Zurich Gruppe: 2017 ordentlich in die Hände gespuckt

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Gespräche am Kamin sind eine lauschige Angelegenheit. Mit einem (Kalt-)Getränk und kleinen Häppchen plaudert man gerne entspannt über Vergangenes und Zukünftiges. Die Zurich hatte Pressevertreter zu einem solchen Kamingespräch nach Köln geladen, um mit diesen einen Jahresrückblick, aber auch einen Blick in das Jahr 2018 zu wagen. Und Marcus Nagel, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, zeigte sich bei diesem mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr äußerst zufrieden – größtenteils.

2017 war für die Zurich ein sehr lebendiges bis unruhiges Jahr. Sie hat Veränderungen angestoßen, die aber auch noch ins kommende Jahr wirken werden. So ist das Unternehmen gerade dabei, sein Geschäft auf zwei Standorte zu konzentrieren und zwar auf Frankfurt und Köln. So soll in Zukunft, das bislang in Wiesbaden getätigte Lebensgeschäft, das gesamte Industriegeschäft und diverse Service-Einrichtungen, so auch das Servicecenter der DA Deutsche Allgemeine Versicherung, künftig von Frankfurt aus gesteuert werden.

Bis 2020 Konzentration des Geschäfts auf Köln und Frankfurt
In Frankfurt sollen künftig rund 1.000 Menschen arbeiten, in Köln circa 2.500. Bis Mitte 2020 sollen sämtliche baulichen Maßnahmen und diesbezüglichen Umzüge abgeschlossen sein. Ab März 2018 werden schon die ersten Gebäude bezogen. Aktuell arbeiten 4.600 Mitarbeiter für den Versicherer. Neu geschaffen wurden in diesem Zusammenhang noch 500 Tele-Arbeitsplätze. 

Die übrigen 1.100 Mitarbeiter arbeiten an anderen Standorten in Deutschland. Dabei ist Stellenabbau bei der Zurich wie bei vielen anderen Versicherungsunternehmen weiterhin ein Thema. Zurich hatte 2016 angekündigt, die Zahl der Stellen bis Ende 2018 um 859 ohne betriebsbedingte Kündigungen zu reduzieren. In der Umsetzung ist der Versicherer nach eigenen Angaben bereits weit vorangeschritten.

Schrumpfen wird auch die Anzahl der Vorstände. So sollen ab 2018 nur noch sieben Vorstände die Geschicke des Unternehmens lenken, nicht mehr wie augenblicklich zehn. Spätestens im April 2018 werden Alexander Libor und Carlos Schmitt nicht mehr dabei sein. Schmitt geht in den Ruhestand. Neuer Finanzvorstand wird Dr. Torsten Utecht (49). Der promovierte Diplom-Volkswirt war bis März 2017 Finanzvorstand der Generali. Er wird bereits zum 1. Januar 2018 in den Vorstand der Zürich Beteiligungs-AG kommen, zunächst ohne Ressortverantwortung, um sich schrittweise einzuarbeiten.

Versicherungsschutz für den schusseligen Porsche-Fahrer
Die Zurich will, auch um den diversen Fintechs mit ihren preisgünstigen und flexiblen Angeboten, Paroli zu bieten, noch stärker in den Sektor für Kurzzeitversicherungen einsteigen. So bietet sie unter anderem privaten Porschefahrern, die auf Rennstrecken die Straßen- und Kurvenlage des Sportwagens austesten wollen und einen Crash verursachen, einen Versicherungsschutz an oder auch dafür, wenn der flotte Flitzer falsch betankt wurde. Auch eine Drohnen-Versicherung kann bei dem umtriebigen Versicherer abgeschlossen werden. Laut Nagel musste sein Haus hier bislang noch keine größeren Schadensfälle verbuchen.

Und was plant die Zurich für das kommende Jahr? Der Spaß und die Erkenntnisse aus den bisherigen zwei Hackathons waren wohl so groß und gewinnbringend, dass es 2018 mindestens einen dritten geben wird. Thematisiert werden sollen dann auch wieder die Segmente Social Media und Haftpflicht/Hausrat. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit dem ADAC intensiviert werden. Nachdem in diesem Jahr kräftig in das Non-Motor-Geschäft investiert wurde, soll nächstes Jahr das Motor-Portfolio „stärker umgekrempelt werden“ Das heißt vor allem: Modernisierung der IT-Infrastruktur. Und: Die Zurich-Agenturen sollen so Nagel „stärkere regionale Einheiten bilden“, sprich die Agenturen sollen größer werden oder kleinere Agenturen sollen mit größeren Agenturen stärker zusammenarbeiten. Aktuell verkaufen und beraten rund 1.500 Vertreter in diesen die diversen Zurich-Angebote.

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Kleinere Agenturen sollen mit größeren enger zusammengehen
Damit diese weiterhin gute Geschäfte machen können, will die Zurich die technische Ausrüstung der Agenturen verbessern. „Training, Service und Geld liefern“ sollen dafür sorgen, dass diese Büros erfolgreich wachsen können. Der Grund für dieses Engagement laut Nagel. „Ich bin mir sicher, dass der persönliche Kontakt zu den Kunden weiterhin wichtig bleiben wir.“

Die heimelige Kaminstimmung bei der Zurich wird etwas durch das Industriegeschäft getrübt. Bei diesem musste der Versicherer 2016 ein Defizit vermelden, 2017 war dieser Sektor wenigstens „ausgeglichen“. Und trotzdem konnte der Frankfurter Versicherer von 2016 auf 2017 einen Prämienzuwachs verbuchen. Auch nicht ganz so glücklich ist die Gruppe über den Vertriebskanal „Deutsche Bank“. Doch durch ein „gestärktes Beratungsgeschäft“ hoffen die Versicherungslenker auf eine Besserung, die laut eigenen Angaben bereits zu verzeichnen ist. Über den Bankkanal knüpft der Versicherer auch Kontakte zu mittelständischen Unternehmen. Hier erhofft sich der Versicherer 2018 durch die Einführung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) eine Belebung seines Geschäfts, Durch diese bAV-Reform sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) animiert werden, stärker auf die betriebliche Altersversorgung zu setzen (bAV). Bislang läuft immerhin der Verkauf von Direktversicherungen über die Bank wohl gut, das BRSG soll hier neue bAV-Abschlüsse initiieren.

Die Wunderwaffe für den Geschäftserfolg: Open Space?
Open Space ist bei vielen Versicherern ja zu DEM Schlagwort geworden. Das heißt unter anderem: Mitarbeiter arbeiten in immer neuen Teams zusammen, ohne festen Arbeitsplatz, kleine Büros werden wieder zu Großraumbüros mit variablen Wänden, auch die Hierarchien können/sollen (auf)weichen. Auch die Zurich probiert diesen neuen Arbeitsalltag aus. Das hat anfänglich auch viel Unmut ausgelöst, Ängste. Diese skeptische Haltung scheint nun nicht mehr bei allen Zurich-Mitarbeitern gegeben zu sein, dafür wurden spezielle „Pilotmitarbeiter“ ausgerufen, die diese neue Arbeitsweise nun testen. So vermeldete Nagel: „Bei diesen Mitarbeitern ist ein hoher Zufriedenheitsgrad zu verzeichnen“.

Fehlt wohl nur noch der Kamin.

Autor(en): Meris Neininger

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