Der Einstieg für Start-ups soll leichter werden

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Die bundeseigene Förderbank KfW will Startups mit einer neuen Tochtergesellschaft zielgerichteter fördern. Damit solle eine "dauerhafte, organisatorisch eigenständige Struktur für die Beteiligungsfinanzierung etabliert werden, erklärt die Bundesregierung in einer Unterrichtung (18/12748)."

Ausschlaggebende Kriterien für diese Entscheidung sind laut Bundesregierung: hohe Flexibilität und angemessene Steuerbarkeit der Tochter, sichtbares Engagement der Öffentlichen Hand und die Marktgängigkeit einer Tochtergesellschaft.

Insgesamt sollen etwa zwei Milliarden Euro bereitstehen
Die Tochter soll zum 1. Januar 2018 gegründet werden und sich auf Investitionen in Wagniskapitalfonds konzentrieren. Insgesamt wolle die Bank ihr Engagement für Gründer nicht nur bündeln, sondern auch ausbauen: In den kommenden zehn Jahren sollten insgesamt etwa zwei Milliarden Euro bereitstehen.

Im Vergleich zu anderen Ländern sei der Markt für Wagniskapital in Deutschland nach wie vor klein, erklärt die Bundesregierung zum Hintergrund. In den vergangenen zwei Jahren wurden den Angaben zufolge jeweils knapp eine Milliarde Euro in das Marktsegment investiert - ein Bruchteil etwa der in den USA investierten Summe. Dabei bräuchten auch Start-ups in Deutschland Finanzspritzen, und zwar vor allem dann, wenn sie schnell wachsen und neue Märkte testen wollten.

Ziel: Verdopplung des Wagniskapitalvolumens in Deutschland
Mit der Neuausrichtung der KfW-Förderstruktur will die Bundesregierung daher auch grundsätzlich den Boden für mehr Wagniskapital bereiten. Angestrebt werde "eine Verdopplung des Wagniskapitalvolumens in Deutschland zum Vergleichsjahr 2016 in den kommenden Jahren durch Privatwirtschaft, Bund, KfW sowie unter Einbeziehung europäischer Finanzpartner".

Unser Lesetipp:
Start-ups wie Fintechs und Insurtechs haben immer stärker den Versicherungsmarkt im Blick. So augenblicklich auch die Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU). Wie das genau aussieht und was das für den klassischen Makler bedeutet, schildert auch die Titelgeschichte in der August-Ausgabe von Versicherungsmagazin unter der Überschrift: "BU - Im Visier der Makler und Insurtechs".

Ein kurzer Auszug aus der Unterrichtung der Bundesregierung:
In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren einerseits eine durchaus dynamische Start-up-Szene entwickelt.Die Digitalisierung der Wirtschaft und Industrie 4.0 werden diesen Trend weiter verstärken. Auf der anderen Seite ist der Markt für Wagniskapital in Deutschland insbesondere im Vergleich zu den U.S.A. gemessen an
der gesamten Wirtschaftsleistung nach wie vor klein. Nach Zahlen der OECD wird in den U.S.A. in Relationzum BIP rund zwölfmal so viel Wagniskapital investiert wie in Deutschland. In Deutschland wurden laut Statistik des BundesverbandsDeutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) in denvergangegen eiden Jahren jeweils knapp eine Milliarde Euro in den VC-Markt investiert (2015: 2015: 837 Mio. Euro, 2016: 934 Mio. Euro).

Ein genauerer Blick auf den Markt für Beteiligungsfinanzierungen zeigt, dass für Unternehmen in der Seed- und der unmittelbar angrenzenden Start-up-Phase ausreichend öffentliches Kapital vorhanden ist. Auch für Unternehmen,die den Durchbruch geschafft und sich erfolgreich etabliert haben, ist der Kapitalzugang recht gut.
Woran es hingegen mangelt, ist ein ausreichendes Kapitalangebot in der Phase, in der die Unternehmen neue Märkte (versuchsweise) erschließen und schnell wachsen wollen.

Angebotslücke von bis zu 600 Millionen Euro pro Jahr
Die Angebotslücke in der Start-up- und Wachstumsphase bei Anschluss-/ Wachstumsfinanzierungen (diese umfassen sowohl Eigenkapitalfinanzierungen, also zum Beispiel „klassisches“ Venture Capital, als auch eigenkapitalähnliche Finanzierungen wie Venture Debt) dürfte sich in Deutschland derzeit auf rund 500 bis 600 Millionen Euro p. a. belaufen. Dabei ist die Angebotslücke in folgenden Segmenten besonders ausgeprägt:

  • Start-Up-Phase: Erste Anschlussfinanzierung nach Seed-Finanzierung; Kapitalbedarf steigt auf eine bis 20 Millionen Euro je Ticket
  • Wachstumsphase: Hoher Kapitalbedarf für Sprunginvestitionen in der Wachstumsphase von – in Einzelfällen – bis zu 50 Millionen Euro je Ticket
  • Kapitalintensive Technologiefelder: haben für den HighTech-Standort Deutschland zwar einen nachhaltigen Effekt, generieren aber erst längerfristig Renditen (zum Beispiel Clean Tech, Life Science, Med Tech)
  • „Digitale Start-Ups“: Für Digitale Start-Ups ist die Schnelligkeit („Time-to-the-Market“) der kritische Erfolgsfaktor. Ein „Digital Start-Up“ muss mit hoher Geschwindigkeit signifikante Marktanteile erlangen und hohe Umsätze generieren, bevor seine Technologie bzw. Geschäftsidee überholt oder kopiert wird.
    Zur Skalierung des Geschäftsmodells besteht Kapitalbedarf von über 20 Millionen Euro bis in den dreistelligen Millionenbereich je Ticket.

Wenn öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, kann diese Angebotslücke gezielt geschlossen werden. Entsprechend haben der Bund und die KfW ihr Engagement im Venture Bereich in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Allerdings kann die öffentliche Hand immer nur einen Teil zur Schließung der Angebotslücke beitragen.

Quelle: Deutscher Bundestag

Autor(en): Versicherungsmagazin

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