Verti bleibt Direct-Line-Tabu treu: Keine jungen Fahrer

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Der Potsdamer Versicherer Verti, die frühere Direct Line, will auch künftig keine jungen Fahrer versichern. "Junge Fahrer werden von vielen deutschen Kfz-Versicherern subventioniert, weil man sich Folgegeschäft verspricht", sagte Christian Paul Sooth, Verti-Finanzvorstand, bei einem Pressegespräch in Berlin. Das könnte sich die Verti als Monoliner nicht leisten.

Das Unternehmen gehört seit 2014 zum spanischen Mapfre-Konzern. Rund 99 Prozent seines Umsatzes erzielt der Direktversicherer mit dem Schutz von Kraftfahrzeugen. Junge Fahrer werden mit einer hohen Prämie abgewehrt. Laut Sooth werden Fahrer bis 24 Jahre bei Verti risikogerecht tarifiert. Fahren sie einen Kleinwagen, dann liege der Aufschlag gegenüber dem Markt bei etwa dem 2,5-fachen. „Wer hingegen als junger Fahrer stark motorisiert, etwa mit einem 3er-BMW unterwegs ist, muss mit dem Faktor vier bei der Prämie rechnen“, so Sooth.

Anfänger sollten keine hochmotorisierten Wagen fahren
Nach Meinung des Versicherungsvorstandes müsste das Risiko junger Fahrer politisch gemildert werden. Anfängern sollte die Nutzung hochmotorisierter PKW verboten werden. Günstige Prämien bietet Verti hingegen Fahrern, die schon in der Familie "mitgefahren" sind oder Fahrerfahrung über Carsharing gesammelt haben. Insgesamt geht der Onlineversicherer davon aus, dass die Prämien 2018 bei den meisten Versicherern teurer werden. Nach Abzug der Mehrzulassungen könnten die Prämien in der Autoversicherung zum Jahresbeginn 2018 um rund drei Prozent erhöht werden.

"Wir wollen unser Angebot in den nächsten Jahren langsam erweitern", kündigte der Vorstandsvorsitzende José Ramón Alegre an. So will man vor allem die private Haftpflichtversicherung forcieren. Zudem wird Verti ab Herbst stärker ins Kfz-Gewerbegeschäft einsteigen. So sollen künftig auch Kleintransporter versichert werden. Damit folgt der Versicherer einem vielfach von Maklern und Autoherstellern erhobenen Wunsch.

Bürger wollen Vergleichsportale
Verti ist Partner der Automarken Dacia, Honda, Renault und Nissan. Rund acht Prozent des Geschäfts kommen von Autoherstellern. Den Löwenanteil des Umsatzes generiert der Versicherer aber direkt. „40 Prozent kommen über das Kontaktcenter und 20 Prozent direkt über das Internet“, so Alegre. Doch auch Versicherungsmakler tragen mit zwölf Prozent zum Umsatz bei. "Wir zahlen Versicherungsmaklern immer eine Provision", erläuterte Sooth.

Das gilt auch für Vergleichsportale, die in der Regel von Versicherungsmaklern betrieben werden. Über sie generiert der Versicherer rund 20 Prozent der Autoversicherungen. Davon entfielen rund 80 Prozent auf dem Marktführer Check24. "Mittlerweile hat Verivox etwas aufgeholt", heißt es bei Verti. "Das Geschäft über Vergleichsportale und auch mit Check24 ist profitabel", sagte Alegre. Hier hätte man hart mit dem Anbieter verhandelt. Zudem seien Vergleichsportale nicht mehr wegzudenken. "Die Bürger haben entschieden, dass es ihnen lieber ist, die Daten ihres Autos nur einmal einzutippen", sagte Sooth. Verti kooperiert mit allen Vergleichsportalen im Markt.

Trotz des neuen Markennamens hat der Versicherer seinen Bestand aufgestockt. So wären Ende 2016 rund 720.000 Risiken versichert gewesen. Derzeit läge die Zahl bei über 770.000. Nach Angaben von Alegre war beim Kauf der Direct Line vereinbart worden, dass die Marke nur drei Jahre lang weiter geführt werden darf. Daher wurde das Unternehmen nun in Verti umbenannt. Der Name ist eine Anlehnung an die römische Wahrheitsgöttin Veritas. Künftig sollen alle Bereiche des Versicherers digitalisiert werden. „Wir haben viel Zeit“, sagte Alegre. Denn Verti sei unter Mapfre in Deutschland angetreten, um für immer zu bleiben.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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