Lebensversicherung: Kein Konkurs in Deutschland

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Einen Lebensversicherungskonkurs wird es in Deutschland nicht geben. Diese Meinung vertritt Professor Fred Wagner vom Institut für Versicherungslehre an der Universität Leipzig (siehe Foto).

Anlässlich der ersten Messe für innovative Finanzprodukte für Versicherungen, Pensions- und Vorsorgezusagen (FinPro) in Bergisch-Gladbach, verglich Wagner die Konkurse von acht Lebensversicherern in Japan ab Anfang des Jahres 2000 mit der heutigen Situation in Deutschland. In Japan waren vor allem Versicherer auf Gegenseitigkeit in den Konkurs geraten.

Zinszusatzreserve: Ein gutes und wirksames Instrument
„Dafür gibt es in Deutschland keine Anzeichen“, so Wagner, der auch Verwaltungsrat bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist. In Japan waren Garantien von bis zu zehn Prozent ausgesprochen worden. In Deutschland liegt die Höchstgarantie aber nur bei vier Prozent. Nach Ansicht des Wissenschaftlers und rund 100 Anlageexperten von Lebensversicherern und Pensionskassen, die an der FinPro teilnahmen, ist die von der Bafin eingeführte Zinszusatzreserve ein „gutes und wirksames“ Instrument, um die Niedrigzinskriese zu meistern und die Garantien in den Beständen zu sichern.
Es gebe aber keinen Grund zur vollkommen Entwarnung, denn die Garantien in den Beständen würden nur sehr langsam abschmelzen – in den letzten Jahren marktweit um marginale 0,2 Prozent. „Die Branche muss die nächsten sechs bis sieben Jahre überstehen“, so Wagner. Er warnte davor, dass staatliche Sicherungsmaßnahmen wie das neue Aufsichtsregime Solvecy II, „zu hart“ ausfallen könnten. Zwar sei die Bafin „nervös“, weil es ihre Aufgabe sei, die Garantien der Kunden zu schützen.

Wagner kritisiert hohe Überschüsse der Lebensversicherer
Sollte ein Unternehmen aber beispielsweise aufgrund des Aufwandes für die Zinszusatzreserven in Schwierigkeiten geraten, dann „wird politisch an der Zinszusatzreserve neu gedreht“, glaubt Wagner. Kritik äußerte Wagner an den immer noch hohen Überschüssen der Lebensversicherer, die vielfach noch um die vier Prozent liegen würden. „Zum Glück gelten diese Zusagen immer nur für ein Jahr und nicht für die gesamte Laufzeit des Vertrages.“ Besser sei es, die laufenden Überschüsse noch weiter zu senken, um auf jeden Fall Bestandsgarantie erfüllen zu können. Zudem sollten die Versicherer verstärkt neue Produkte, etwa mit endfälligen Garantien, anbieten.

Vorgestellte Strategiene kritisch hinterfragt
Vorlagen für intelligente Kapitalanlagen diskutierten die Experten an den zwei FinPro-Tagen. Die Vorträge von Finanzdienstleistern über speziell für die Versicherer und Pensionskassen entwickelten Kapitalanlagekonzepte und –strategien trafen in der aktuellen Zinskrise den Nerv der über 100 Besucher.
Dass die Impulsbeiträge der zwölf Finanzdienstleister, die aus dem eigenen Kerngeschäft abgeleitete, spezifische Ideen für innovative Anlagen für Assekuranzen und Pensionskassen vorstellten, ankamen, zeigten vielfache bilaterale Diskussionen am Rand der Veranstaltung. Vorgestellte Strategien wurden aber auch im Plenum vielfach kritisch hinterfragt. Deutlich wurde dabei, dass Finanzdienstleister die Chancen für verschiedenen Märkte und Kapitalanlageklassen durchaus sehr unterschiedlich einschätzen.

Umfassende Expertise über die Entwicklung der ausgesuchten Staaten wichtig
Finanzdienstleister warnten mittelständige Versicherer und Pensionskassen davor, allein nach Beratung, neue Anlagekonzepte eigenständig auszuführen. „Lassen Sie externen Assetmanagern mehr Raum“, forderte Christian Rumpf von Franklin Templeton Investments. Es sei zwar richtig sich beispielsweise stärker in Schwellenländern zu engagieren, doch eine solche Aufstellung sollte breit erfolgen und bedürfe einer umfassenden Expertise über die konkrete Entwicklung in diesen Staaten. Wie erfolgreich neue Wege der Kapitalanlage umgesetzt werden können, zeigte Heidelbach, Geschäftsführer der Provinzial NordWest Management GmbH.

Verdienst mit Wandelanleihen ebenso gut möglich wie mit Aktien
Der Anlageexperte stellte eine erfolgreiche Asset-Strategie vor, die das Unternehmen nach der schweren Finanzkrise 2008 entwickelt hat. Mit dem System gelingt es dem Öffentlichen Versicherer aus Kiel nach eigener Aussage auch in der aktuellen Niedrigzinskrise in erheblichen Umfang zusätzliche Risikogewinne zu generieren. Maria Vogt demonstrierte, dass Wandelanleihen gegenüber einem Direktinvestment in Aktien deutliche Vorteile haben. „Mit Wandelanleihen kann man genau so viel verdienen wie mit Aktien, sie haben aber weniger Risiken“, so ihre These.
Zudem hat Vogt, die Senior Partnerin bei Fisch Asset Management ist, einen Solvency II Rechner entwickelt. Danach braucht ein Investment in Wandelanleihen unter Solvency II mit deutlich weniger Eigenkapital unterlegen werden.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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