04.09.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Verbände mahnen: Geplante Investmentsteuerreform belastet Altersvorsorge

Grundsätzlich unterstützen die führenden Wirtschaftsverbände zwar das Ziel der Bundesregierung, Zweifel an der Europarechtskonformität der bestehenden Regelungen zur Investmentfondsbesteuerung zu beseitigen und als ngerechtfertigt angesehene Gestaltungen mit Hilfe von Investmentfonds zu verhindern. Allerdings verfehlt die vorliegende Fassung der Reform der Investmentfondsbesteuerung dieses Ziel, so jedenfalls die Ansicht der acht Verbände.

Die Verbände, die diese kritische Position beziehen, sind der Bankenverband, der Bund der Deutschen Arbeitgeber (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Handelsverband Deutschland (HDE), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Erhebliche administrative Mehrbelastung
Die Wirtschaftsverbände sind mit der Investmentsteuerreform in der geplanten Form nicht einverstanden, weil der Entwurf des Bundesministeriums der Finanzen für das Investmentsteuerreformgesetz (InvStRefG-E) ihrer Einschätzung nach zu einer steuerlichen Mehrbelastung führt, insbesondere für Altersvorsorge- und Kleinsparer und zu einer nachhaltigen Schädigung des Investitionsstandorts Deutschland. Zudem entstünden eine erhebliche administrative Mehrbelastung bei den mit der Fondsverwaltung betrauten Kreditinstituten, den Finanzunternehmen und den Anlegern, Die Spitzenverbände äußerten diese Vorbehalte kürzlich in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Altersvorsorge- und Kleinsparer werden benachteiligt
Die Reform treffe mit der Besteuerung im Kern die Publikumsfonds, in die vor allem Anlagebeträge von
Altersvorsorgesparern und Kleinsparern flössen. Der Entwurf sehe vor, dass Dividenden und Immobilienerträge pauschal auf Fondsebene vorab mit 15 Prozent versteuert würden. Damit stünden Fonds weniger Mittel zur Wiederanlage und zur Ausschüttung an die Anleger zur Verfügung.

Derzeit gelte für die Besteuerung das Transparenzprinzip, demzufolge die Besteuerung nicht beim Fonds, sondern allein beim Anleger erfolge. Die Steuerfreistellung in Höhe des Sparer-Pauschbetrages von 801 Euro pro Jahr verschont dabei die Kleinsparer und setze bei diesen Anreize zum Vorsorgesparen. Dieser wichtige Effekt ginge durch die Reform verloren. Der Grund: Sparer erhielten nach den aktuellen Plänen für Erträge aus Investmentfonds in Höhe des jährlichen Sparer-Pauschbetrages keine Erstattung der auf Ebene des Fonds einbehaltenen Steuern.

Erträge von Publikumsfonds steuerbefreit lassen
Erhebliche Nachteile drohten auch bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Die Kapitalanlage in Publikumsfonds eröffne bisher die Möglichkeit, unter vertretbarem Risiko an langfristigen Aktienkurssteigerungen auf den Kapitalmärkten zu partizipieren. Dies sei gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Niedrigzinsphase wichtig. Deshalb sei es unverzichtbar, dass die Erträge von Publikumsfonds steuerbefreit blieben, soweit die Anteile von bAV-Einrichtungen und von Unternehmen zur Abdeckung ihrer bAV-Verpflichtungen gehalten werden. Damit würde auch eine verfassungsrechtlich höchst zweifelhafte Doppelbesteuerung (auf Ebene des Fonds und später im Rahmen der nachgelagerten Besteuerung beim Rentenempfänger) vermieden.

