Über Geld spricht man nicht – oder leider doch!

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Aus welchem Grund haben Sie sich für den Kauf Ihres Autos entschieden? Oder warum war es diese und nicht jene Waschmaschine, die sich Ihre Frau ausgesucht hat? Lieber Leser, Sie denken jetzt bestimmt, was sollen diese Fragen in Versicherungsmagazin?

Nun, Kaufentscheidungen - egal welche Produkte es betrifft - werden primär gefällt, weil die Qualität des Produkts oder der Nutzen im Vordergrund steht. Haben Sie bei dem Autokauf jemals den Verkäufer gefragt, wieviel der Hersteller an der Windschutzscheibe Ihres Wunschautos verdient hat und sich dann für ein anderes Auto entschieden, weil der Hersteller XY weniger an der Scheibe hatte? - wohl kaum. Genauso wenig werden Sie die Waschmaschine stehen gelassen haben, weil die Herstellerfirma an der Trommel zu viel verdient hat im Vergleich zu anderen Herstellern.

Manche Branchen sind verschwiegen

Ja, gewisse Branchen machen aus dem Verdienst sogar ein Betriebsgeheimnis nach dem Motto: "Über Geld spricht man nicht" und diese Verschwiegenheit wird den Firmen sogar vom Verbraucher als extrem cool und innovativ attestiert.

Deshalb jetzt meine Frage an Sie: Warum muss dann die Provision eines Vertreters oder Maklers so zu Markte getragen werden? Hat dieses Vorgehen irgendeine Auswirkung auf die Qualität oder den Nutzen des Produkts. Werden durch die Offenlegung die Bedingungen eines Produkts oder des Service verbessert? Im Gegenteil! Tatsache ist doch: Wenn ein Produkt schlecht ist oder nicht geeignet für den Kunden, dann bleibt es das auch - ungeachtet dessen, ob viel oder wenig verdient daran worden ist.

Am Vermittlerbetrieb hängen Arbeitsplätze
Der ehrliche Versicherungsverkäufer wird in die Schublade des Abzockers geschoben. Kein Verbraucherschützer fragt bei der Provisionsdiskussion nach, welchen Service und welche Verantwortung inklusive der Risiken, Sie als Unternehmer über zig Jahre lang kostenlos bieten müssen und zu tragen haben. Aber gerade diese Kritiker hüten ihre eigenen Bezüge wie einen Schatz.

Wenn ich von meiner Firma sprechen darf, so stehe ich bei meinen Angestellten in der absoluten Verantwortung als Kaufmann, ihren Lohn pünktlich und fair bezahlen zu dürfen. Auch meine Mitarbeiter haben Familie und nicht selten hängen wirtschaftlich drei bis vier Personen an diesem Arbeitsplatz. Auch deren Kinder möchten in den Urlaub fahren und ab und zu auch ein Eis essen. Ich weiß, ich übertreibe jetzt ein wenig. Aber oftmals über uns Verkäufer geurteilt, als ob wir und unsere Unternehmen nur von Luft lebten.

Generalverdacht ist nicht fair
Die Politik sollte nicht fragen "wieviel" verdient der Verkäufer, sondern verdient er durch seine Handlungen eine solche Provision grundsätzlich?

Unfair ist es, alle grundsätzlich unter Generalverdacht zu stellen. Nur diejenigen sollten beschnitten werden, welche der Gier und dem Größenwahn verfallen sind. Hier sollten staatliche Stellen tätig werden und dann nicht nur in der Versicherungsbranche. Die meisten Ehrlichen müssten meiner Meinung nach, sogar noch mehr verdienen.

Soziale Verantwortung des Vermittlers
Wir sind doch ehrbare Unternehmer, die unseren Kunden mehr sind als nur gute Berater. Wir sind Tröster, Existenzretter und auch Freund. Ohne despektierlich wirken zu wollen, so ein Verhältnis habe ich zu meinem Autohersteller oder meinem Krawattenverkäufer nie gehabt und werde es auch wahrscheinlich nie haben. Menschen schenken uns ihr Vertrauen in ihre Zukunft. Wer mit solchem Gut verantwortlich handelt, der ist unbezahlbar!

Wir haben wie kein anderer Beruf eine soziale Verantwortung, sei es gegenüber unseren Kunden und unseren Mitarbeitern. Wenn Sie Ihren Job gut - ja sehr gut - machen, dann dürfen Sie auch mit geschwellter Brust mit den Hosenträgern schnalzen. Sie haben Ihre Provision mehr als verdient.
Bleiben Sie gesund und gute Geschäfte!

Jörg Riediger, Versicherungskaufmann
Zurich Bezirksdirektion Meitingen

joerg.riediger@zuerich.de

Autor(en): Jörg Riediger

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