21.04.2017

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Per Telematik zurück zum Frauen-Tarif

Vor allem junge Frauen können nach Einschätzung der Stiftung Warentest sparen, wenn sie in der Autoversicherung einen Telematik-Tarif wählen. Damit könnten die Frauen in positiver Weise das seit 2012 bestehende Geschlechterverbot umgehen.

In einem aktuellen Beitrag verweist die Stiftung darauf, dass Frauen in der Regel weniger Schäden als Männer verursachen. Dies habe auch der mittlerweile eingestellte Telematik-Tarif der Sparkassen Direktversicherung gezeigt. Danach schafften 75 Prozent der Telematik-Fahrerinnen mindestens 80 Punkte, aber nur 65 Prozent der Männer.

Extrem teure Telematik-Angebote
In der Analyse von zwölf Telematik-Angeboten für einen 19-jährigen Fahrer, unterbieten das günstigste Marktangebot ohne Telematik mit Sijox, Allsecur, Huk24, Huk-Coburg, VHV, Cosmos Direkt und Allianz sieben Anbieter. Die mögliche Ersparnis für das System "Tank-Taler"des HDI, bei dem eine vorsichtige Fahrweise Rabatt beim Tanken ermöglicht, wurde nicht erhoben.

Das gilt auch für den Telematiktarif der Aachen-Münchener. Das Unternehmen verspricht eine mögliche Ersparnis von bis zu 15 Prozent, doch eine Berechnung wurde verweigert. Möglicherweise wäre hier, wie bei den Angeboten von Generali, Admiral Direkt oder Axa deutlich geworden, dass es extrem teure Telematik-Angebote im Markt gibt. So verlangt die Generali im Tarif "Mobility" vor Abzug des Fahrstil-Rabatts mit 1.933 Euro im Vergleich zum Tarif "Bonus Drive Basis" der Allsecur mehr als das Doppelte. Mit 936 Euro ist das Allsecur-Angebot schon ohne Telematik-Rabatt das günstigste im Markt. Die Telematik-Tarife sind somit ein Spiegel der extremen Preisunterschiede in der Kfz-Versicherung. Doch Autofahrer mit neuer Technik in teure Tarife zu locken, kann schnell als regelrechte Verbraucherfalle aufgefasst werden.

Endprämie entscheidend
Das gilt vor allem deshalb, weil der Höchstrabatt von vielen Kunden gar nicht erfahren werden kann. Grund: Wer beruflich oft nachts und auf innerstädtischen Straßen unterwegs ist, sammelt fast immer Negativ-Punkte. So gehen etwa bei Admiral Direkt die Tageszeit mit 25 Prozent und der Straßentyp mit 20 Prozent in die Berechnung des Rabatt-Scores ein. Der Test der Stiftung Warentest ist zudem extrem positiv angelegt, denn es werden auch Einsteigerrabatte mitberücksichtigt.

Die Generali gibt für ihren Tarif keine festen Rabattsätze an. Der Topbonus liegt aber nach Berechnung der Stiftung im Musterfall bei 39 Prozent. Demgegenüber liegt dieser Wert beispielsweise bei Allsecure nur bei 20 Prozent. Damit können junge Fahrer zwar nur 187 Euro sparen, doch die Gesamtprämie nach Rabattabzug liegt bei 749 Euro, während sie bei Generali trotz einer Ersparnis von 754 Euro noch immer bei 1.179 Euro liegt. Noch schlechter schneiden nur noch Admiral Direkt mit einer Endprämie von 1.219 Euro und Axa mit 1.585 Euro ab.

Telematik-Tarife beeinflussen Fahrstil positiv
In einem Selbsttest kommen die Berliner Verbraucherschützer zum Schluss, dass die ständige Eigenkontrolle des Fahrstils sich tatsächlich positiv auf das Fahrhalten auswirkt. "Tatsächlich merke ich bald: Telematik animiert zu einer vorsichtigen Fahrweise. Bei Beschleunigung, Bremsen und Tempo erhalte ich ab und zu sogar 100 Punkte. Meine Kurvenfahrten waren anfangs etwas zu forsch. Nun bin ich zurückhaltender", schreibt der Finanztest-Redakteur, der aber schon über 50 Jahre alt sein dürfte.
Eine totale Risikoanalyse des Fahrstils schafft aber noch kein System. So würden dichtes Auffahren, riskantes Überholen, Lückenspringen, Telefonieren am Steuer oder Alkohol sowie, "kirschgrüne" Ampeln nicht registriert.

Reine App-Lösungen erfassen die Daten ungenauer
Ambivalent ist die Bewertung der Technik. Während Angebote, die nur mit App oder zusätzlichem Stecker funktionieren (Sijox, Allsecur, Cosmos Direkt, Allianz, Generali, Axa, HDI, Aachen-Münchener) zum Testen und Ausprobieren animierten, zeichneten sich Tarife mit Box und App (Huk24, Huk-Coburg, VHV, Admiral Direkt) durch die zusätzliche automatische Notruffunktion aus.

Zudem sind reine App-Lösungen hinsichtlich der Datenerfassung ungenauer. Das zeigte sich beispielsweise daran, dass es bei gleicher Fahrtstrecke auch schon einmal größere Abweichung zwischen den erreichten Punkten gibt. Zudem: Wer die App im Taxis oder der Straßenbahn nicht abschaltet, muss damit rechnen, deutliche Verschlechterungen seiner Fahrstilbilanz einzuheimsen.

Telematik-Konditionen täglich kündbar
Wenig Kritik gibt es hinsichtlich des Datenschutzes von Seiten der Verbraucherschützer. Die ehemals von der S-Direkt entwickelte "chinesische Mauer" gilt allgemein als akzeptierte Vorlage für die Datensicherheit. Dabei werden von einem zwischengeschalteten Dienstleister die anonymen Rohdaten zu einem Score verarbeitet, den der Versicherer wieder seinem Kunden zu ordnen kann.

Ganz wichtig: Laut Datenrecht kann ein Telematik-Tarif jederzeit - also sogar täglich - gekündigt werden. Grund: Der Kunde kann seine Einwilligung in die Verarbeitung der personenbezogenen Daten immer widerrufen. Die Kfz-Versicherung bleibt dann bestehen, nur die Telematik-Konditionen entfallen.

Bild: © Sven Krautwald/Fotolia.com
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
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