10.03.2016

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Altersvorsorge: Kommt ein Standard bei Risiko-Klassen für freie Vorsorgeprodukte?

Für den privaten Altersvorsorgemarkt rechnet die Rating-Agentur Assekurata für 2017 auch bei nicht geförderten Produkten mit einer deutlichen Standardisierung und erhöhter Vergleichbarkeit. Grund dafür sei, dass geförderte Altersvorsorgeprodukte ab dem kommenden Jahr nur noch verkauft werden dürfen, wenn sie ein staatlich abgesegnetes Chancen-Risiko-Profil ausweisen.

Derzeit entwickelt die vom Bundesministerium für Finanzen eingesetzte Produktinformationsstelle Altersvorsorge gemeinnützige GmbH (PIA) in Kaiserslautern die entsprechenden Verfahren. Alle geförderten Produkte, für die bis Ende 2015 ein Klassifizierungsantrag gestellt wurde, erhalten ihr Profil bis Ende Juli 2016. Nach Einschätzung von Assekurata wird diese Einstufung, deren wesentliche Parameter im neuen Produktinformationsblatt veröffentlicht werden müssen, starken Einfluss auf die Gestaltung nicht geförderter Altersvorsorgeprodukte entwickeln. "Was für die staatlich geförderte Altersvorsorge verpflichtend ist, dürfte zeitnah auch für die private Altersvorsorge kommen; denn häufig sind die Produkte baugleich", stellt der Geschäftsführer des Analysehauses, Reiner Will, in einer aktuellen Veröffentlichung fest. Tatsächlich prüft derzeit die PIA nach eigenen Aussagen, ob ihr nicht ein "teil-paralleles Klassifizierungsverfahren" rechtlich möglich ist.

Zeitdruck für alle
Laut Assekurata kommen die Lebensversicherer deutlich unter Druck. Dazu Will: "Geschwindigkeit wird dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor sein." So werde die Zeit sehr knapp, weil sowohl das Produktmanagement wie auch die IT der Assekuranz Vorlauf benötigen, um die erforderlichen Systeme zu installieren. Grundsätzlich würden hierzu auch Anpassungen der Beratungsprozesse und -programme notwendig werden. "Vermittler stehen in der Altersvorsorgeberatung vor der Herausforderung, den Kunden über das Chance-Risiko-Profil zu informieren und die geeignete Produktauswahl zu dokumentieren. Dies erfordert auch die Beurteilung der Risikoneigung des Kunden", erläutert Will.

Vielleicht Wildwuchs ...
Ob es aber tatsächlich im freien Markt zu einem Standard kommt ist derzeit mehr als unsicher. So stellt der Experte fest: "Wem es gelingt, innerhalb der Bandbreiten einer Chance-Risiko-Klasse ein Produkt mit den Leistungsparametern an die Spitze zu führen, der darf mit deutlich höherem Absatzerfolg rechnen." Gleichzeitig verweist Will aber darauf, dass es dem privaten Softwarehaus Morgen & Morgen mit der Initiative Volatium nicht gelungen sei, einen Marktstandard zu etablieren. Versicherer mit hohen Kosten dürften kaum ein Interesse daran haben, marktweit verglichen zu werden. Sie hätten das Nachsehen.

Trotzdem ist Will davon überzeugt, dass die PIA den Prozess hin zu einem markteinheitlichen Risikoklassifizierungssystem "erheblich beschleunigt". Dabei haben laut Assekurata in der Vergangenheit sogar einige Vertriebe individuelle Verfahren der Risikoklassifizierung in ihrer Altersvorsorgeberatung eingeführt. Daher könnte mit den staatlichen Risiko-Profilen auch der Wildwuchs bei nicht staatlichen Profilen Vorschub geleistet werden. Frei nach dem Motto: "Fast" staatlich geprüft.

Starre Beispielrechnungen haben ausgedient
Eine rechtliche Handhabe, mängelbehaftete Risiko-Profile freier Produkte vom Markt zu verdammen, hat die PIA wohl kaum. Immerhin dürfte eines aber klar sein: Die klassische Vorsorgeberatung, die auf einfache und starre prognostische Beispielrechnungen setzt, hat auf jeden Fall bald ausgedient.

Bildquelle: © Fovito /Fotolia.com
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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
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