Lebensversicherer: Per Reform vor Zinsanstieg schützen

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Ein Zinsanstieg könnte den Lebensversicherern sehr gefährlich werden. Die Diskussion wurde jetzt durch eine Veröffentlich der Deutschen Bundesbank angeheizt. Schon bei einem Zinsanstieg von 2,1 Prozent sehen die Autoren in ihrer Studie: "Tödliches Versehen - wie eine positive Zinsentwicklung die deutschen Lebensversicherer stressen könnte" - eine Ruingefahr für die gesamte Branche.



Diese Gefahr könnte grundsätzlich gebannt werden, wenn das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geändert würde. Das fordert Professor Jochen Ruß vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa).

Zwei Garantien so nicht stemmbar
Heute müssen Lebensversicherer, wenn sie eine garantierte Ablaufleistung zusagen, auch Rückkaufswerte garantieren. "Diese sind nicht nur dem Grunde nach, sondern auch der Höhe nach als Eurobetrag festzulegen", erläutert Ruß. Das sei ein wesentlicher Konzeptionsfehler des VVG, auf den das Ifa bereits seit 2008 verweise. In vielen anderen Ländern sei es üblich, den Rückkaufswert vom Zinsniveau abhängig zu machen. Demgegenüber müssten Lebensversicherer in Deutschland zwei Garantien absichern.

Ruß: "Bei steigenden Zinsen fallen die Marktwerte der festverzinslichen Wertpapiere im Bestand der Versicherer, die garantierten Rückkaufswerte bleiben jedoch unverändert." Je besser die Primärgarantie durch die Kapitalanlagestrategie des Versicherers gegen sinkende Zinsen abgesichert sei, desto schlechter wäre die Sekundärgarantie gegen steigende Zinsen abgesichert.

"Run" aus Lebenpolicen fällt kleiner aus
Gleichzeitig gibt Ruß aber Entwarnung. Deutlich weniger Kunden, als von der Deutschen Bundesbank angenommen, kündigten ihre Lebensversicherung, auch wenn sie durch steigende Zinsen mit anderen Produkten mehr Rendite erreichen könnten. Zu einem ähnlichen Schluss ist schon der Bund der Versicherten (BdV) gekommen. Während BdV-Chef Axel Kleinlein darauf hinweist, dass nicht jeder Kunde finanzrational handelt, zeigt Professor Ruß auf, dass in der Praxis ein Storno eben gerade nicht für alle Kunden zum gleichen Zeitpunkt vorteilhaft sei. Daher falle der "Run" aus den Versicherungen in der Praxis deutlich geringer aus

"In der Realität wäre Storno nicht für jeden Kunden zum gleichen Zeitpunkt sinnvoll, sondern insbesondere abhängig von Garantiezins, Restlaufzeit, Schlussüberschusssystem und Kostensituation des Vertrags", so Ruß. Zudem würde das Modell der Bundesbank keine Kosten, Stornoabschläge oder Schlussüberschüsse berücksichtigen.

Die absoluten Zahlen, die in der Studie genannt würden, seien aufgrund der Eigenschaften des verwendeten Modells mit sehr großer Vorsicht zu genießen. Ohne deutlich aufwändigere Analysen liessen sich keine belastbaren Zahlen bestimmen. Die Krux: Noch klagen die deutschen Lebensversicherer über dauerhafte Niedrigzinsen, doch bei einem deutlichen Umschwung dürfte es aus politischen Gründen wohl für eine VVG-Reform zu spät sein.

Bildquelle: © Jens Büttner / dpa

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

 

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