Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter": Schwerer Schaden für Branchenimage

Mit dem Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter", der den Aufstieg und Fall des Mehmet Göker und seines Strukturvertriebs MEG zeigt, dürfte der Branche nach den Ergo-Vertriebs-Skandalen des vergangen Jahres, ein neuer, großer Imageschaden ins Haus stehen. Auch wenn beispielsweise der PKV-Verband meint, das die "Episode" MEG AG längst abgeschlossen sei.

Schon hagelt es in Foren wie Spiegel.de wüste Beschimpfungen. So würden die Versicherer "jegliches Geschäft dankend annehmen", maßgebliche Vorstände hätten die MEG "hofiert", obwohl sie ganz genau gewusst hätten, "mit wem sie sich da ins Bett legen". Andere Kommentatoren holen gleich zum Rund-um-Schlag aus: "Versicherungen und deren Makler haftet nun mal ein suspektes Verhalten an". "Ich dachte mein Versicherungsmakler hat reich geerbt", schreibt ein anderer Leser zynisch.

Branche wird auf Botschaft "Gier frisst Hirn" reduziert
Ferraris, Luxus-Shopping erster Klasse bei Armani und Gucci in New York für die besten Mitarbeiter oder Jubel-Veranstaltungen zur deren Ehrung werden im Film von Klaus Stern mit Firmenvideos dokumentiert. Der Film ist damit sehr authentisch und dürfte die Bilder von Versicherungsvertretern über Jahre prägen. So wird die gesamte Branche auf die Botschaft "Gier frisst Hirn", reduziert. Mehmet E. Göker habe die Versicherer vorgeführt, schreibt die FAZ. "Die Nachhaltigkeit der Kundenbeziehungen war nicht so wichtig. Hauptsache Neugeschäft, lautete das Motto." Große private Krankenversicherer hätten der MEG immer weiter hohe Vorschüsse gezahlt, obwohl längst absehbar war, dass solch Vertragsabschlüsse in dieser Menge unmöglich zu leisten waren. Im Schnitt lagen die Abschlussprovisionen über 14 Monatsbeiträge.

Nicht repräsentativ für den Versicherungsvertrieb
"Der Extremfall des insolventen Vertriebsunternehmens MEG AG und die schillernde Persönlichkeit des Herrn Mehmet Göker sind ganz und gar nicht repräsentativ für den Versicherungsvertrieb in Deutschland", sagt Stefan Reker, Pressesprecher des PKV-Verbandes. Tatsächlich wurde der überwiegende Umsatz mit sechs "Premium-Versicherern" erzielt. Besonders intensiv haben mit MEG wohl Axa, Inter, Consal (Bayerische Beamtenkrankenkasse; Union Krankenversicherung), Central und Allianz kooperiert.

Fehlverhalten frühzeitig erkannt
Versicherer wollen sich frühzeitig aus dem Geschäft zurückgezogen haben. "Die Qualität des Geschäftes war schlecht. Es fehlten viele Angaben zu den Kunden. Gesundheitsfragen wurden nur mangelhaft gestellt", sagt der Pressesprecher eines Krankenversicherers, der lieber anonym bleiben möchte. Die Zusammenarbeit habe sein Haus jedenfalls lang vor der Insolvenz der MEG beendet. Ein Grund: "Schulungen der Mitarbeiter der MEG haben garnichts gebracht". Das zeigt, dass immerhin einige Versicherer ihr Fehlverhalten frühzeitig erkannt haben. Insgesamt hat nur ein kleiner Teil der PKV-Branche den Strukturvertrieb MEG unterstützt. Doch solche Differenzierungen dürften Kinobesucher wohl kaum erreichen.

Neues Recht gegen "Fehlanreize"
Immerhin glaubt PKV-Mann Reker, dass alle betroffenen Unternehmen aus der Fehlentwicklung die nötigen Konsequenzen gezogen haben. Außerdem würden zum 1. April 2012 gesetzliche Neuregelungen der Provisionen in Kraft treten, die derartige Fehlanreize künftig verhinderten. Die PKV-Branche habe diese Änderungen sehr konstruktiv begleitet. Künftig erhalten Versicherungsvertreter und Makler für die Vermittlung einer privaten Krankenversicherung maximal neun Monatsbeiträge. Zudem wird die Stornohaftung von zwei auf fünf Jahre verlängert. Die Regelungen sind im "Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts" niedergelegt.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

 

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