08.02.2016

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Digitalisierung macht Riesenfortschritte

Die disruptiven Umbrüche der klassischen Geschäftsmodelle der Versicherungsbranche sind weiter fortgeschritten, als es selbst Unternehmensberater bisher erwartet hätten. Der nachfolgende Überblick zeigt eindrucksvolle Beispiele.

In der Kölner Versicherungswirtschaft ist der Digitalisierungs-Hype ausgebrochen. Der zweitstärkste Versicherungsstandort Deutschlands will damit zum Vorreiter werden und Benchmarks setzen. Dabei geht es allerdings keineswegs nur darum, einer Mode zu folgen, sondern um harte betriebswirtschaftliche Fakten und Optimierungsziele.

Digitale Zeitoptimierung
Die örtliche Industrie- und Handelskammer unter ihrem Präsidenten Professor Dr. Werner Görg, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender eines Kölner Versicherungsunternehmens ist, führte dazu am vergangenen Donnerstag eine Pressetour durch die Domstadt durch. Ein erstes eindrucksvolles Beispiel lieferte die den Eisenbahnern eng verbundene DEVK Versicherung. Der Personalvorstand des Unternehmens informierte sichtlich stolz über die Digitaluhren, mit denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgestattet wurden. "Das Besondere daran ist das außerordentlich präzise Uhrwerk", so der studierte Informatiker, "dadurch konnten wir die Raucher- und die Mittagspausen wirksam verkürzen und die Arbeitsproduktivität der Sachbearbeiter erhöhen". Warum der Vorstand selbst keine Digitaluhren trägt, wurde allerdings auch auf Nachfrage nicht überzeugend begründet.

Ganz hat die DEVK allerdings noch nicht die klassische Steuerung des Unternehmens über Incentivierungen aufgegeben. Dies wurde im Foyer des Unternehmens demonstriert, in dem in guter Sichtposition gegenüber der Stechuhr eine Miniatur-Eisenbahnlandschaft aufgebaut worden ist. "Wir haben diese Anlage von einem führenden Hersteller von Spielzeugeisenbahnen aufbauen lassen", so der Vorstand weiter. "Das ist eine echte Innovation, denn die Züge werden komplett digital gesteuert." Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Monats - aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit wird hier nicht differenziert - dürfen nun jeden Morgen die erste halbe Stunde ihrer Arbeitszeit an dieser Anlage verbringen, auch als leuchtendes digitales Vorbild für ihre Kolleginnen und Kollegen.

Datenverarbeitung revolutioniert
Ein weiteres Beispiel für die unaufhaltsamen Fortschritte der Digitalisierung lieferte die Gothaer. Der Chief Digitalization Officer (CDO) - eine deutsche Übersetzung war leider nicht verfügbar, da sich kurzfristig kein Englisch sprechender Mitarbeiter auftreiben ließ - präsentierte den staunenden Journalisten ein komplett neues Modell ihrer seit 1925 im Einsatz befindlichen Lochkartenanlage. Die "Locher 2.0" genannte Maschine ist in der Lage, jeden Arbeitstag 7,3 Kilometer Lochkarten einzulesen und in digitale Signale zu übersetzen.

"Wir haben die Anlage erweitern können, so dass sie jetzt nicht nur für Schadenversicherungen, sondern auch für Lebensversicherungen einsetzbar ist", so der CDO weiter. Dazu demonstrierte die Unternehmenssprecherin Lochkarten für die jeweilige Sparte und erläuterte, dass mit denjenigen für die Schadenversicherung die Schadenauszahlungen, mit denjenigen für die Lebensversicherungen die Zinsberechnungen für die Lebensversicherung möglich seien. Auf die Nachfrage des Vertreters des Bayerischen Rundfunks, warum die Lochkarte für die Lebensversicherung nur Löcher enthält, wollte sich das Unternehmen allerdings nicht äußern.

Kneifzangen brachten keinen Fortschritt
Während einer Arbeitsplatzbesichtigung konnten zudem Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter beobachtet werden, die die Vorarbeiten für die neue digitale Datenverarbeitungsmaschine leisten. "Wir müssen noch etwas das Tempo optimieren", so der CDO. Mit den handelsüblichen Lochern lassen sich die Löcher nur mit begrenzter Geschwindigkeit stanzen. Auch Versuche mit historischen Kneifzangen von Schaffnern der ehemaligen Kaiserlichen Reichsbahn, die der benachbarte Eisenbahnversicherer DEVK aus seinem Unternehmensmuseum zur Verfügung stellte, haben noch nicht den gewünschten Fortschritt erbracht.

Digital Natives setzen ältere Generationen unter Druck

Nach einem Wechsel der Rheinseite mussten die angereisten Pressevertreter allerdings auch einen Rückschlag bei den Digitalisierungsbemühungen erleben. Die AXA Versicherung hatte sich einfallen lassen, die beiden Buchstaben "A" im Unternehmensnahmen durch hippe "e" für "electronic" zu ersetzen. Abgesehen davon, dass die Namensänderung auf "eXe" mit dem französischen Hauptquartier nicht abgestimmt worden war, kam eine umgehende Rüge aus dem globalen Vertriebsressort der Muttergesellschaft. Denn schon innerhalb weniger Tage nach der Umbenennung war ein massiver Einbruch bei den Neugeschäftszahlen zu verzeichnen.

