So hohe Renten gibt es tatsächlich

Eine Studie nach der anderen, eine Pressemitteilung nach der anderen, ein Urteil nach dem anderen: Es hat den Eindruck, als wollten Verbraucherschutz, Gerichte und Medien die private Vorsorge sturmreif schießen. Riesterrenten, Rüruprenten, überhaupt alle Lebens- und Rentenversicherungen sind nach Meinung mancher selbst ernannter Experten unrentabel, intransparent und sollten deshalb am besten gar nicht erst abgeschlossen werden.

Gut 20 Millionen gesetzliche Renten
Die Alternative sieht allerdings nicht wirklich überzeugend aus, wenn man sich die Situation der gesetzlich Rentenversicherten ansieht. Laut dem Rentenversicherungsbericht 2011 der Bundesregierung wurden Mitte 2010 insgesamt 20,5 Millionen Renten ausgezahlt. Davon waren knapp zwei Drittel Altersrenten (13,6 Millionen), gut sieben Prozent Erwerbsminderungs-Renten (1,5 Millionen) und knapp sieben Prozent Hinterbliebenen-Renten (1,4 Millionen).

Gut vier Millionen Personen (19,7 Prozent) bezogen mehrere Renten. Darunter waren mit fast 3,6 Millionen mehrheitlich Frauen, die häufig Alters- und Hinterbliebenenrenten parallel beziehen. Grund ist die längere Lebenserwartung der Frauen, aber auch die Anrechnungsregeln des Hinterbliebenenrechts.

Ausgewiesen werden die Zahlbeträge der Renten nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und der Pflegeversicherung der Rentner.

Mehr als ein Drittel erhält weniger als 600 Euro
Wer eine Einzel-Altersrente bezieht, ist noch lange nicht gut versorgt. Knapp 19 Prozent verfügen über eine Rente von weniger als 300 Euro im Monat. Zusammen 36,2 Prozent erhalten keine 600 Euro monatlich und dürften damit in besonderem Maß Gefahr laufen, Grundsicherung zu benötigen.Besonders prekär ist die Situation der Frauen. Hier erhalten 27,5 Prozent eine Einzel-Altersrente von weniger als 300 Euro. Sogar 55 Prozent liegen unter 600 Euro im Monat.

Trend gegen die Ehe gefährdet die Versorgung
Relativ gut versorgt mit Einzel-Altersrenten sind gerade einmal 21,6 Prozent insgesamt, die mindestens 1.200 Euro erhalten. Unter den Frauen sind es nur 4,1 Prozent, die solche Renten erhalten.Naturgemäß besser versorgt sind Bezieher mehrerer Rentenarten. Nur knapp zwei Prozent liegen unter 300 Euro und knapp zehn Prozent unter 600 Euro. Immerhin gut 43 Prozent können mit mindestens 1.200 Euro rechnen. Allerdings muss man bei diesen Zahlen den gesellschaftlichen Wandel berücksichtigen. Immer mehr Ehen werden geschieden, vor allem in den neuen Bundesländern wird mehrheitlich gar nicht erst geheiratet. Das bedeutet, dass die Mehrfachversorgung in Zukunft zurückgehen dürfte und vor allem immer mehr Frauen auf ihre selbst erworbenen Altersrentenansprüche vertrauen müssen.

Armutsrisiken Erwerbsminderung und Todesfall
Ein echtes Armutsrisiko sind zudem Erwerbsminderung sowie Todesfall eines Partners. Die Verteilung der Rentenzahlungen belegt, dass eine fehlende private Vorsorge in vielen Fällen dazu führt, dass ergänzende Sozialhilfe notwendig wird.Gut acht Prozent der Erwerbsgeminderten erhalten weniger als 300 Euro, 32 Prozent insgesamt weniger als 600 Euro im Monat. Frauen und Männer unterscheiden sich hier nur wenig voneinander. Ganze 3,6 Prozent der Empfänger von Erwerbsminderungsrenten erhalten mindestens 1.200 Euro, bei Frauen sind es 1,5 Prozent. Die Versorgungslücken sind damit eklatant groß.

Auch im Todesfall eines Partners kann der überlebende Partner nur selten darauf hoffen, ohne ergänzende private Vorsorge ein Auskommen zu finden. 36,6 Prozent der Renten wegen Todes - nur Witwen- und Witwerrenten, keine Waisenrenten - beliefen sich auf weniger als 300 Euro. Insgesamt 70,5 Prozent überstiegen keine 600 Euro.

Auch hier ist die Situation für Männer und Frauen ähnlich. Bei privater Vorsorge wird allerdings immer noch gerne nur der "Hauptversorger" in den Blick genommen. Die Rentenzahlbeträge zeigen, dass dieser Blick zu eng ist.






Autor(en): Matthias Beenken

 

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