25.01.2016

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Großbritannien will Provisionsverbot lockern

Offensichtlich hat ein hartes Verbot von Provisionen und Courtagen Risiken und Nebenwirkungen, die von den Vorreitern der Honorarberatung nicht bedacht wurden.


Mit dem "Retail Distribution Report" (RDR) wurde 2013 den britischen Versicherungs- und Finanzmaklern untersagt, für die Vermittlung von Kapitalanlagen und kapitalbildenden Lebensversicherungen Provisionen oder Courtagen anzunehmen. Damit wollte Großbritannien Interessenkonflikte ausschließen und für eine objektivere Beratungspraxis sorgen.

Altersvorsorge im Honorarsystem nicht sicherzustellen
Doch mittlerweile scheint den Briten aufgefallen zu sein, dass die Honorarberatung unerwünschte Nebenwirkungen hat. Das hängt auch damit zusammen, dass die Briten sich stärker selbst um eine auskömmliche Altersvorsorge kümmern müssen.

Die Zahl der Makler ist noch einmal zurückgegangen, und das Beratungsangebot beschränkt sich nur noch auf vermögende Kunden. Damit ist ein Advice gap, eine Beratungslücke, entstanden, durch die gerade diejenigen Kunden nicht mehr zu einer Beratung kommen, die sie am nötigsten brauchen.

Partielle Rückkehr zur Provisionsberatiung
Nach britischen Medienberichten hat Tracey McDermott, die neue Chefin („Acting Chief Executive) der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA, im Radiosender BBC (http://www.bbc.co.uk/programmes/b06vf0cb) angekündigt, man werde den RDR zwar nicht aufheben, aber partiell wieder zur Provisionsberatung zurückkehren. Im Interview gibt McDermott an, sie wolle "some elements of commission" wieder zulassen. Was sie darunter im Einzelnen versteht, wurde nicht deutlich. Vielleicht könnte sich dies auf laufende Provisionen beziehen. Immerhin stehen wenn, dann immer wieder die einmaligen Abschlussprovisionen besonders in der Kritik, Fehlanreize auszulösen und Interessenkonflikte hervorzurufen.

Die Wiedereinführung "einiger Provisionselemente" sei nicht als Abkehr vom Prinzip zu verstehen, dass der Berater frei von finanziellen Anreizen der Produktanbieter sein soll. Aber man müsse wohl doch im Einzelfall die Interessen aller Beteiligten prüfen.

Konkurrenz durch Provisionsanbieter befürchtet
Bei Beratern und auch bei Anbietern stießen diese Aussagen auf Kritik (http://citywire.co.uk/new-model-adviser/news/fca-commission-comments-risk-unravelling-rdr/a874307). Offensichtlich befürchten die betroffenen Unternehmen, dass der Wettbewerb wieder intensiviert wird und Investitionen in den Aufbau einer Honorarberatung sich nicht auszahlen.

Dagegen wird argumentiert, dass die Beratungslücke des Honorarsystems gerade von den Banken gefüllt wird, die sich in der Finanzkrise und in Zusammenhang mit Skandalen beispielsweise rund um überteuerte und unnötige Restschuldversicherungen (PPI-Skandal) gerade nicht als unabhängige und verbrauchergerecht beratende Institutionen erwiesen haben. Auch beim Verkauf von risikoreichen Produkten an ältere Kunden haben sich britische Banken unrühmlich hervorgetan und mussten erhebliche Strafen hinnehmen. Der Reporter spricht McDermott auf konkrete Praxisbeispiele an, aus denen erkennbar werde, dass die Banken ihr Beraterpersonal gezielt wieder aufstockten.

Umsetzung der IDD lässt Spielräume

Die Diskussion zeigt, dass es auch in Deutschland fatal wäre, ideologisch getrieben den Provisionsvertrieb aus dem Markt zu regulieren. Dies zumal die Versorgungslücken der gesetzlichen Alters- und der Einkommensvorsorge sehr hoch sind und daher ein ansteigender Bedarf an eigeninitiativer Vorsorge besteht.

Die neue Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD, die nach Medienberichten letzte Woche endgültig verabschiedet wurde, sieht zwar kein Provisionsverbot vor. Aber sie lässt viel Spielraum auch in diese Richtung. Damit entscheidet jedes Mitgliedsland selbst, ob es mit einer rein deklaratorischen Mitteilung an den Kunden zufrieden ist, wer den Vermittler oder Berater bezahlt. Es könnte aber weitergehend eine Offenlegung gezahlter Vergütungen oder eben auch ein Provisionsverbot festgeschrieben werden.

Bildquelle: © Montebelli/ Fotolia.com
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Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 25.01.2016 09:53:31 von Andreas Mohrmann: Wer nicht hören will muß fühlen

Das Vereinigte Königreich will also wieder zum bewährten System zurückkehren. Als ob das besonders überraschend wäre. Bereits in Skandinavien klappt die provisionsfreie Beratung nicht und hat zu einem Versorgungsnotstand geführt.

Als Mitarbeiter im angestellten Außendienst einer großen Versicherung und Dozent für Volkswirtschaftlehre, Marketing und Vertrieb beim Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft warne ich seit Jahren vor den (negativen) Konsequenzen der Honorarberatung.

Angefangen bei der Feststellung, dass in Deutschland ein Honorarberater keine Vermittlungsleistung erbringen darf, also nicht Angestellter oder Handelsvertreter eines Versicherers sein darf, über die Tatsache, das für diese Personengruppe weder die Beratungsdokumentationspflicht nach EU-Richtline noch die Weiterbildungsverpflichtung der Versicherungswirtschaft gilt.

Des weiteren gibt es kaum kostenfreie Tarife, die ein Kunde abschließen könnte, allenfalls im Kollektivbereich. Hinzu kommt, dass die Honorarberatung keinesweg günstiger ist als die Provisionsregelung, die nach einer Umfrage 90 % aller Kunden bevorzugen.

Letztlich har der Kunde in seinem Vermittler einen Partner, der ihn im Zweifel während der gesamten Vertragsdauer begleitet. Hier sei die Frage erlaubt, an wen sich der Kunde bei Honorarberatung im Falle eines Schadens wenden soll. Der Honorarberater macht dies, selbstverständlich gegen erneutes Honorar. In den Provisionszahlungen, für die er Vermittler übrigens mehrere Jahre haftet, ist auch der Kundendienst enthalten, Für ein Honorar haftet im Falle der Falschberatung keiner.

Ist unser derzeitiges System wirklich so schlecht? Aus falsch verstandenem Verbraucherschutz heraus Provisonsverbote zu erlassen, würde nach hinten los gehen. Dann muß man nämliche alle provisionsabhängigen Verkäufer gleich behandeln, also auch den Immoblilienmaker und die Verkäuferin bei C & A, die ja auch teilweise umsatzabhängig bezahlt werden.
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am 25.01.2016 21:25:39 von Reinhard Kahle: Welches Ergebnis haben denn Verbraucherschützer erwartet?

Das sind doch die ersten die nach Steuergeld für die eigene Bezahlung rufen. Mit diesem Geld lässt es sich dann leichter gegen den Verdienst anderer wettern. Es liegt doch auf der Hand, wenn der Verkäufer kein Geld mehr verdient, verkauft er nichts mehr. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis noch mehr alte Menschen zum Rentenbeginn zum Sozialamt gehen.
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