Abhängigkeit von den Zinsen fatal

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Eine im Vergleich zum Vorjahr unverändert negativen Ausblick prognostizierte die Ratingagentur Fitch dem deutschen Lebensversicherungssektor auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. Der Rating-Ausblick fiel aber unverändert stabil aus.

Dr. Stephan Kalb, Senior Director bei Fitch, begründete den negativen fundamentalen Ausblick damit, dass der deutsche Lebensversicherungsmarkt in Bezug auf seinen Bestand immer noch sehr stark an Garantien hänge. Zudem sei die Duration groß. "Die Durationslücke ist nach unserer Schätzung mit sechs Jahren deutlich zu hoch", sagte der Analyst. "Das heißt, es gibt ein Wiederanlagerisiko."

100 Prozent sind stabil
Kalb sieht aber auch positive Tendenzen für den LV-Markt. Das Risiko für den möglichen Ausfall von Garantiezahlungen sei aktuell sehr gering. Ebenfalls positiv sei die Tatsache, dass die Unternehmen vor einigen Jahren begonnen hätten, ihr Neugeschäft an die niedrigen Zinsen anzupassen. Dies zeige sich langsam in den Portfolios. Beim Ausblick auf gerateten Versicherer zeigen sich 100 Prozent der einzelnen Unternehmens-Ausblicke stabil. Im Vorjahr waren es nur 91 Prozent.

"Wir sind der Auffassung, dass die heute bekannten Herausforderungen des Sektors voll in den heutigen Ratings reflektiert sind. Deshalb glauben wir, dass sich in den kommenden zwölf bis 18 Monaten die Ratings nicht zum Negativen verändern werden", Dr. Stephan Kalb, Senior Director, Fitch Ratings

Der Analyst betonte, dass die Lebensversicherer neben dem Zinseinkommen über erhebliche andere Einkommensquellen verfügten, die die niedrigen Kapitalanlageerträge kompensieren könnten. Trotzdem sei die Abhängigkeit von den Zinsen fatal. „Das Geschäftsmodell, eine Lebensversicherung zu verkaufen und die Prämien in Bundesanleihen zu investieren, geht nicht mehr auf“, so der Experte. Noch schlimmer sei es für das Bestandsgeschäft. Hier entschärfe die Zinszusatzreserve die Situation ein wenig.

Kalb skizzierte vier mögliche Maßnahmen, die die Lebensversicherer gegen die Bedrohung durch die Niedrigzinsen ergreifen könnten

  1. Reduktion der Garantien im Neugeschäft: Das sei zu einem großen Teil geschehen. Es gebe kaum noch ein Unternehmen, das aktiv traditionelle Rentenversicherungen verkaufe.
  2. Verringerung der Durationslücke
  3. Reduzierung der Überschussbeteiligung: Dies sei mittlerweile schon einfacher geworden, weil die Überschussbeteiligung nicht mehr so häufig als Marketingargument eingesetzt werde.
  4. Entscheidung für einen Run-off: Hier habe man die Wahl zwischen Schließung des Portfolios oder Verkauf.
    Nachdem die Generali Leben bekannt gegeben habe, dass sie ihr Neugeschäft einstellen wird, habe sich ihre Solvency II-Quote um 20 Prozent verbessert.

Die Rating-Agentur hat simuliert, was passieren würde, wenn die Lebensversicherer kein Neugeschäft mehr zeichnen würden, nur festverzinsliche Anlagen im Portfolio hätten sowie eine Wiederanlagerendite von 1,2 Prozent erzielen müssten. Das Ergebnis zeigt, dass 2023 die Kapitalanlageerträge nicht mehr ausreichen würden, um die Garantien zu finanzieren. Läge die Anlage bei 1,5 Prozent Wiederanlagezins, wäre nach 2026 Schluss. Bei angenommenen null Prozent würde es 2020 kritisch.

Autor(en): Alexa Michopoulos

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