Die neue Gesundheitsversicherung

Seit der Gesundheitsreform 2007 wirbt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit der neuen Gesundheitsversicherung für Alle. Denn die Zahl der Menschen, die in Deutschland ohne Krankenversicherungsschutz da stehen, hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Nach den alle vier Jahre durchgeführten Erhebungen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Personen ohne Absicherung im Krankheitsfall von 105.000 Personen im Jahre 1995 auf über 150.000 Personen im Jahre 1999 und auf 188.000 Personen im Jahre 2003 angestiegen. Aktuelle Zahlen über nicht Krankenversicherte werden vom statistischen Bundesamt turnusmäßig aber erst in diesem Jahr erhoben.

Alle Einwohner ohne Krankenversicherungsschutz, die keinen anderweitigen Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall haben und die zuletzt gesetzlich krankenversichert waren, werden seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG), also seit dem 1. April 2007, in die Versicherungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einbezogen und müssen von ihrer Krankenkasse wieder aufgenommen werden.

Personen mit Wohnsitz in Deutschland ohne Absicherung im Krankheitsfall, die vormals privat krankenversichert waren und ihren Versicherungsschutz verloren haben, bzw. Personen ohne anderweitigen Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall, die der privaten Krankenversicherung (PKV) zuzuordnen sind, können sich seit 1. Juli 2007 im modifizierten Standardtarif der PKV, der in etwa dem Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht, versichern. Dieser darf, anders als zuvor, seit Juli 2007 keine Risikoausschlüsse oder -zuschläge mehr vorsehen. Eine Pflicht zur Versicherung ist damit aber noch nicht verbunden. Diese wird in der PKV erst zum 1. Januar 2009 mit dem so genannten Basistarif eingeführt.

Diese Änderungen haben sich aber scheinbar bei nicht Krankenversicherten noch nicht herumgesprochen. Von den von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihrem Ministerium geschätzten rund 300.000 nicht krankenversicherten Personen sind bisher nur ein Bruchteil in die GKV oder PKV zurückgekehrt. Ein Ansturm auf die neue Gesundheitsversicherung ist in den ersten Monat nach Öffnung der GKV und der PKV für nicht Krankenversicherte ausgeblieben. Die Zahl der nicht versicherten Rückkehrer bleibt weit hinter den Schätzungen der Bundesgesundheitsministerin zurück.

Nach der bisher unveröffentlichten Versichertenstatistik KM1 des Bundesministeriums für Gesundheit (BMGS) sind bis einschließlich 31.Juli 2007 gerade mal 32.371 Personen zur Ihrer gesetzlichen Krankenkasse zurückgekehrt. Gegenüber den Erhebungen des Vormonats ergab sich aber eine Steigerung von ca. 60 Prozent. Untergliedert nach Kassenarten ergeben sich folgende Aufnahmezahlen:
Allgemeine Ortskrankenkassen13.721
Angestellten Ersatzkassen 8.876
Betriebskrankenkassen 5.465
Innungskrankenkassen 2.906
Arbeiter-Ersatzkassen 961
Knappschaft 219
Landwirtschaftliche Krankenkassen 116
See-Krankenkasse 107
Gesamt32.371
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Berlin Referat LG 5 Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik, Gesamtwirtschaftliche Aspekte des Gesundheitswesens.

Das Bundesgesundheitsministerium geht jedoch weiterhin davon aus, dass die Zahl der Personen, die künftig auf Grund der Neuregelung einen Krankenversicherungsschutz in der GKV erhalten, noch deutlich zunehmen wird.

Konkrete und offizielle Zahlen zu den Rückkehrern in den modifizierten Standardtarif der PKV hat das Bundesgesundheitsministerium bisher aber noch nicht vorgelegt. Im ersten Monat nach Öffnung der PKV für Nichtversicherte ist aber auch hier ein Ansturm auf den eigens dafür vom Gesetzgeber angepassten Standardtarif ausgeblieben. Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) läuft auch dort alles sehr schleppend an. Das Interesse der Nichtversicherten ist auch dort insgesamt deutlich geringer als von der Bundesgesundheitsministerin und der Politik vorausgesagt.

Die Zahl der Rückkehrer in den modifizierten Standardtarif bis zum 31. Juli 2007 betrug nach Angaben des Verbands gerade mal 1.810 Personen. Der Verband geht davon aus, dass die Zahl der Rückkehrer bis zum 31. August 2007 zwischen 2.000 und 2.200 Personen beträgt. Das geht aus einer internen Umfragen des Verbands bei den Mitgliedsunternehmen hervor.

Autor(en): Helmut Zermin

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