DKM: Neue Wilde treffen "alte Hasen"

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Asuro, Clark, Compeon, Fair.de, Financefox, Kapilendo, Simplr. Das sind nur einige der wenigen Fintechs und Insurtechs, die in der Versicherungsbranche immer präsenter sind. Auf der DKM in Dortmund hatten diese (relativ) neuen Player ihre Premiere, präsentierten sich in Vorträgen oder in so genannten Pitch-Contests und zeigten, mit was die Versicherer in Zukunft rechnen müssen und was sich die jungen Kunden von morgen wünschen.

'"Ruf doch die Taxizentrale an", forderte mein Vater mich auf oder fragte mich: "Wann gehst Du ins Reisebüro?" Meine Reaktion: "Taxizentrale? Kenne ich nicht. – Reisebüro? War ich noch nie." Mit diesen wenigen Sätzen skizzierte Sebastian Becker, Vertreter der Generation Y und Fintech-Gründer, anschaulich die Diskrepanz zwischen neuer und alter Versicherungswelt auf der DKM in Dortmund. Die unterschiedlichen Herangehensweisen zwischen seinem Vater und ihm, zwischen Vertretern seiner Generation und der Generation seiner Eltern, zeigten auch bestens, wie die neuen wilden Versicherungsakteure auf die Wünsche der jungen Kunden reagieren und was die Traditionalisten der Versicherungsbranche von diesen lernen können und sollten.

Informationen schnell, transparent und digital
Und was möchten die jungen Kunden von heute? "Wir wollen Dinge ausprobieren. Wir wollen Informationen schnell, transparent und Content-bezogen. Und wir wollen eine digitale Präsentation". So sei ein Video-Chat der richtige Weg zu kommunizieren, denn dieses Medium erleichtere die Kommunikation. Wer sich wo bei einem derartigen Gespräch befinde, sei absolut zweitrangig.

Dass bei den Fintechs in der Versicherungswelt die Technologie eine eklatant wichtige Rolle spielt, bewies auch Christopher Oster von Clark Germany auf dem Insurtech-Kongress auf der Dortmunder Messe. Denn bei dem Fintech sind nur noch 30 Prozent der Prozesse manuell, 70 Prozent bereits technisiert. Tendenz immer noch steigend. O-Ton Oster: "Versicherungs-Apps werden bei den Menschen nie zu einer Herzensangelegenheit." Aber ein derartig hoher Technisierungsgrad könne wenigstens bewirken, dass die (potenziellen) Kunden sich bereitwilliger mit dem Thema Versicherungen beschäftigten. Aber um im Markt erfolgreich bestehen zu können, sei am Ende sowieso der "customer touchpoint" am wichtigsten. Wow! Hört sich sehr extraordinär an. Bedeutet aber eigentlich nur: Für den Kunden müssen möglichst viele Kontaktpunkte geschaffen werden, damit er Kunde wird und Kunde bleibt.

Veraltete IT und viele Medienbrüche
Dass der Handlungsdruck für die Versicherer – auch im gewerblichen Sektor – immer stärker wird, sieht Dr. Frank Wüller von der Compeon GmbH. Dies läge auch daran, dass bei den klassischen Versicherungsunternehmen, aber auch bei den Banken die Kundenanforderungen nicht mehr mit den Angeboten der Finanzdienstleister korrespondierten. Dies läge an den meist veralteten IT-Systemen und den diversen Medienbrüchen.

Die Compeon GmbH ist bislang nur im Bankensektor tätig, möchte aber ab 2017 auch im Versicherungsmarkt aktiv werden. Die Grundlage für die Expansionschancen für sein Unternehmen im Speziellen und die Fintech-Branche im Allgemeinen sieht Wüller darin begründet, dass die Online-Affinität auch im Mittelstand immer stärker ausgeprägt sei. Sein Lockangebot an die Makler auf der DKM, mit seinem Unternehmen künftig zusammenzuarbeiten: Makler könnten über Coupons "einfach und bequem" Ausschreibungen für ihre gewerblichen Mandanten in seinem Portal zu platzieren. Die jüngste Aktion seines Startups: Ein White-Label- Angebot für interessierte Kunden.

Bildquelle: © silverv /istock

Autor(en): Meris Neininger

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