03.09.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Lebensversicherung: Sicherer Kostenausweis kommt erst 2017

Der Streit um den gesetzlich vorgeschriebenen Kostenausweis bei privaten Rentenversicherungen dürfte mindestens bis 2017 weitergehen. Zwar muss Verbrauchern schon seit Anfang des Jahres beim Kauf einer Privatrente angegeben werden, wie stark die Kosten die Rendite mindern, doch eine einheitliche Berechnungsmethode gibt es bisher nicht.

Das wird von Verbraucherschützern, wie der Verbraucherzentrale Hamburg scharf kritisiert. Die Assekuranzen könnten sich derzeit „schönrechen“, heißt es. Eine verbindliche Berechnungsmethode wird die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) aber erst im nächsten Jahr veröffentlichen. „Für geförderte Vorsorgeprodukte wird diese Art der Berechnung dann ab Januar 2017 Pflicht“, sagte Professor Ralf Korn vom Fraunhofer Institut auf einem Euroforum-Kongress der Lebensversicherer in Köln. Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM aus Kaiserlautern wurde vom Bundesfinanzministerium (BMF) mit der Einrichtung und dem Betrieb der PIA beauftragt.

Wird einheitliches Produktinformationsblatt geben

Der Zwang zu einem sicheren und vergleichbaren Kostenausweis gilt somit ab 2017 erst einmal nur für die mit staatlichen Zulagen geförderten Riester- und Rürup-Renten. Versicherungsexperten gehen aber davon aus, dass dann der derzeitige Wildwuchs bei der Kostenberechnung beendet wird und die Anbieter auch für nicht geförderte Produkte die PIA-Methode übernehmen werden. „Wir werden beim Kostenausweis Roß und Reiter nennen“, versprach Michael Myßen vom BMF. So müssen dann auch Banken und Fondsgesellschaften, die Produkte der geförderten Altersvorsorge anbieten, sich dem neuen Kostenausweis unterwerfen. Gleichzeitig wird es ein einheitliches Produktinformationsblatt geben. Ob mit diesem neuen, so genannten Beipackzettel für Rentenpolicen, ein branchenübergreifender Vergleich gelingt, scheint aber fraglich. So ist eine lebenslange Rente bei Produkten der Versicherer bereits eingepreist.

Informationen müssen auch bei den Kunden ankommen
Demgegenüber müssen Banken- und Fondsgesellschaften diese Leistung in der Rentenphase hinzukaufen. „Das werden wir deutlich machen“, so Myßen. Konkrete Kosten können aber hier kaum genannt werden. Daher steht der Kostenausweis bei Verbraucherschützern schon vorab in der Kritik. „Die Kunden sollen Produkte kaufen ohne für den Großteil der Vertragszeit, nämlich die Rentenphase auch nur einen leisen Hinweis auf die Kostenbelastung zu bekommen“, kritisiert Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV). Immerhin soll die Wirksamkeit des neuen Kostenausweises bereits nach einem Jahr überprüft werden. „Es muss sichergestellt werden, dass die Informationen auch bei den Kunden ankommen“, sagte Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Eine vollkommen andere Methode der Kostenberechnung hat daher schon der Mathematiker Korn vorgeschlagen. So wird die PIA ab 2017 geförderte Vorsorgeprodukte auch in so genannte Chancen-Risiko-Klassen einteilen. Dafür sind aufwendige Simulationsberechnungen notwendig. „Wir könnten die Produkte mit und ohne Kosten rechnen und hätten dann eine bessere Erhebung der Kostenbelastung“, so Korn.

Aktuell: Umfassender Kostenausweis nur über Versicherungsmakler
Bis dahin müssen Verbraucher, die sich schon heute um ihrer Altersvorsorge kümmern und einen möglichst umfassenden Kostenvergleich wollen, zu einem Versicherungsmakler gehen, der mit dem Marktbeobachter Morgen & Morgen zusammenarbeitet. Das Analysehaus ermittelt für alle Produkte gleich mit zwei unterschiedlichen Berechnungsmethoden die Kostenbelastung. „Wir rechnen die Renditeminderung durch die Kosten nach einer eigenen Systematik für alle Produkte gleich“, erläutert Morgen & Morgen-Geschäftsführer Peter Schneider. Gleichzeitig würde eine zweite Kennzahl nach der Berechnungsmethode des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt. Die Unterschiede seien oft sehr gering, so Schneider.

Bildquelle: © fm2 /fotolia
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Verbraucherschützer haben ein "Positionspapier zur Absicherung der Arbeitskraft" veröffentlicht. Die gemeinsamen Vorschläge des Bund der Versicherten (BdV) und der Verbraucherzentrale NRW wurden bereits im März 2016 an die entsprechenden "Gremien" weitergeleitet. Dass bisher...  » mehr
21.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Mitteilungen untersucht, die Lebensversicherer an ihre Kunden verschicken, damit diese wissen, wie sich ihr Vertrag entwickelt. Manche Versicherer schaffen es, nicht einmal gesetzliche Anforderungen einzuhalten, so das Fazit.  » mehr
14.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Ein gemischtes Bild zeichnet ein Marktausblick der Assekurata Rating-Agentur zum Versicherungsvertrieb. Niedrigzinsphase, rückläufige Vergütungen und branchenfremde Wettbewerber machten den Vertrieb von Versicherungsprodukten nicht leichter. Die Situation biete aber auch...  » mehr
13.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Das Bayerische Landessozialgericht hat kürzlich in einem Urteil (Az L 1 R 679/14) entschieden, dass ein selbstständiger Versicherungsmakler, der sein Geschäft über einen einzigen Maklerpool abwickelt, rentenversicherungspflichtig ist. Die vfm Gruppe hat das Urteil für ihre...  » mehr
12.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Wegen der Niedrigzinsen steigen zunehmend größere Versicherer aus dem Klassikgeschäft mit garantierten Rentenversicherungen aus. Zweifel am Sinn der Versicherungsangebote werden allerorten laut. Doch sind sie berechtigt? Ein kostenfreier Excelrechner steht allen...  » mehr
04.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Länglich bekannt ist, dass die Versicherungsbranche unter der nicht enden wollenden Niedrigzinsphase leidet. Zunehmend ächzen auch Pensionskassen, Direktversicherungen und versicherungsförmige Pensionsfonds unter den niedrigen Zinsen und haben bereits Mühe, ihr finanzielles...  » mehr
01.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen