03.11.2006

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Späte Anerkennung für Riester

Den späten Aufschwung hatten selbst Experten so nicht erwartet: Kürzlich hat die Anzahl der Konten für Riester-Zulagen erstmals die Vier-Millionen-Grenze überschritten. Allein seit Anfang 2006 wurden eine Million neue Zulagekonten aufgebaut - im Schnitt werden 117 Euro pro Vertrag gutgeschrieben. Inzwischen gibt es bereits 6,5 Millionen Riesterverträge. Die Differenz zwischen den abgeschlossenen Verträgen und den registrierten Zulagekonten erklärt die Zulagenstelle vor allem mit der Zeitverzögerung: Die Frist für den Zulagenantrag endet erst nach Ablauf des Beitragsjahres. So kann die Zulage 2004 noch bis Ende 2006 beantragt werden. Vermittler können ihren Kunden bei der Einrichtung des Zulagen-Dauerauftrages behilflich sein (Tipps unter www.zusy.de) - unter anderem mit Barwert- und Zulagenrechner (kostenloses Servicetelefon: 0800/ 10 00 48 040).

Der späte Aufschwung hat vor allem zwei Gründe: Die Versicherer haben nach dem Auslaufen der 100-Prozent-Steuerfreiheit Kapital bildender Lebensversicherungen noch keine ernsthaften Produktalternativen entwickelt. Also setzt man auch auf solche Nischenprodukte, obwohl die das Problem unzureichender Altersvorsorge gar nicht lösen können. Dass der Absatz dennoch brummt, hängt vor allem mit der Nachbesserung bei der Vertriebsvergütung zusammen: Seit 2005 müssen Abschluss- und Vertriebskosten nur noch über fünf Jahre verteilt werden (zuvor zehn Jahre). Im Schnitt gibt es genau so viel Vergütung wie für klassische Rentenversicherungen oder Fondspolicen - zwischen 40 und 45 Promille für jeden Vertrag. Selbst kleine und mittlere Anbieter, die das Geschäft aus Kostengründen bisher abgelehnt oder wieder eingestellt hatten, sind in den Vertrieb eingestiegen. Beispiel: Die Skandia Lebensversicherung bietet seit dem Frühjahr einen fondsgebundenen Riester-Tarif an. "Es waren insbesondere Anfragen aus dem Vertrieb nach investmentorientierten Riester-Lösungen, die uns bewogen haben, neu an den Markt zu gehen", begründet Pressesprecher Pascal Bazzazi den Relaunch. 2003 hatte Skandia ihr früheres Riester-Produkt bereits nach wenigen Wochen wieder vom Markt genommen, weil die Reglementierung zu stark, der Verdienst für den freien Vertrieb zu schwach und die Bürokratie für den Kunden zu hoch empfunden worden war. Heute könne mit passabler Effizienz beraten und verwalten, so Bazzazi.

"Die Versicherer unterscheiden sich im Kleingedruckten jedoch massiv", ist von der Ratingagentur Morgen & Morgen zu hören. Einen aktuellen Überblick über die Qualität des Angebots von Versicherungs-Riesterrenten hat Morgen & Morgen erstellt (siehe Tabelle). Von Maklerversicherern ragen dabei heraus: DBV-Winterthur, Alte Leipziger und Swiss Life.


Riester-Rente im Leistungsvergleich1
GesellschaftGarantie-Rente (EuroPrognose für Gesamtrente im 1. Jahr (Euro)M&M-Unternehmens-Rating2
Mann (40)Frau (40)Mann (40)Frau (40)
Asstel210210310310I I I I I
Debeka210210290290I I I I I
Cosmos Direkt210210285285I I I I I
Huk-Coburg200200265265I I I I
Oeco Capital200200265265I I I
DBV-Winterthur200200255255I I I
Swiss Life200200250250I I I I
Alte Leipziger200200240240I I I I
CiV195195255255I I I I
Hamburg-Mannheimer195195255255I I I
Barmenia195195255255I I I
SV Leben195195240240I I I
Volkswohl Bund190190280280I I I I I
Allianz190190255255I I I I I
Aachen-Münchener190190250250I I I I
1 Beispiel für einen Single: Mann (40) und Frau (40) mit je 40.900 Euro Jahreseinkommen zahlen anfänglich je 92,75 Euro
Eigenbeitrag, ab 2008 123,50 Euro pro Monat bis 65 ein (10 Jahre Rentengarantie für Hinterbliebene); Rentenwerte auf 5 Euro gerundet; Sortierung nach Höhe der garantierten Rente für Männer (alle Angaben in Euro); nur bundesweite Anbieter
2 Gesamtrating von 5 Sternen (= stark überdurchschnittlich) über 4 Sterne (=überdurchschnittlich ), 3 Sterne (=durchschnittlich)

Quelle: Morgen & Morgen (AV-Win 3.46); Stand: 10/2006

Allerdings geht keine Analyse derzeit auf die enorme Stornoanfälligkeit des Riestergeschäfts ein. Es besteht eine riesige Diskrepanz zwischen den Neuabschlüssen im ersten Halbjahr (laut GDV: 882.000 Stück) und den bestandsfesten Policen (laut BMAS: 548.100). "Da müssen die Storni aus den Jahren 2004 und 2005 rausgerechnet werden - immerhin fast 334.000 Verträge", erklärt Heinz-Josef Nüssgens vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Die erschreckend hohe Frühstornoquote: 17,6 Prozent.

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Autor(en): Detlef Pohl
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