Neben Publikumsfonds seien auch Spezialfonds betroffen. Das sind Fonds mit weniger als 100 in der Regel institutionellen Anlegern. Anders als bisher müssten diese Fonds nach dem Gesetzentwurf einen Teil der einbehaltenen Veräußerungsgewinne sofort versteuern. Geplant sei eine jährliche Besteuerung von zehn Prozent. Das hätte eine deutliche Steuermehrbelastung für die Wirtschaft zur Folge. Derzeit nutzten Unternehmen die Möglichkeit zur vorübergehenden Thesaurierung, um Marktschwankungen auszugleichen und damit die Erträge für ihre Kunden zu verstetigen. Diese Möglichkeit werde durch die steuerliche Belastung eingeschränkt.

Startup-Szene wird geschwächt
Das Reformpaket betreffe aber nicht nur Publikums- und Spezialfonds. Die vorgesehene Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus „Streubesitz“ (Beteiligungsquote von unter zehn Prozent) würde den Investitionsstandort Deutschland zusätzlich schwächen. Insbesondere Beteiligungen an Startup-Unternehmen würden durch diese weitere Steuerbelastung deutlich unattraktiver, weil die Wagniskapitalgeber die bereits auf der Ebene der Startup-Unternehmen erzielten Gewinne dann noch einmal selbst versteuern müssten.

Besser wäre: Gezielte Anpassungen des bestehenden Steuersystems

Die vom Gesetzgeber mit der Reform verfolgten Ziele (u. a. Begegnung europarechtlicher Zweifel an der bestehenden Investmentfondsbesteuerung) lassen sich nach Überzeugung der Verbände einfacher und ohne zusätzliche steuerliche und bürokratische Belastungen durch gezielte Anpassungen des bestehenden Steuersystems erreichen. Der vorliegende Entwurf zur Reform der Investmentfondsbesteuerung führe dagegen nur: Steuererhöhungen für Altersvorsorge- und Kleinsparer sowie für Unternehmen und einen höheren administrativen Aufwand für alle Beteiligten, insbesondere für Kreditinstitute, Finanzunternehmen und Anleger.

Textquelle: GDV; Bildquelle: © Cumulus
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): versicherungsmagazin.de
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Scharf geht der Bundesverband der Immobilienfinanzierer e.V.(bvdif) mit der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie ins Gericht.  » mehr
28.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Beratung und Vertrieb von Versicherungen und Kapitalanlagen sind teuer. Und nach Ansicht der europäischen Regulierer anfällig für Interessenkonflikte.  » mehr
26.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Der Arag-Konzern reagiert mit einer Umstrukturierung auf die Niedrigzinsphase und trennt sich von seinem Lebensversicherungsgeschäft. Künftig will sich das Unternehmen auf die profitablen Bereiche Sach- und Krankenversicherungen konzentrieren.  » mehr
23.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Die Baloise will die Chancen der digitalen Revolution nutzen. Aus diesem Grund hat sie eine neue Abteilung geschaffen. Mit dieser "Group Strategy and Digital Transformation" sollen die Kundeninteraktion, die Betriebsprozesse und die damit verbundenen Strukturen auf die sich im...  » mehr
16.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Jardine Lloyd Thompson Group plc (JLT), einer der weltweit aktiven Spezialanbieter für Versicherungs-, Rückversicherungs- und Mitarbeitervergütungs-Beratung, sowie für Versicherungsmakler- und verwandte Leistungen, hat Dr. Jens Kellerhoff als Partner und 'Head of M&A...  » mehr
13.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Die Aufgaben der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) sollen neu geordnet werden. Die seit 2015 ausgeübte Funktion der nationalen Abwicklungsbehörde für Kreditinstitute (NAB) soll auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) übertragen...  » mehr
13.09.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Makler-Champions 2017
Versicherer und Pools auf dem Prüfstand! Versicherer und Pools auf dem Prüfstand!

Versicherungsgesellschaften versprechen seit Jahren, ihre Maklerorientierung zu verbessern. Doch was hat sich bislang konkret getan? Zum siebten Mal hat Versicherungsmagazin gemeinsam mit Servicevalue eine unabhängige Maklerbefragung gestartet, um die Gesellschaften zu finden, die "Makler-Champions" sind.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen