27.01.2016

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Eiopa-Stresstest: Deckungslücken in der bAV

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen (Eiopa) hat die Ergebnisse ihres ersten europaweiten Stresstests über Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV) veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass die bAV-Systeme mit garantierten Pensionszusagen unter einer massiven Unterdeckung leiden.

Ziel des Stresstest war es, die Widerstandsfähigkeit des EbAV-Sektors gegenüber negativen Entwicklungen des Kapitalmarktes und einer steigenden Lebenserwartung zu testen. "Die Ergebniss zeigen eine Reihe von Risiken und Schwachstellen, die die Aufmerksamkeit der EbAV verdienen", heißt es von Seiten der Aufsichtsbehörde.

Milliarden Euro fehlen in den Kassen
In den Kassen der betrieblichen Alterversorgungssysteme fehlen bei einem Stressszenario 773 Milliarden Euro an Rückstellungen. Selbst bei einem stabilisierten Zins- und Vermögenspreisniveau, fehlen 428 Milliarden Euro. In Deutschland beläuft sich die Unterdeckung auf mindestens 15 Milliarden Euro. EbAV mit einem hohen Anteil von Aktien und Immobilien in ihrem Anlageportfolio sind am stärksten von den Stress-Szenarien beeinflusst.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kommentierte zurückhaltend: "Die Ergebnisse des Eiopa-Stresstests bestätigen, dass eine andauernde Niedrigzinsphase für den deutschen EbAV-Sektor eine große Herausforderung bleiben würde. Dies gilt erst recht für die Szenarien der negativen Entwicklung der Kapitalmärkte und der steigenden Lebenserwartung der Leistungsbezieher, die im Stresstest simuliert wurden. Es ist davon auszugehen, dass es in diesen Fällen zusätzlicher Zahlungen der Arbeitgeber bedürfte, um die Leistungen zu erbringen, die sie oder die EbAV den Versorgungsberechtigten versprochen haben."

Finanzierungslücken können geschlossen werden
Der Stresstest, für den eine Marktabdeckung von mindestens 50 Prozent des jeweiligen nationalen EbAV-Sektors vorgegeben wurde, deckte sowohl Leistungszusagen ab, bei denen den Versorgungsberechtigten Leistungen durch die EbAV und/oder den Arbeitgeber garantiert werden, als auch reine Beitragszusagen.

Eiopa-Vorsitzender Gabriel Bernadino hob hervor, dass der europäische bAV-Stresstest der erste seiner Art sei. Er habe das Verständnis dafür vertieft, welchen Einfluss künftige Szenarien auf die Widerstandsfähigkeit der Pensionssyteme haben könnten. Es müsse künftig noch mehr getan werden, um zu analysieren, wie sich längere ungünstige Marktbedingungen auf das Verhalten der Marktteilnehmer und die möglichen Folgen für die finanzielle Stabilität und Realwirtschaft auswirken werden. Bernadino sagte aber auch, dass die bAV-Verpflichtungen sehr langfristiger Natur seien, das es in der Regel auch erhebliche Erholungsphasen gäbe und Finanzierungslücken auch durch Anpassungen wie höhere Einzahlungen oder Rentenkürzungen geschlossen werden könnten.

Harsche Kritik aus dem Lager der Grünen
"Die Vogel-Strauß-Politik bei Lebensversicherungen und betrieblicher Altersvorsorge muss jetzt beendet werden", kommentierte der Sven Giegold, der für die Grünen im Europäischen Parlament sitzt, die Stresstest-Ergebnisse. "Wir brauchen im Europaparlament wie im Bundestag eine offene und ehrliche Diskussion über die Deckungslücke durch die niedrigen Zinsen." Die Lage der betrieblichen Altersversorgung sei noch dramatischer als der Stresstest zeige. Denn die Szenarien seien nicht realistisch berechnet worden. "Zudem wäre die Unterdeckung schon im Basisszenario viel höher ausgefallen, wenn mit realistischen Zinssätzen auch gerechnet worden wäre. Nach wie vor geht Eiopa im Referenzszenario von risikofreien Zinssätzen von 4,2 Prozent bei langen Laufzeiten aus", so seine Kritik.

Quelle: Eiopa, Bafin, Sven Giegold
Bildquelle: Eiopa

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Autor(en): versicherungsmagazin.de
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