21.01.2016

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Nachfrage nach Nettotarifen immer noch im niedrigen Promillebereich

Die Nachfrage nach so genannten provisionsfreien Nettotarifen, die vor allem von Versicherungs- oder Honorarberatern und von Versicherungsmaklern angeboten werden, hat sich zwischen 2010 und 2015 nicht spürbar vergrößert. Der Anteil dieser Tarife im Neugeschäft liegt unverändert im niedrigen Promille-Bereich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität zu Köln und der Fachhochschule Dortmund.

Besonders interessant ist dieses Ergebnis auch, da das Angebot deutscher Versicherungsunternehmen an Nettotarifen, die keine Provisionen enthalten und sich deshalb für den Vertrieb gegen ein vom Kunden zu zahlendes Honorar eignen, in der Lebensversicherung in dem genannten Fünfjahres-Zeitraum zugenommen hat. 17 Lebensversicherer gaben in der Befragung an, solche Tarife vorzuhalten. In einer Vergleichsuntersuchung aus dem Jahr 2010 waren es nur zehn Unternehmen. Dagegen gibt es nur drei Anbieter in der Schadenversicherung (2010: sechs) und einen in der Krankenversicherung (2010: keiner), die Nettotarife anbieten.

Sieben weitere Anbieter wollen nachziehen
Allerdings planen fünf Lebens- und je zwei Schaden- und Krankenversicherer, innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre solche Tarife einzuführen. Teilgenommen haben an der Umfrage insgesamt 44 Versicherungsunternehmen und -konzerne, die einen Marktanteil von 85 Prozent repräsentieren. Im Jahr 2010 waren es 49 Unternehmen, die allerdings nur 68 Prozent Marktanteil gesamt aufwiesen.

Reputationsrisiko für Versicherer durch unregulierten Honorarvertrieb

Die Autoren der Studie, Professor Dr. Matthias Beenken und Professor Dr. Sabine Wende, finden es bedenklich, dass die Unternehmen mit großer Mehrheit keinen Einfluss darauf nehmen, unter welchen Bedingungen die Nettotarife den Kunden angeboten werden. Dabei zeigten eine Reihe Gerichtsverfahren und Urteile des Bundesgerichtshofs, dass separate Vergütungsvereinbarungen keineswegs immer transparent und angemessen seien. Negativ falle dabei unter anderem die Höhe der geforderten Vermittlungshonorare sowie die Tatsache auf, dass der Kunde anders als bei Bruttotarifen im Fall frühzeitiger Vertragsstornierung die vereinbarte Vergütung meist nicht zeitanteilig zurückfordern könne. Auch erfolge oft keine hinreichende Aufklärung darüber, wie sich eine einmalige Vergütung bei einem langfristigen Versicherungsvertrag auf dessen Kosten-/Nutzen-Verhältnis auswirke, und wie sich dies mit Bruttotarifen vergleichen ließe.

Für die Versicherungswirtschaft könne ein vermehrter Absatz von Nettotarifen gegen separate, vom Vermittler vereinbarte Vergütung zu einem Reputationsrisiko werden. Denn betroffene Kunden würden im Streitfall kaum zwischen dem Versicherer und dem Honorarvermittler/-berater differenzieren, wenn sie sich unfair behandelt sehen.

Makler faktisch ohne Wahlfreiheit

Die Autoren ziehen das Fazit in der Studie, dass das Angebot an Nettotarifen für die Honorarvermittlung also weiterhin gering sei und sich weitgehend auf die Lebensversicherung beschränke. Faktisch bestehe damit derzeit kaum eine Wahlfreiheit für einen Versicherungsmakler, vollständig von der Courtage zur Honorarvermittlung und -beratung zu wechseln, ohne Rechtsrisiken hinsichtlich der Gültigkeit des Provisionsabgabeverbots einzugehen.

Und wieder sehen wir betroffen, der Vorhang zu und alle Fragen offen

Die Untersuchung lasse verschiedene Forschungsfragen offen. Unklar sei, zu welchen Teilen das geringe Vermittlungsvolumen an Nettotarifen auf eine fehlende Nachfrage seitens der Kunden oder auf fehlendes Interesse der Anbieter an einer Aufgabe der Verhandlungshoheit über Vergütungen zurückzuführen sei. Dementsprechend könne die Untersuchung auch nicht die Frage nach den Marktchancen für ein breites Angebot an Nettotarifen beantworten. Der Begriff des Nettotarifs bleibe weiterhin unklar, gesetzliche Klarstellungen seien wünschenswert. Zu klären sei weiter, welche gesetzlichen Regelungen angepasst werden müssen, um eine Ausbreitung alternativer Vergütungssysteme zu ermöglichen. Schließlich bleibe die Frage offen, ob die Trennung von Beratung und Verkauf sowie die individuelle Verhandlung von Honoraren mit dem Kunden im Interesse des Versicherungsmaklers liege, und welche ökonomischen Auswirkungen dies auf sein Geschäftsmodell habe.

Die ausführliche Untersuchung "Nettotarifangebot deutscher Versicherungsunternehmen" wurde als Institutsmitteilung Nr. 1/2016 auf den Internetseiten des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln (http://www.ivk.uni-koeln.de/de/publikationen/mitteilungen) veröffentlicht.

Bildquelle: © picturealliance
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Bernhard Rudolf
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Gemeinsam mit dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) zeichnet die Funk Stiftung einmal im Jahr innovative Projekte aus, die das Risiko- und Versicherungsmanagement von Unternehmen maßgeblich fördern. Einzelpersonen und Teams können sich ab sofort...  » mehr
13.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Zwei gegensätzliche Gewerbeerlaubnisse in einer als Verbraucherschutzorganisation bekannte Unternehmensgruppe - kein Problem, meint eine zuständige IHK. Ist das die Lösung für die vom geplanten Honorarverbot geplagten Vermittler?  » mehr
08.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Eine Bevorzugung der Honorarberatung wird das Risiko Altersarmut verstärken, ist sich Dr. Patrick Dahmen, Axa-Vorstand für den Bereich Vorsorge, sicher. Versicherungsmagazin sprach mit dem Experten über Regulierungen der Branche, die Zukunft der klassischen LV sowie die...  » mehr
07.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
"Eine ganz klare Trennung zwischen Provisionsvermittlung und Honorarberatung" glaubt Staatssekretär Gerd Billen vom Justiz- und Verbraucherschutzministerium mit dem von der Bundesregierung vorgelegten Umsetzungsgesetz der IDD zu schaffen. Mit ein wenig Fantasie kann man auch...  » mehr
23.01.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Bundesregierung hat heute das IDD-Umsetzungsgesetz beschlossen. Der Versicherungsberater erhält kein "Honorar-" vorangestellt. Was sich sonst noch gegenüber dem Referentenentwurf geändert hat.  » mehr
18.01.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Zahl der Versicherungsvermittler ist nach Angaben der Industrie- und Handelskammern weiter rückläufig. Wie sich die Finanzanlagenvermittler sowie die Honorarberater entwickelt haben.  » mehr
05.01.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 31. März möglich.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
Anlage Praxis
Was Bulle und Bär 2017 vorhaben Was Bulle und Bär 2017 vorhaben

Die Anlage Praxis informiert über die wichtigsten Entwicklungen an den internationalen Börsen. Der Finanzbranche stehen 2017 grundlegende Veränderungen bevor, auch ausgelöst durch die neuen Regeln der Finanzmarktrichtlinie Mifid-II. Mit welchen Folgen Anlageberater und Vermittler rechnen müssen, erläutert Ihnen die Januar-Ausgabe der Anlage Praxis.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen