Huk-Coburg wird zur "Autowerkstatt"

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Erstmals bietet mit der Huk-Coburg ein Autoversicherer selbst Werkstattleistungen an. Damit sollen die Kunden stärker an die Assekuranz gebunden werden. Gleichzeitig will man den Autoherstellern Geschäft abnehmen.

Hinter dem Schritt der Huk-Coburg steht aber möglicherweise auch die Angst, eines Tages als Autoversicherer gar keine Versicherungen mehr verkaufen zu können. „Es ist nämlich fraglich, ob es in 20 Jahren überhaupt noch eine private Autoversicherung gibt“, sagt David Stachon, Vorstand der Direct Line Versicherung aus Teltow bei Berlin. Würden nämlich die Autos künftig automatisch gesteuert, gäbe es kein wirkliches Fahrerrisiko mehr. „Dann brauchen die Kfz-Hersteller höchsten noch eine gute Produkthaftpflicht, falls einmal eine automatische Steuerung ausfällt“, so Stachon. Doch noch ist das Zukunftsmusik und der größte private Kfz-Versicherer, die Huk-Coburg, intensiv dabei, der Konkurrenz mit einer neuen Kundenbindungsstrategie das Leben schwer zu machen.

„Vom Reifenwechsel über die HU/AU-Untersuchung, die Inspektion bis hin zum Bremsenwechsel oder Auspuffservice werden unsere Kunden alle Kfz-Servicedienstleistungen wahrnehmen können“, sagt Huk-Coburg Pressesprecher Thomas von Mallinckrodt. Im März wurden die Kunden bereits auf das neue Angebot hingewiesen. Die Huk-Coburg betreibt ihren Werkstattservice über die eigens neu gegründete Gesellschaft Select-Autoservice GmbH.

Vorreiter bei Werkstattbindungstarifen
Schon in der Vergangenheit hatte der Versicherer Maßstäbe in der Autoversicherung gesetzt und sogenannte Werkstattbindungstarife auf den Markt gebracht. Wer sich im Kaskovertrag bereit erklärt, das Partnerwerkstattnetz der Huk-Coburg zu nutzen erhält die Police 20 Prozent günstiger. Das kommt bei den Kunden an. Längst ist jeder zweite Vertrag ein Werkstattbindungstarif. Selbst die Allianz, die eigentlich stark mit Autoherstellern verbandelt ist, hat ein solches Angebot Anfang des Jahres auf den Markt gebracht. Bundesweit können die Kunden nun 460 Eurogarant-Betriebe nutzen.

Gleichzeitig testet die Allianz in Bayern den „WerkstattService“. Dafür stellt der Versicherer eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der die teilnehmenden Werkstätten ihre Kapazitäten und Preise tagesaktuell hinterlegen können. „Anhand dieser Eingaben können wir unseren Kunden und Geschädigten bei der Schadenmeldung Werkstätten mit hohem Qualitätsstandard in ihrer Nähe empfehlen, die tagesaktuell nach Kundenzufriedenheit, Kapazität und Preis ausgewählt werden“, erläutert eine Sprecherin. Getestet wird derzeit mit 100 freien Betrieben. Statt Prämienrabatt würden die Kunden einen kostenlosen und Bringservice, Ersatzwagen und eine Fahrzeugreinigung erhalten.

Kunden profitieren vom größerem Service
Noch macht der Versicherer zum Erfolg des Tests keine Angaben. Demgegenüber meldet die Versicherungskammer Bayern (VKB) bereits gute Erfolge bei einer Kooperation mit dem Autoclub ADAC. „Seit Start des ServicePartnerNetzwerks verzeichnen wir einen Anstieg der Vermittlungen in das gemeinsame Werkstattnetz um gut zehn Prozent“, so die VKB. Auch hier würden die Kunden von mehr Service profitieren. Marktgerüchte das der HDI aus Hannover ebenfalls plant ein eigenes Werkstattnetz zu betreiben, dementiert die Assekuranz. Die Assekuranz will weiter allein auf ihr „erprobtes“ Kooperationsnetz aus Markenwerkstätten und ausgewählten freien Werkstätten setzen.

„Darüber hinaus bestehen langjährige Kooperationen mit Automobilherstellern im Bereich des Schadenservice“, so ein Sprecher. Ob die Konkurrenz sich dem Vorstoß der Huk-Coburg entziehen kann, bleibt abzuwarten. Heute hat jedenfalls fast jeder Versicherer einen Werkstattbindungstarif, der bei seiner Einführung durch die Huk-Coburg auch vielfach belächelt wurde.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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