Demographischer Wandel kurbelt das bAV-Geschäft an

Der demografische Wandel wird die Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) wesentlich prägen. So lautet jedenfalls ein Fazit der bAV-Konferenz, die die Unternehmensberatung Towers Watson in Frankfurt am Main kürzlich ausgerichtet hat.

Mitarbeiter erwarteten angesichts der Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung von ihren Arbeitgebern zunehmend Unterstützung bei der Altersvorsorge, so auch der Tenor auf der Konferenz. Darüber hinaus könne die bAV in Kombination mit Zeitwertkonten und Demografiefonds wesentlich zur Mobilisierung der älteren Arbeitnehmer beitragen und Möglichkeiten für einen flexiblen Übergang in den Ruhestand eröffnen. Unternehmen benötigten jedoch ausreichend Gestaltungsspielraum, um bedarfsgerechte Lösungen für ihre Belegschaften erarbeiten zu können. Unternehmen sollten diese Chance nutzen, denn im Wettbewerb um gute Mitarbeiter könnten sie mit einem durchdachten bAV-Angebot punkten.

Aktuelle Hemmnisse für die bAV: Niedrigzinsphase, Finanztransaktionssteuer
Jedoch würden die aktuellen Rahmenbedingungen für die bAV die Unternehmen derzeit vor einige Herausforderungen stellen. So beklagten rund 60 Prozent der Unternehmen, dass die
Niedrigzinsphase die Kosten für Festzinszusagen um 20 bis 50 Prozent erhöhten. Bei neueingeführten bAV-Lösungen würden Unternehmen daher häufig auf kapitalmarktorientierte Zinsmodelle setzen. Diese würden sowohl aus Mitarbeitersicht – mit Blick auf die Wertentwicklung ihrer Versorgungsanwartschaften –
als auch aus Unternehmenssicht – mit Blick auf eine planbare Finanzbelastung – eine gute
Möglichkeit darstellen.

Eine weitere Belastung für die bAV dürfte die geplante Finanztransaktionssteuer mit sich bringen: Sie würde für deutsche Großunternehmen Mehrkosten für die bAV in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro p.a. mit sich bringen. Nach einer Überschlagsrechnung von Towers Watson betragen die Mehrkosten etwa 600 bis 1.000 Millionen Euro p.a. Rund 55 Prozent der Unternehmen unterschätzten die Kostenbelastung jedoch.

Mit Opting-out die Verbreitung der bAV erhöhen
In Towers-Watson-Umfragen sprächen sich über 80 Prozent der Unternehmen dafür aus, dass die bAV gemeinsam durch Unternehmen (über Arbeitgeberbeiträge) und Mitarbeiter (durch Gehaltsumwandlung) finanziert werden solle. Auch drei Viertel der Mitarbeiter könnten sich demnach vorstellen, einen gewissen Teil ihrer Bezüge für ihre betriebliche Altersversorgung aufzuwenden. Tatsächlich nutze jedoch nur ein Viertel der Arbeitnehmer diese Möglichkeit, wie der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zeige.

Dr. Thomas Jasper, Leiter der bAV-Beratung bei Towers Watson Deutschland, weist darauf hin, dass manche Arbeitnehmer komplexe Vorsorge-Fragestellungen scheuten und es daher versäumten, ihre Ruhestandsfinanzierung rechtzeitig zu planen. Die bAV könne noch einen viel größeren Beitrag zur Altersabsicherung leisten, wenn es gelänge, ihre Verbreitung sowie die Eigenvorsorge der
Mitarbeiter durch Entgeltumwandlung zu steigern.
„Hier können unternehmensindividuelle Opting-out-Lösungen helfen“, ist sich Jasper sicher. Bei solchen Lösungen werden Mitarbeiter automatisch in den betrieblichen Vorsorgeplan aufgenommen. Aus ihrem Gehalt werden, ohne dass sie dafür aktiv werden müssten, Beiträge für die Betriebsrente angespart – es sei denn, sie entscheiden sich nach einer Prüfung ihrer Vorsorgesituation dagegen.

Quelle: Towers Watson; Bild: © S. Hofschlaeger /

Autor(en): versicherungsmagazin.de

 

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