16.02.2017

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Bafin: Keine Panik vor Run-Off

Verbraucher und Vermittler müssen weiterhin bangen, dass deutsche Lebensversicherungsunternehmen in einen stillen oder offenen Run-Off gehen "Es wird noch weitere Run-Offs geben, davon bin ich überzeugt", sagte Frank Grund auf einer Veranstaltung des Instituts für Versicherungsrecht an der Universität Düsseldorf.

Grund, der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) für Versicherungen zuständig ist, warnte aber davor sich von aktuellen Medienberichten in Panik versetzen zu lassen. "Einen Hype wird es beim Run-Off nicht geben", so Grund.

Vermittler sollen auf Bafin vertrauen
Der Run-Off sollte grundsätzlich nicht schlecht bewertet werden. "Erst mal ist es nur die Entscheidung eines Lebensversicherers, kein Neugeschäft mehr zu zeichnen", so der Aufseher. Grund geht davon aus, dass es auch künftig weitere Run-Offs mit gleichzeitigem Verkauf der Lebensversicherungssparte geben wird, wie es die Unternehmen Basler und Arag derzeit praktizieren. Vermittler könnten im Vorfeld nicht wissen, welche Gesellschaft die nächste ist. Daher müssten sie voll und ganz auf die Freigabe durch die Bafin vertrauen. Die Aufsicht würde in jedem Fall durch eine umfassende Prüfung sicherstellen, dass den Kunden durch einen Verkauf kein Nachteil entstehe.

Grund: "Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob ein kleines Unternehmen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Run-Off geht oder ein großer Konzern sein Lebensversicherungssegment aufgegeben will." Welche Konsequenzen den Kunden drohen, wenn tatsächlich ein kleiner Versicherer, der hauptsächlich Lebensversicherungsgeschäft betreibt, sein Geschäft einstellen muss, ließ der Bafin-Direktor aber offen.

Strenger Zinszusatzreserveaufbau bleibt bis 2018
Sehr positiv beurteilte Grund die neue Aufsichtskultur Solvency II (SO II). Nun so werde vorausschauend und risikobasiert beaufsichtigt. Deutsche Lebensversicherer, die so genannte Übergangsmaßnahmen nutzten, müssten dies nicht unbedingt aus ökonomischer Schwäche tun, betonte er. Vielmehr könnten diese Erleichterungen auch strategisch zu Gunsten der der Kunden eingesetzt werden, weil so eine Abfederung des neuen Rechts erreicht werde. Grund: "Ich warne daher davor, die Übergangsmaßnahmen zu stigmatisieren."

Unerbittlich zeigt sich der Aufseher gegenüber Forderungen, die Methodik für den Aufbau der Zinszusatzreserve zu Gunsten der Assekuranz abzuschwächen, wie es die Rating Agentur Assekurata oder der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordern. "In diesem Jahr können die deutschen Lebensversicherer die Reserven nach dem bisherigen System leisten. Im nächsten Jahr werden wir uns das einmal anschauen", so der Bafin-Vertreter.

Streit um Macht der Wirtschaftsprüfer
Schwere Meinungsverschiedenheiten gibt zwischen Versicherungsbranche und Aufsicht hinsichtlich der Funktion der Wirtschaftsprüfer über SO II. "Die Aufsicht kann mit 400 Mitarbeiter nicht im Detail jedes Unternehmen prüfen", sagte Grund. Daher werde die Solvenzbilanz nach SO II von den Wirtschaftsprüfern erstellt.

Demgegenüber klagt der GDV über sehr hohe Kosten und eine vollkommend ausufernde Prüfung. "Rund 40 Prozent der Jahresabschlusskosten eines Lebensversicherers entfallen mittlerweile auf den Wirtschaftsprüfer", rechnete Axel Wehling vom GDV vor.


Kein verlängerter Arm der Bafin

So weise der Gesetzgeber den Wirtschaftsprüfern in zunehmenden Maß originäre aufsichtsrechtliche Kontrollbefugnisse zu. Damit würden die Prüfer zum verlängerten Arm der Bafin. Wehling: "Das ist auch für das Selbstverständnis der Wirtschaftsprüfer problematisch." Daher sollten die Prüfer künftig nur testieren, dass es keine fehlerhaften Zahlen gebe. Bisher müssten sie jede Zahl positiv begründen. Grund versprach, diesen Vorschlag im eigenen Hause zu diskutieren.

Unterstützen will die Behörde die Branche auch bei der fairen Einschätzung der Verbindlichkeiten von deutschen Lebensversicherern mittels Ultimate Forward Rate (UFR). Der GDV und die Bafin halten bei der Modellierung einen Zinssatz von 4,2 Prozent für angemessen, während die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) 3,7 Prozent anvisiert und damit zu höheren Eigenmittelverpflichtungen der Assekuranz kommt.

Pragmatische Lösung für Problem
Umstritten ist zudem die Legitimation der Bafin, innerhalb des wichtigsten Gremiums der Eiopa. So werfen ihr Juristen vor, die Normen zu vollziehen, an denen sie selbst in der Eiopa mitgewirkt habe. Aufseher Grund sieht das rechtliche Problem. Löst es aber sehr pragmatisch. Bei seiner Tätigkeit im Eiopa Board of Supervisors würde der ehemalige Versicherungsmanager ein persönliches Mandat wahrnehmen und den "Hut der Bafin" einfach absetzen.

Bild: © Lightimpression/Fotolia.com
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Die Bafin hat in ihrem Journal Auswirkungen des IDD-Umsetzungsgesetzes für die Versicherungsbranche skizziert. Sie ermuntert dabei die Versicherer, es werde alles nicht so schlimm. Das könnte aber Zweckoptimismus sein.  » mehr
27.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die anhaltende Niedrigzinsphase und das Lebensversicherungsreform-Gesetz haben sich gar nicht so sehr auf die Courtagesätze der Makler ausgewirkt, so Finet-Chef Markus Neudecker. Warum aber dennoch die Vergütungen der Versicherer ganz erheblich voneinander abweichen.  » mehr
20.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Wolfgang Brezina (55), wird den Vorstand der Allianz Deutschland AG zum 1. Juli 2017 verlassen, um als Head of HR Operations zur Allianz SE zu wechseln. Diesen Bereich, der auch die Shared Services umfasst, soll er aufbauen und operationalisieren. Seine Nachfolgerin bei der...  » mehr
16.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Eiopa-Chef Bernardino wehrte sich bei der Jahrestagung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft in Berlin gegen Vorwürfe, die Aufsicht überdehne ihren Auftrag und belaste die Versicherungswirtschaft mit zu viel Regeln. Manche Beispiele der Diskussionsteilnehmer...  » mehr
16.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Im Mai 2017 wird der neue Rechnungslegungsstandard IFRS 17 veröffentlicht. Nun muss die Assekuranz schnell tätig werden, so die Experten von Willis Towers Watson.  » mehr
01.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Für Unmut beim VDVM hat ein Beitrag im aktuellen Bafin-Journal zum BGH-Urteil zur Schadenregulierung geführt. Die Behörde sei mit ihrer Stellungnahme zur Umsetzung der Entscheidung deutlich über das Ziel hinausgeschossen.  » mehr
18.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen