Zwei unterschiedliche Zinswelten: Die Continentale und Generali Leben

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Die Continentale Lebensversicherung aus Dortmund verweist in ihrer jüngsten Pressemitteilung  selbstbewusst auf ihre „starke Verzinsung für klassische Tarife“. Bei der Generali gibt es zu diesem Thema dagegen kein schriftliches Statement. Mit gutem Grund: Deren Überschussbeteiligung für einige Kunden liegt nun bei verhungerten 1,25 Prozent. Das Anlegerportal finanzen.net hat dies herausgefunden.

In der Altersvorsorge zählt die Continentale (www.continentale.de) zu den "wenigen Anbietern, die noch eine umfassende Produktpalette anbieten und feste Garantien zusagen". So erhalten nach Unternehmensangaben Kunden auch 2018 „eine attraktive Verzinsung“. Der Versicherer liefert hierzu ein Beispiel: Bei seinem Tarif „Continentale Rente Classic Pro“ profitierten die Kunden weiterhin von einer laufenden Verzinsung in Höhe von 2,9 Prozent. In der Variante „Continentale Rente Classic Balance“ erhielten die Kunden noch 2,8 Prozent. Inklusive Schlussüberschuss und Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven ergebe sich so unverändert eine Gesamtverzinsung von bis zu vier Prozent beziehungsweise bis zu 3,9 Prozent.

Laufende Verzinsung für klassische Produkte bei 2,5 Prozent
„Hier wird deutlich, dass die schlankeren Garantien in der Ansparphase auch in Zeiten niedriger Zinsen höhere laufende Überschüsse ermöglichen“, argumentiert Dr. Helmut Hofmeier, Vorstand Leben im Continentale Versicherungsverbund, und zeigt sich so überzeugt, von der Strategie seines Hauses. Für die klassischen Produkte liegt die laufende Verzinsung bei 2,5 Prozent, die Gesamtverzinsung bei bis zu 3,4 Prozent.
Laut aktuellen Zahlen bietet die Branche für das laufende Jahr im Schnitt 2,4 Prozent Verzinsung. 2017 waren dies noch 2,58 Prozent.

Zudem vermeldet der Dortmunder Versicherer: Die Prämien sowohl in der Berufs- als auch in der Erwerbsunfähigkeitsvorsorge bleiben bei der Continentale Lebensversicherung stabil. Die Beiträge für die Risikolebensversicherung liegen ebenfalls auf Vorjahresniveau.

Eingangs kalkulierte Nettobeiträge niemals erhöht
Die Continentale bietet seit 1955 Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit an. Der Versicherer betont in einer Pressemitteilung, dass er seit jeher auf nachhaltig kalkulierte Tarife setze. Konkret heißt das: „In mehr als 60 Jahren mussten wir die eingangs kalkulierten Nettobeiträge kein einziges Mal erhöhen. Auch 2018 bleiben die Beiträge unverändert“, betont Hofmeier stolz. Wichtig in diesem Kontext ist dem Unternehmen aus Dortmund auch, deren Transparenz in der Risikoprüfung sowie eine schnelle, kompetente und persönliche Unterstützung im Leistungsfall.

Trauriges Schlusslicht bei der Verzinsung von Lebensversicherungen ist seit Kurzem die Generali Leben. Einige Kunden des Versicherers erhalten für 2018 nur noch eine magere Überschussbeteiligung von 1,25 Prozent. Im vergangenen Jahr haben die Kunden immerhin noch 1,75 Prozent erhalten. Kunden, die ihre Lebensversicherung seit 2015 bei dem italienischen Versicherungsunternehmen unterschreiben haben, sind die Leidtragenden dieser rabiaten Kürzung.

Die Aachen Münchener Leben schüttet noch eine Überschussbeteiligung von 2,3 Prozent aus. 2017 lag der Prozentsatz noch bei 2,6. Doch dies wird nicht von langer Dauer sein, denn die Marke Aachen Münchener soll ebenso aufgegeben werden, gleichfalls die Krankenversicherungsmarke Central Kranken.

Wirklich ein Weg aus der Krise: Neue smarte Produkte?
Auf der Homepage der Generali (www.generali.de) möchte sich das Unternehmen noch als besonders wettbewerbsfähig darstellen. So heißt es in einem Videointerview mit Generali Deutschland Chef Giovanni Liverani unter anderem: "Mit unserer strategischen Neuausrichtung und unseren zahlreichen neuen smarten Produkten wie Generali Vitality, Generali Mobility und Generali Domocity haben wir aktuell die große Chance, uns den Wettbewerbsvorteil zu sichern und Versicherung neu zu erfinden“. Doch ob Kunden derartige Produkte noch nachfragen, wenn sie so zinsschwach sind, ist fraglich.

Was passiert mit rund vier Millionen Verträgen?
Schon seit geraumer Zeit baut der Versicherungskonzern Generali sein Deutschland-Geschäft radikal um. Am Ende dieser Rosskur, genauer gesagt im Frühjahr dieses Jahres soll die Generali Lebensversicherung nicht mehr existieren. Die rund vier Millionen Verträge - größtenteils Policen mit langfristigen und somit teuren Zinsgarantien - könnten danach auch an einen professionellen Abwickler von Lebensversicherungen verkauft werden.

Die 2.800 deutschen Generali-Vertreter sollen künftig für den Finanzvertrieb DVAG arbeiten, an dem Generali 40 Prozent hält. Die DVAG verkauft bisher exklusiv die Generali-Marke Aachen Münchener. Die DVAG vertreibt künftig nur noch Produkte der Marke Generali, darunter auch fondsgebundene Lebensversicherungen. Im Online-Geschäft setzt der Konzern ausschließlich auf Cosmos Direkt, die künftig verstärkt Sach-, Kranken- und Rechtsschutzversicherungen verkaufen soll.

Hoffnungsschimmer: Die Dialog Lebensversicherung
Wenn es mal gute Nachrichten aus dem Hause Generali gibt, dann vor allem von und über die Dialog Lebensversicherungs-AG, dem Spezialversicherer für biometrische Risiken der Generali in Deutschland. Diese hat zum Beispiel Ende 2017 den Belastungstest 2017 des Analysehauses Morgen & Morgen mit Auszeichnung bestanden. In dem neu konzipierten Test wurden die Solvabilität und somit die künftige Krisenfestigkeit der deutschen Versicherungsgesellschaften untersucht. Grundlage für den Belastungstest stellen die „Solvency and Financial Condition Reports“ (SFCR) dar, in denen die finanzielle Stabilität und Eigenkapitalunterlegung der Gesellschaften im Falle eines schwerwiegenden Krisenereignisses geringer Wahrscheinlichkeit dargestellt wird.

Die Dialog wurde bei diesem Test als eines der besten Versicherungsunternehmen Deutschlands hinsichtlich seiner Solvabilität und damit seiner Krisenfestigkeit bewertet.
Eine Krisenfestigkeit, die auch für die Generali im Gesamten zu hoffen ist.

Quellen: Die Continentale, Focus Money, Generali, Handelsblatt

Autor(en): Meris Neininger

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