12.11.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Kampf um „Garantiezins“ wird schärfer

„Es wird wohl im nächsten Jahr keinen Höchstrechnungszins mehr geben“, sagte Erich Paetz vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) Ende Oktober auf einer öffentlichen Veranstaltung in Dortmund.

Nun hat die Regierung Nägel mit Köpfen gemacht und die vollkommene Abschaffung des Höchstrechnungszinses in den Entwurf des Erlasses der Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz geschrieben. Die Regierung meint, dass aufgrund des neuen Aufsichtsrecht Solvecy II eine solche Vorschrift entbehrlich sei, weil die Unternehmen nun nach ihrer Risikotragfähigkeit kontrolliert werden.

Neben der Risikobewertung auch Instrument der Risikovermeidung wichtig

Doch die Branche hat anscheinend kein Vertrauen zur Tragfähigkeit des neuen Aufsichtsrechts. So schreibt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) in einem Statement zur Verordnung: „Die neuen Eigenkapitalvorschriften von Solvabilität II können eine vorsichtige Bewertung der Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen auch in den Handelsbilanzen nicht ersetzen, das heißt Solvabilität II alleine würde eine Situation wie die heutige nicht verhindern können. Daher muss für die klassische Lebensversicherung neben die Risikobewertung auch ein Instrument der Risikovermeidung in Form von Höchstrechnungszinsen treten.“
Gleichzeitig fürchten die Versicherungsmathematiker, dass die Vorschriften der vorsichtigen Kalkulation und ausreichenden Reservebildung ohne einen Höchstrechnungszins von Versicherern „unterlaufen“ werden könnten.

Bei steigenden Zinsen warnt die DAV zudem vor einem erneuten ruinösen Wettbewerb. Demgegenüber hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor allem Angst, dass mit der vollkommenen Abschaffung des Höchstrechnungszinses die Bevölkerung das Vertrauen in die private Altersvorsorge verliert. Auf rund vier Seiten der Stellungnahme von Axel Wehling, der Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung ist, findet sich gleich fünfmal das Wort „Vertrauen“. So werde in der Öffentlichkeit von Medien der Höchstrechnungszins fälschlicherweise als „Garantiezins“ bezeichnet. Damit würde der Eindruck erweckt, dass bei einer staatlich verordneten Abschaffung die „private Altersvorsorge keinen Sinn mehr machen würde“.

Zins der Stufe 2 noch geheim
Faktisch möchte die Branche den Höchstrechnungszins somit aus werbewirksamen Gründen behalten. Denn sowohl DAV als auch GDV verweisen darauf, dass der Höchstrechnungszins bei „modernen Produkten“ ganz wegfallen kann. Allein für „klassische Lebensversicherungsprodukte“ soll der Höchstrechnungszins erhalten bleiben – aber in modifizierter Form. So schlägt die DAV vor: „Für den Zeitraum der ersten 15 Jahre der Vertragslaufzeit (Stufe 1) und für den Zeitraum ab dem Jahr 16 (Stufe 2) werden verschiedene Höchstwerte festgelegt. Beide Werte werden bereits zum Abschluss des Vertrags endgültig festgelegt.“ Der Wert für Stufe 2 soll mit noch mehr Vorsicht, also mit höheren Sicherheitsabschlägen, als der Wert in Stufe 1, festgelegt werden.

Gefahr: Rechtliche Erhaltung des Höchstrechnungszinses gestört
Für 2016 empfiehlt die DAV für die Stufe 1 den aktuellen Wert von 1,25 Prozent. Für Stufe 2 bleiben die Experten aber einen Wert schuldig, obwohl nach dem eigenen Konzept beide Werte ja im Voraus zu bestimmen sind. Möglicherweise fürchtet die DAV, dass ein deutlich niedriger Wert in der aktuellen Diskussion die rechtliche Erhaltung des Höchstrechnungszinses stören könnte. Ob die Argumente der Branche bei der Regierung ankommen, wird sich wohl erst mit dem Erlass des Gesetzes zeigen.

Bildquelle: © Frank Wagner / fotolia
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Das Pricing in der Versicherungsbranche orientiert sich traditionell sehr stark an den Kosten. Die Vorlieben und die Zahlungsbereitschaft der Kunden werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Eine Studie zeigt, wie die digitale Transformation eine stärkere Differenzierung...  » mehr
19.08.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Verbraucherschützer haben ein "Positionspapier zur Absicherung der Arbeitskraft" veröffentlicht. Die gemeinsamen Vorschläge des Bund der Versicherten (BdV) und der Verbraucherzentrale NRW wurden bereits im März 2016 an die entsprechenden "Gremien" weitergeleitet. Dass bisher...  » mehr
21.07.2016
   WebTV   Bildergalerie  
"Die Veränderung der einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten im Jahr 2016 gegenüber dem Jahr 2015 beträgt über alle untersuchten Tarife hinweg 0,0 Prozent - für Privat und Riester-Renten gleichermaßen", stellt das Berliner Institut für Transparenz GmbH fest. Das Fazit findet...  » mehr
30.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Der aktuelle "Marktausblick zur Lebensversicherung" der Kölner Rating-Agentur Assekurata konstatiert einen Rekordwert, den die Versicherer für die Zinszusatzreserve bereitstellen müssen. Nach Ansicht der Rater wird es Zeit, die Berechnung der Zuführungen auf den Prüfstand zu...  » mehr
20.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
ARTIKEL
WWK: Paradigmenwechsel in der Lebensversicherung, Steffen Ritters Kolumne: Lochen, heften, gelbe Zettel schreiben ist vorbei!, Nacholgemanagement Tipp: Soll ich mir bekannte Meklerkollegen offen und direkt auf meine Verkaufspläne ansprechen?, LV: Garantiezinssenkung in der...  » mehr
01.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Ein weiterer Rückgang der Zahl der Vermittler und des Provisionsniveaus sei absehbar, prognostizierte Hermann Schrögenauer (Bild), Vorstand Vertrieb Leben bei der Zurich, bei der Tagung "Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung" des Instituts für...  » mehr
27.05.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Bestandsverkauf
Nur für Verkäufer: Wie professionelle Nachfolgeplanung funktioniert Nur für Verkäufer: Wie professionelle Nachfolgeplanung funktioniert

Tagesseminar für Versicherungsmakler, die ihr Unternehmen demnächst veräußern wollen. Es werden nur Verkäufer, keine Käufer zugelassen.
28. September 2016 in Eschborn
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen