen zu überprüfen.

Das Ziel mehr derartige Versorgungskoordinatoren in den Pflegeeinrichtungen einzusetzen, könne aber nicht jeder Krankenversicherer separat betreiben, dies müsse vielmehr als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden.

Bildquelle: © Anja Krüger / picscout
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Meris Neininger
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
"Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird das Megathema des 21. Jahrhunderts sein", erläutert ein Sprecher der Barmer GEK das ungewöhnliche Engagement seines Unternehmens in einen Venture-Capital-Fonds.  » mehr
26.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Schlecht informiert, schlecht vorbereitet, schlecht unterstützt - viele deutsche Arbeitnehmer steuern im Blindflug auf ihren Ruhestand zu, wie eine aktuelle Studie zeigt.  » mehr
24.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
"Wenn ich im Zug weiter vorne sitzen möchte, muss ich eben mehr bezahlen. Die Züge kommen aber alle gleich an." Thomas Stritzl, Mitglied des Deutschen Bundestages und unter anderem Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, bebilderte so die Patientensituation im...  » mehr
24.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
"Die SPD träumt immer noch von der Bürgerversicherung. Ich sage Ihnen aber voraus, dass diese nie kommen wird. Ich glaube aber auch nicht, dass die PKV die GKV ersetzen kann", so die klare Aussage von CDU-Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patienten- und Pflegebeauftragter der...  » mehr
23.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Erstmals hat der Map-Report ein Rating zu fondsgebundenen Rentenversicherungen (FRV) erstellt. Besser gesagt, den Versuch eines Ratings. Denn von 91 angeschriebenen Versicherern, haben sich nur sieben an der Befragung beteiligt. Neu ist außerdem, dass die Map-Report-Redaktion...  » mehr
18.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Eine längere Lebensarbeitszeit darf in der Diskussion um die Altersvorsorge "nicht tabuisiert" werden. Das ist das Fazit einer umfassenden Analyse des Rentensystems und seiner Belastungen durch die Deutsche Bundesbank (Monatsbericht August 2016).  » mehr
18.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Bestandsverkauf
Nur für Verkäufer: Wie professionelle Nachfolgeplanung funktioniert Nur für Verkäufer: Wie professionelle Nachfolgeplanung funktioniert

Tagesseminar für Versicherungsmakler, die ihr Unternehmen demnächst veräußern wollen. Es werden nur Verkäufer, keine Käufer zugelassen.
28. September 2016 in Eschborn
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen