06.11.2015

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Investoren wie Versicherer suchen nach Investmentalternativen und Rendite

Ökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen beeinflussen zunehmend Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen und Pensionseinrichtungen und erhöhen den Bedarf an passenden Lösungen. Dies zeigt eine Umfrage der Commerzbank zu Fremdkapitalinvestitionen, die gemeinsam mit der Vers Leipzig GmbH erarbeitet wurde.

Drei Viertel der befragten Versicherer erwarten in den nächsten drei Jahren ein leicht steigendes Zinsniveau und wollen dazu ihre Investitionen stärker diversifizieren. Zwar stehen etablierte Kapitalanlagen in Immobilien und Unternehmen weiter im Vordergrund, das Interesse an aktuellen Anlagethemen wie Infrastruktur und erneuerbaren Energien ist aber groß. Alle Teilnehmer der Studie sind mit Abstand am stärksten in Deutschland investiert, wollen in den nächsten drei Jahren jedoch mehr im Ausland, insbesondere den USA anlegen: Dort sind von 75 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen und Pensionseinrichtungen Neuinvestitionen geplant.

Anlageentscheidungen künftig primär an regulatorischen Vorgaben orientieren

Bei Versicherungsunternehmen wird Solvency II mit Start des nächsten Jahres wesentlichen Einfluss auf die regulatorische Kapitalunterlegung nehmen. Fast zwei Drittel der befragten Versicherer (63 Prozent) gaben an, dass sich Anlageentscheidungen künftig primär an regulatorischen Vorgaben orientieren werden. Dadurch steigt neben Renditeerwartungen der Beratungsbedarf zu regulatorischen Effekten.

Unter Solvency II können Versicherer ein Standard- oder eigenes internes Modell zur Berechnung ihres regulatorischen Kapitals anwenden. Die Nutzung interner Solvency-II-Modelle bietet allerdings deutliche Wettbewerbsvorteile, denn üblicherweise verbessert deren Anwendung die Kapitaleffizienz um 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu einem Standardmodell.

Stärker über Anleihen und Kredite in Unternehmen investieren
Für Pensionseinrichtungen gilt ein an Solvency II angelehntes Regelwerk derzeit noch nicht, die ökonomischen Herausforderungen in einem Marktumfeld mit niedrigen Zinsen sind jedoch vergleichbar. Dieses spiegelt sich in einem veränderten Anlageverhalten von Pensionseinrichtungen wider: Mehr als 82 Prozent der Teilnehmer der Umfrage wollen stärker über Anleihen und Kredite in Unternehmen investieren. Starkes Wachstumspotential liegt zudem bei Investitionen in Infrastruktur. Nahezu drei Viertel der befragten Pensionseinrichtungen (72 Prozent) wollen diese ausbauen.

„Das Management von Pensionsverpflichtungen gewinnt mehr und mehr an Bedeutung: Erstens steigt die Nachfrage nach Fremdkapitalinvestitionen mit entsprechenden Renditeerwartungen. Zweitens werden Kostenaspekte stärker bei Kapitalanlagen berücksichtigt, beispielsweise über ETFs. Und drittens werden sich Anlageentscheidungen zunehmend an der Verpflichtungsseite ausrichten“, sagte Sven Reuss, Pensionsexperte der Commerzbank.

Hintergrundinformationen zur Untersuchung
An der Untersuchung teilgenommen haben 30 Versicherer und Pensionseinrichtungen, die mit ihrem Kapitalanlagebestand einen Marktanteil von 44 Prozent in Deutschland repräsentieren.

Einen anderen Aspekt beleuchtet eine Studie von Union Investment: Sie hat herausgefunden, dass für Investoren die Liquidität zweitrangig ist, dafür die Frage, wieviel Rendite bei einer Investition erzielt werden kann, vorrangig wird. Das heißt im Detail: Die Rendite spielt für Investoren in Deutschland eine immer größere Rolle.

Ein Viertel der von Union Investment bei der aktuellen Risikomanagementstudie befragten institutionellen Anleger sieht die Rendite als wichtigstes Kriterium bei ihrer Kapitalanlage an. Das ist ein Anstieg um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (19 Prozent). Nach wie vor dominieren allerdings Sicherheitsaspekte. So messen 64 Prozent der Investoren der Sicherheit bei ihrer Anlageentscheidung die größte Relevanz bei, ebenso viele wie 2014. Deutlich gesunken ist hingegen der Stellenwert der Liquidität. Für lediglich elf Prozent der Großanleger ist diese gegenwärtig das wichtigste Anlagekriterium. Im vergangenen Jahr waren es noch 17 Prozent.

Ungeachtet der ungebrochenen Dominanz von Sicherheitsaspekten haben sich die Anlagepräferenzen der Investoren in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Dies gilt insbesondere für das Verhältnis von Sicherheit und Rendite. Während 2005 für 67 Prozent der Investoren Sicherheit das wichtigste Kriterium darstellte, hatte zu dieser Zeit für lediglich 13 Prozent die Rendite den höchsten Stellenwert. In den folgenden Jahren der Finanz- und Staatsschuldenkrise verstärkte sich diese Entwicklung weiter.

Schere zwischen Sicherheit und Rendite ein Stück weit geschlossen
Der Sicherheitsaspekt war beispielsweise 2009 und 2012 für 82 beziehungsweise 83 Prozent der Anleger am wichtigsten, während die Rendite zu dieser Zeit lediglich für zwölf beziehungsweise neun Prozent Priorität hatte. In den letzten drei Jahren hat sich dieses Verhältnis verändert. "Die Schere zwischen Sicherheit und Rendite hat sich ein Stück weit geschlossen", sagt Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für das institutionelle Kundengeschäft.

Die zunehmende Renditeorientierung geht dabei aber offenbar zulasten der Liquidität. Für gerade einmal elf Prozent der befragten Investoren spielt die Liquidität aktuell eine wichtige Rolle (Vorjahr 17 Prozent).

Hintergrundinformationen zur Studie
Die Befragung institutioneller Anleger ist fester Bestandteil der seit 2005 durchgeführten Risikomanagementstudie von Union Investment. Für die diesjährige Studie wurden insgesamt 108 institutionelle Investoren befragt, darunter Versicherer, Pensionskassen, Stiftungen, Banken und Großunternehmen.





Textquellen: Commerzbank, Union Investment; Bildquellen: ©vrd / fotolia; Union Investment
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): versicherungsmagazin.de
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