Die kurzfristig vom eXe-Deutschland-Chef Dr. Thomas Buberl einberufene 40-köpfige Expertenkommission konnte allerdings nach intensiver Suche im zweiten Untergeschoss des weitverzweigten Gebäudeareals im Kölner Stadtteil Holweide einen Auszubildenden zum Systemadministrator entdecken, der einen plausiblen Erklärungsansatz lieferte. Der für die Firewalls des Unternehmens verantwortliche Mitarbeiter berichtete den Experten, er habe eine auffällige Häufung von zurückgewiesenen Mails von Agenturen und Maklern der eXe bemerkt.

Generation Z blickt voll durch
Diese seien offenbar als Schadsoftware eingestuft worden. Dazu erläuterte der Auszubildende, dass ausführbare Software gerne mit der Endung ".exe" ausgestattet wird, und diese nicht immer nur von wohlmeinenden Programmierern in Umlauf gebracht wird. Der Vorstand der eilig in "AXA" zurückbenannten Gesellschaft belobigte inzwischen den Auszubildenden als ein gelungenes Beispiel der auch als "Digital Natives" bezeichneten Generation Z, der man weder ein X für ein U noch ein e für ein A vormachen könne.

Sogar in Düsseldorf gibt es digitale Innovationen

Aufgrund eines Fehlers in der Navigationssoftware der von Volkswagen zur Verfügung gestellten Pressefahrzeuge wurde als letzte Station der Pressetour die Düsseldorfer Ergo-Zentrale angesteuert. Das Unternehmen fiel abgesehen vom Standort auch deshalb aus dem Rahmen, weil es sein auch als "Insurtech" bezeichnetes Innovationslabor aus dem Rheinland in die Hauptstadt Berlin verbannt hat. Das Ergo Digital Lab im Betahaus konnte deshalb nicht besichtigt werden.Allerdings zeigte man sich dennoch in Düsseldorf gut informiert über die digitalen Innovationen, die dort ausgebrütet werden.

So wurden ausgiebige Feldversuche mit Telematikboxen vorgestellt, die über das Fahrverhalten von landwirtschaftlichen Zugmaschinen im Ackereinsatz Auskunft geben. Eine Spezialsoftware wertet den Fahrstil aus und gibt dem Landwirt per App durch eine wachsende oder schrumpfende Anzahl angezeigter Steckrüben Auskunft darüber. Der Unternehmenssprecher wusste allerdings nicht zu sagen, ob man damit etablierten Landwirtschaftsversicherern den Kampf ansagen wolle.

Was tun mir dem Datenberg?
Immerhin kündigte er an, dass man die Berliner Zukunftsforscher, die auch als "Digger" - laut Internetthesaurus ist das wohl gleichbedeutend mit "Goldgräber" und das wiederum mit "Finanzhai" - bezeichnet werden, nun beauftragt habe sich Gedanken zu machen, was man mit den erhobenen Daten überhaupt anfangen will. Ein Fachwort gibt es zumindest schon mal für den unübersehbaren Datenberg, er soll wohl "Big Data" heißen.

Ein anderer Forschungsansatz mit neumodisch "Wearables" genannten Armbändchen für die Übermittlung von Körperaktivitätsdaten wurde jedoch abgebrochen, nachdem dem Münchener Eigentümer des Ergo-Konzerns aufgefallen war, dass dies vor dem Hintergrund der jüngeren Unternehmensgeschichte zu Irritationen führen könnte. Die bereits erzielten Ergebnisse wurden nun der ungarischen Versicherungsaufsichtsbehörde zur weiteren Verwertung angeboten.

Kunden verstehen endlich
Besonders gelungen dagegen ist der Ansatz, für mehr Verständlichkeit zu sorgen. Dazu hat Ergo Sprachwissenschaftler beauftragt, mittels einer Software die eigenen Versicherungsbedingungen zu übersetzen. So heißt es nun beispielsweise in den Hausratbedingungen statt, "Brand ist ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und das sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag", ganz digital: "011001 010010 100010 110100 010010 00101 0111". Wie der Unternehmenssprecher hervorhob, zeigten erste Marktforschungen bereits, dass die Kunden von Ergo nun endlich verstanden haben.

Abbitte
Für alle, die am heutigen Rosenmontag fern den Karnevalshochburgen tatsächlich arbeiten müssen, sei zur Erläuterung gesagt, dass es sich bei diesem Artikel um keine hundertprozentig den Tatsachen entsprechende Schilderung handelt. Meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen der kölnischen Versicherungswirtschaft möchte ich Abbitte leisten, falls ihre digitale Innovativität möglicherweise nicht hinreichend gewürdigt worden sein sollte.

Die Kolleginnen und Kollegen der Düsseldorfer Versicherungswirtschaft mögen dem Autor einfach nur den Geburtsort nachsehen. Ein dreifaches Kölle Alaaf, Versicherungen Alaaf, Digitalisierung Helau!

Bildquelle: © Cslop/Fotolia.com
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
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