14.10.2015

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Verkehrssicherheitsreport 2015: Unsicherheitsfaktor Mensch

Die Dekra hat in Brüssel ihren Europäischen Verkehrssicherheitsreport 2015 vorgestellt. Der Report beschäftigt sich unter anderem mit dem automatisierten Fahren und der 'Vision Zero'. Letztere kann einen großen Beitrag leisten, den Verkehr sicherer zu machen. Dazu bedarf es aber nicht nur intelligenter Autos, sondern auch einer intelligenten Infrastruktur. Der Report liefert einen interessanten Blick in die Zukunft - und die Vergangenheit.

Die "Vision Zero" hat ihren Ursprung im Arbeitsschutz und wurde in den 1990er Jahren in Schweden erstmals auf den Bereich des Straßenverkehrs angewendet. Ziel von "Vision Zero" ist: keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr. Kern der Strategie ist ein sicheres Verkehrssystem und die Einsicht, dass der Mensch als Teil dieses Systems nicht fehlerfrei agiert. Die Gestaltung der Verkehrsmittel und der Verkehrswege muss dieser Erkenntnis entsprechen und die Regelwerke zur Teilnahme am Straßenverkehr sind entsprechend anzupassen.

Enorme Aufgaben für Mensch, Technik und Infrastruktur
Die Automobiltechnik hat gewaltige Fortschritte gemacht. Assistenzsysteme bis hin zum teilautonomen Fahren gehören über fast alle Modellklassen hinweg bei Neufahrzeugen zum Standard. In nicht so ferner Zukunft könnte auch die Vision vom autonomen Fahren technische Realität werden. Doch viele der heute wirksamen Sicherheitselemente beruhen auf Meilensteinen der Vergangenheit. Deshalb blickt der Dekra Verkehrssicherheitsreport 2015 zurück - und zugleich in die Zukunft. Aus Sicht von Unfallforschung, Verkehrspsychologie und Fahrzeugtechnik erläutert der Report, wo am ehesten die Unfallopferzahlen in der EU verringert werden können, aber auch welche Aufgaben damit für Mensch, Technik und Infrastruktur verbunden sind.

Die Zahl der Verkehrstoten in den Ländern der heutigen Europäischen Union ist zwischen 1991 und 2013 um fast zwei Drittel gesunken. Im vergangenen Jahr hat die positive Entwicklung allerdings einen Dämpfer erhalten: Die gezählten rund 25.700 Getöteten bedeuten einen Rückgang von nur rund 1,2 Prozent gegenüber 2013. Damit ist das von der EU-Kommission formulierte Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 gegenüber 2010 noch einmal zu halbieren – auf weniger als 16.000 –, in Gefahr.

Eine lange Reihe von Meilensteinen der Verkehrssicherheit
Elektronische Fahrerassistenzsysteme bieten heute große Chancen, Unfälle zu vermeiden: Fahrdynamikregelung, Notbremssystem, Abstandsregelung, Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner und viele mehr. Sie alle stehen am Ende einer langen Reihe von Meilensteinen der Verkehrssicherheit. Das gilt für den Radialreifen oder die Scheibenbremse, für die gestaltfeste Fahrgastzelle, die Sicherheitslenkwelle oder den Drei-Punkt-Gurt.

Diese und viele andere Faktoren waren ausschlaggebend dafür, dass zum Beispiel in Deutschland die Statistik nach dem Negativrekord im Jahr 1970 mit über 21.300 Getöteten bis heute einen Rückgang um rund 84 Prozent verzeichnet. Und das, obwohl Fahrzeugbestand und Fahrleistungen zugenommen haben. Auch wenn die passive Sicherheit inzwischen schon weitgehend ausgereizt scheint, ergeben sich aus den Optionen der aktiven und vor allem der integrierten Sicherheit ganz neue Möglichkeiten.

Prüfung elektronischer Systeme bei der Hauptuntersuchung immer wichtiger
Aber die Entwicklung zum automatisierten Fahren wird eine lange Übergangsphase brauchen. "Wir werden auf unseren Straßen einerseits Fahrzeuge mit einem immer höheren Grad der Automatisierung haben, während andererseits nach wie vor viele Fahrzeuge über solche Systeme noch nicht verfügen. Das Thema Kompatibilität wird hier eine große Rolle spielen." Angesichts der zunehmenden Automatisierung der Fahrzeuge werde auch die Prüfung elektronischer Systeme im Rahmen der Hauptuntersuchung immer wichtiger.

"Die HU muss nach den technischen Anforderungen ständig weiterentwickelt werden. Das gilt im Übrigen auch für eine praxisnahe Prüfung des Abgasverhaltens", so Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands Dekra SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive.

Nachfolgend einige Forderungen für mehr Verkehrssicherheit seitens der Expertenorganisation aus Stuttgart:
  • Konzentration der Verkehrssicherheitsarbeit nicht nur auf die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten, sondern auch der Schwerverletzten.
  • Noch stärkere Fokussierung auf Risikogruppen (junge Fahrer, Senioren, Motorradfahrer, Fahrer unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss, Raser, aggressive Verkehrsteilnehmer etc.).
  • Noch stärkere Förderung des sicherheitsbewussten und verantwortungsvollen Verhaltens aller Verkehrsteilnehmer.
  • Zielgerichtete Ahndung gefährlicher Regelverstöße.
  • Vorbereitung und Schaffung eines idealerweise weltweit einheitlichen Rechtsrahmens für das elektronisch assistierte und künftig auch autonome Fahren.
  • Aufklärung über das Vorhandensein, die Funktion und die Grenzen von Fahrerassistenzsystemen sowie Klarstellung der stets gegebenen Eigenverantwortung des Fahrers.

Auch in der Oktober-Ausgabe von Versicherungsmagazin sind Fahrerassistenzsysteme ein Thema. Ein Artikel beschäftigt sich unter der Überschrift "Verstecktes Risiko unter der Scheibe" mit der Kalibrierung dieser Systeme, zum Beispiel nach einem Glasbruch der Frontscheibe. Hier ein kurzer Blick in den Beitrag:

"Nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DRV) sind über 90 Prozent der Verkehrsunfälle auf Fehleinschätzungen der Kfz-Fahrer zurückzuführen. Eine erhebliche Risikominimierung versprechen hierbei so genannte Fahrerassistenzsysteme wie adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, automatischer Notbremsassistent , Kollisionswarnsystem, Fahrermüdigkeitserkennung oder der Spurhalteassistent. 'Moderne Fahrerassistenzsysteme unterstützen den Autofahrer bei vielen alltäglichen Fahrsituationen. Sie informieren, warnen und können im Notfall selbstständig eingreifen. Der DVR geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller Verkehrsunfälle durch einen Notbremsassistenten entweder verhindert oder in den Folgen abgeschwächt wird. Wir unterstützen daher schon seit vielen Jahren die Anwendung von Fahrerassistenzsystemen', so der Verband."

Textquellen: Dekra; Deutscher Verkehrssicherheitsrat; Versicherunsgmagazin/Marion Zwick

Bildquelle: © Allianz




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Autor(en): versicherungsmagazin.de
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