Autoversicherung: Service nimmt zu

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Die Allianz Versicherung hat im Wechselgeschäft in der Autoversicherung Ende 2017 Marktanteile zurückgewinnen können. Das betonte Frank Sommerfeld, Mitglied des Vorstandes der Allianz Versicherungs-AG auf dem Businessforum 21 "Mobilität & Kfz-Versicherung 2018". Ein Grund für die bessere Marktposition sei das neue Mobilitätskonzept des Münchener Assekuranzunternehmens.

Genaue Zahlen wollte der Manager aber noch nicht nennen. "Wir garantieren mit unserer neuen Pannenhilfe, dass niemand mehr länger als eine Stunde zu spät zu seinem Termin kommt", erläuterte Sommerfeld. Umfassende Befragungen von Autofahrern hätten ergeben, dass die Kunden keine Unsicherheiten möchten. Daher habe die Allianz "eingeschliffene" Hürden wie die 50-Kilometer-Leistungsgrenze gestrichen. Der Kunde wolle immer bequem weiterkommen. "Wir machen den unseren Kunden in 60 Minuten an jedem Ort wieder mobil", so Sommerfeld. Auch mit dem verbesserten Tierschutz und dem neuen Beitragsschutz, der stabile Beiträge auch bei der Verschlechterung der Typ- oder Regionalklasse vorsieht, sei die Allianz dem Konzept gefolgt, das der Kunde sich keine Gedanken mehr über seine Autoversicherung machen müsse.

Telematik: App im Trend
Erfolgreich ist sein Unternehmen laut Sommerfeld auch mit dem Telematik-Angebot. Bei vielen jungen Kunden mit Telematik-Tarif sei die Schadenfrequenz deutlich gesunken. Aktuell gebe es 58.000 Kfz-Verträge bei der Allianz, bei denen der Kunde sich einen Rabatt erfahren kann.

Nach Ansicht von Michael Pickel, Vorstand bei er E+S Rückversicherung, geht der Trend bei Telematik zu App-basierten Lösungen. Telematik dürfe nämlich nicht viel kosten, sonst werde sie ganz schnell zum Verlustgeschäft. "Der Stecker ist schön, aber teuer", so Pickel. Das Problem, das man mit App-Lösungen nicht alle Daten sammeln kann, dürfte bald der Vergangenheit angehören. "Wir werden auch über die Datenbanken der Hersteller an Information direkt aus dem Auto kommen", prophezeite der Vorstand. Hier werde die Lobbyarbeit der Branche erfolgreich sein.

R+V: Noch 2018 ein Telematik-Tarif
Bisher sei die Telematik-Marktdurchdringung mit 0,5 Prozent "noch ein Witz". Laut Marco Morawetz von der Gen Re gibt es aber einige Versicherer, die überlegen, einen reinen Telematik-Tarif ohne sonstige Risikomerkmale an den Markt zu bringen. Damit würden die derzeit über 40 Antragsfragen entfallen. "Das könnte ein Motivator für einen solchen Tarif sein", schätzt der Manager. Problematisch ist aber wie bei einem solchen "revolutionären Ansatz" in der Praxis der Preis bei Vertragsschluss festgelegt werden soll. Grundsätzlich schätzt Kfz-Versicherungsexperte Morawetz, dass der Telematik-Anteil marktweit auch künftig eher mager ausfallen wird. Ein Anteil von fünf Prozent werde wohl nicht überschritten.

Doch schon ein Marktverlust in dieser Höhe dürfte große Kfz-Versicherer empfindlich treffen. Daher hat die R+V Versicherung eine Kehrtwende ihrer Politik angekündigt. "Wir werden in der Kfz-Versicherung ein Telematik-Produkt anbieten", sagte Harald Seliger, der bei der R+V den Kraftfahrt-Betrieb leitet. Die Technik sei jetzt weit genug fortgeschritten. Nach einem wenig erfolgreichen Pilotversuch hatte die der Versicherer lange Zeit Telematik-Tarife vollkommen abgelehnt. Nun soll das Angebot noch im Jahre 2018 an den Start gehen, wie eine Unternehmenssprecherin bestätigte.

Kravag bietet exklusive Parkplätze für LKW-Kunden
Schon im Sommer wird die R+V Tochter Kravag allen Kunden, die einen Lkw versichert haben, exklusiv Parkplätze am Rand der Autobahn zur Verfügung stellen. "An den Autobahnen in Deutschland fehlen derzeit rund 15.000 Parkplätze", erläuterte Seliger. Baumaßnahmen würden wohl erst in zehn Jahren für endgültige Entlastung sorgen. Daher komme es immer wieder zu gefährlichen Parksituationen an den Ein- und Ausfahrten. Zudem müssten Fahrer, die gar keinen Platz mehr finden, oft übermüdet weiterfahren.

Das neue Angebot der Kravag soll deshalb für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Gleichzeitig dürfte der Service aber auch ein hohes Kundenbindungspotenzial mit sich bringen. Die Parkplätze, die der Versicherer über Kunden, meist Speditionen, generiert, sind fest von den Lkw-Fahrern reservierbar. Das Angebot soll eine automatische Schließanlage, ein Miniaufenthaltsraum sowie ein WC und eine Dusche enthalten und 20 bis 25 Euro pro Parkplatz kosten. Rund 45 Prozent aller in Deutschland zugelassen LKW werden über die Kravag versichert. Das Projekt soll im Sommer 2018 starten.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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