Arag: Lebensversicherung hat keine Zukunft

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Der Arag-Konzern reagiert mit einer Umstrukturierung auf die Niedrigzinsphase und trennt sich vom klassischen Lebensversicherungsgeschäft. "Durch den Verkauf des Lebensversicherungsgeschäftes werden sich entscheidende Risikopositionen in unserem Portfolio verbessern", erläuterte Dr. Paul-Otto Faßbender, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär die Veränderung. Künftig will sich das Unternehmen auf die profitablen Bereiche Sach- und Krankenversicherungen konzentrieren. Der Unternehmensstandort der Arag Kranken in München soll erhalten bleiben.

Die Arag SE verkauft ihre Anteile in Höhe von 92 Prozent an der Arag Lebensversicherungs-AG an den Abwicklungsspezialisten Frankfurter Leben Gruppe. Gleichzeitig übernimmt sie die Anteile der Arag Krankenversicherungs-AG und bindet sie so stärker in den Konzern ein.

Anteil des internationalen Geschäfts wächst
"Die Zukunft unseres Hauses wird nicht in der Lebensversicherung entschieden“, so Faßbender in einer Pressemitteilung. Vielmehr wolle man das Sach- und Krankenversicherungsgeschäft in Deutschland ausbauen sowie das Rechtsschutzgeschäft weiter internationalisieren. Durch den Verkauf der Aktien der Lebensversicherung steigt nach Unternehmensangaben der Anteil des internationalen Geschäftes an den Beitragseinnahmen des Konzerns von 34 auf 40 Prozent.

Durch die Niedrigzinsphase seien enorm viele Ressourcen im Segment der Lebensversicherung gebunden worden, die für die Weiterentwicklung der eigentlichen Zukunftsfelder fehlten. Durch den Verkauf könne der Konzern nun unabhängiger von der Volatilität der Finanzmärkte handeln. Man gehe davon aus, dass die Zinsen in Europa auch weiterhin niedrig bleiben werden und fokussiere sich auf den Ausbau des internationalen Geschäfts.

Für Kunden bleibt alles wie es war
In seiner neuen Aufstellung werde der Arag Konzern etwa 220 Millionen Euro Bruttobeitragseinnahmen durch den Verkauf des Lebensversicherungsgeschäftes abgeben und seine Kapitalanlage um 2,8 Milliarden Euro reduzieren. Die Bruttobeitragseinnahmen im Konzern beliefen sich nach der Neuausrichtung auf 1,43 Milliarden Euro.

Die Frankfurter Leben Gruppe übernimmt die 322.000 Leben-Verträge der Arag, die mit unveränderten Bedingungen, Garantien und Konditionen weitergeführt werden sollen. "Unsere neue Vereinbarung zeigt, dass für unser Geschäftsmodell ein Markt da ist. Von derartigen Transaktionen profitieren alle Beteiligten, auch den Kunden entstehen keine Nachteile. Die Versicherungsverträge werden exakt fortgeführt, Überschussbeteiligungen sind durch den Verkauf nicht betroffen", sagt Bernd Neumann, Vorstand der Frankfurter Leben. Das Geschäft steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Kooperation mit der Alten Leipziger
Das im August 2015 gegründete Unternehmen ist darauf spezialisiert, Lebensversicherungsbestände von Versicherern zu übernehmen und diese weiter zu verwalten. Im September vergangenen Jahres übernahm es den Lebensversicherungsbestand der deutschen Niederlassung der Basler Leben AG. Die Gruppe gehört mehrheitlich der Fosun International Ltd., einer privaten chinesischen Beteiligungsgesellschaft mit einem Schwerpunkt im Versicherungssektor.

Ganz will der Konzern sich aber nicht von Altersvorsorgeprodukten verabschieden, diese jedoch nur noch für Kooperationspartner vermitteln. Ab dem 26. September 2016 werden die Arag-Ausschließlichkeitsvermittler fondsgebundene Rentenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen sowie Risikolebensversicherungen der Alten Leipziger vertreiben.

Quellen: Arag, Frankfurter Leben Gruppe, Alte Leipziger
Bild: © Vege /Fotolia.com

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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