Kreditversicherungen: Angst um Große lässt Nachfrage steigen

Versicherungen gegen Forderungsausfall werden wichtiger. Ein Grund ist die politisch unsichere Lage - auch in Europa. Künftig muss das politische Risiko des Landes, in dem ein Warenempfänger seinen Sitz hat, in stärkerem Maße in die Analyse einfließen, um das Delkredere-Risiko - also den Forderungsausfall bei Zielzahlungen - besser einschätzen zu können. "Im Vordergrund stehen jetzt Länder wie Spanien, Italien, Portugal und natürlich Griechenland", erläutert Heiko Walter vom Versicherungsmakler VIA Delcredere aus Bedburg. Der deutsche Export würde zudem aufgrund der aktuellen Euro-Situation stark in die Länder außerhalb der EU und der OECD expandieren. Auch dies zeige die zunehmende Wichtigkeit einer Kreditversicherung, da diese Unternehmen die politische und wirtschaftliche Situation in "exotischeren" Ländern besser einschätzen könnten, als einzelne produzierende Unternehmen.


Großunternehmen in Police integriert
Zudem dehne sich die Risikoeinschätzung insgesamt aus. Nachdem die Schlecker-Pleite die deutsche Wirtschaft und betroffene Handelspartner vollkommen unerwartet getroffen haben, würden auch solche Großunternehmen in den Focus geraten, die bisher als sicher galten und für die explizit keine Versicherung nötig erschien. Walter: "Sie werden nun auf Wunsch vieler Versicherungsnehmer in die Kredit-Policen integriert." Das Vertrauen sei erschüttert. Immerhin gibt der Kreditversicherer Atradius Entwarnung für die Lebensmittelbranche. Die derzeit explodierenden Preise für Agrarrohstoffe wie Getreide und Zucker würden in Deutschland nicht zu einem nennenswerten Anstieg von Insolvenzen im Lebensmittelsektor führen. "Wir gehen davon aus, dass Lebensmittelhersteller und -händler den Preisanstieg verkraften werden", so Michael Karrenberg, Leiter Risikomanagement bei Atradius in Köln.

Gleichzeitig warnt der Kreditversicherer aber vor Betrügern im Lebensmittelsektor. So sei dem Versicherer in den vergangenen Monaten verstärkt aufgefallen, dass branchenfremde Marktteilnehmer Frischwaren in sehr großen Mengen ohne Rücksicht auf den Preis ordern. Karrenberg: "Solche Unternehmen verkaufen die teuer erstandene Ware zu Dumping-Preisen weiter und verschwinden dann vom Markt." Die Lieferanten blieben bei diesem so genannten Stoßbetrug auf ihren unbezahlten Rechnungen sitzen.

Versicherer ziehen Zügel an
Daher dürfte die Prognose der VIA Delcredere, dass die Zahl der Schadenfälle künftig steigen werde, eine hohe Wahrscheinlichkeit haben. Das Zahlungsverhalten vieler Kunden verändert sich nachteilig, so der Makler. Die Kreditversicherer würden bereits sensibel auf die Marktlage reagieren. "Gerade in diesen Tagen merken wir deutlich, dass die Kreditversicherer ihr Verhalten ändern. Wir rechnen mit einer strengeren Zeichnung von Versicherungssummen und auch mit höheren Kosten", so Experte Walter. Daher hat der Versicherungsmakler Oskar Schunk aus München nun eine neue Kreditpolice auf den deutschen Markt gebracht, die mit nicht kündbaren Limiten und einer garantierten Deckung ausgestattet ist. Verschlechtert sich beispielsweise die Bonität eines Abnehmers während der Laufzeit einer Kreditversicherung, entfällt in der Regel der Deckungsschutz ganz oder zumindest teilweise. Der Kreditversicherungsnehmer hat damit für künftige Lieferungen nur eingeschränkten oder sogar keinen Deckungsschutz.

Die Kreditversicherer haben aber in der vergangenen Zeit sogenannte Nachlaufdeckungen angeboten. Für schon vereinbarte Lieferungen genießt der Kunde dann zeitweilig weiter vollen Deckungsschutz. Die Schunk-Police soll darüber hinausgehen. Sie eigne sich auch als Zusatzschutz für bestehende Kreditversicherungs-Policen mit nicht ausreichenden Deckungssummen, da die Warenempfänger, die in die Police eingeschlossen werden sollen, frei gewählt werden können. Die Police, die in Kooperation mit dem Versicherer Equinox entwickelt wurde, eigene sich für Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz.

Für kleinere Unternehmen bieten sich, vor allem für Sachmakler, Kooperationen mit Fachmaklern an. "Solche Kooperationen mit Versicherungsmaklern, die sich auf den Sach-Bereich spezialisiert haben existieren bei uns und sind in aller Regel für beide Seiten sehr fruchtbare Verbindungen", so Walter von VIA Delcredere. So sei eine kompetente Betreuung aller Sparten möglich und die Zusatzprovisionen seien risikolos, da der Fachmakler die Haftung trage. Der Sachmakler würde zudem mit dem zusätzlichen Angebot seine Kunden vom Wettbewerb durch andere Makler abschotten.

Bildquelle: © Lupo/

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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