Autoversicherung steht vor Zäsur: Neuer digitaler Player startet 

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Der Kfz-Versicherungsmarkt könnte vor einer bedeutenden Zäsur stehen. Mit dem Start der Neodigital Autoversicherung steigt der Investor im Hintergrund, die Huk-Coburg, Deutschlands größter Autoversicherer, in den Maklermarkt ein.

Die Neodigital Autoversicherung hat nun eine Versicherungslizenz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten. Damit kann das Joint Venture zwischen Huk-Coburg und dem Online-Versicherer Neodigital endlich starten. Das behördliche Zulassungsverfahren hatte rund ein Jahr gedauert. Neodigital-Vorstand Stephen Voss betont aber, dass man mit der neuen Autoversicherung auch Wettbewerber des fränkischen Versicherers sei. Alle Tarife seien selbst entwickelt und kalkuliert. "Wir werden die neuen Kfz-Produkte in den kommenden Wochen dem gesamten Maklermarkt zugänglich machen", erläuterte Voss. Gleichzeitig sollen die Tarife im Nafi-Vergleichsrechner gelistet werden.

White Label-Produkte für andere Kfz-Versicherer

Der größte deutsche Kfz-Versicherer, der bereits mit der Huk24 einen eigenen digitalen Arm aufgebaut hat, agiert als Investor im Hintergrund, hat aber so Einblick in den Maklermarkt. Über die Investitionshöhe haben die Kooperationspartner Stillschweigen vereinbart. Die nun genehmigte Neodigital Autoversicherung kann in Zukunft auch White Label-Produkte anbieten. Auf dieses Geschäftsfeld des neuen Autoversicherers hatte die Huk-Coburg schon Anfang 2022 hingewiesen. Damals erklärte ein Sprecher: "Das White-Label-Angebot kann beispielsweise für kleinere und mittelgroße Versicherer interessant sein, die das Segment Autoversicherung nicht mehr selbst weiterentwickeln wollen. Aber auch Digitalgiganten könnten anklopfen, die extrem automatisierte Prozesse benötigen. Vielleicht zeigen auch große Makler Interesse, die für ihre riesigen Bestände etwas bauen wollen, das für sie besser ist als das Angebot von allen anderen Risikoträgern."

Über Neodigital werden dann Versicherungsmakler wieder - wenn auch indirekt - von der Huk-Coburg honoriert. Bisher vertreibt der Versicherer den Löwenanteil seiner Produkte neben Geschäftsstellen vor allem über 650 freiberufliche Betreiber von so genannten Kundendienstbüros und über 2.500 nebenberufliche Vermittler.

Direkte Maklerkooperationen im Netz scheiterten

In der Vergangenheit hatte der fränkische Versicherer versucht, vor allem Kfz-Versicherungen über Vergleichsportale im Internet zu verkaufen. Der Versuch gemeinsam mit dem HDI und der WGV die eigene Vergleichsplattform Transparo in die Gewinnzone zu bringen, scheiterte mit der Einstellung des Unternehmens im Jahre 2014. Drei Jahre später zog sich der Huk-Konzern ganz aus Vergleichsportalen zurück, die im Internet von Versicherungsmaklern angeboten werden. Statt Portalen hohe Vermittlungsgebühren zu zahlen, sei es sinnvoller, Kunden günstigere Angebote zu machen, erklärte Huk-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer damals.

50.000 Kunden im ersten Jahr

Nun etabliert der Versicherer über die Neodigital Autoversicherung ein Unternehmen, dass auch Internetgiganten wie Google, Amazon oder Facebook einen Weg in den deutschen Versicherungsvertrieb ebnen könnte. Die Tarife des neuen Players werden daher mit Spannung erwartet. Für Versicherungsmakler könnten die Angebote eine interessante Ventillösung sein. Denn gerade in der Wechselsaison am Ende des Jahres steigt der Wettbewerbsdruck, weil beispielsweise der immer noch erfolgreiche Internetbroker Check24 auf die deutlichen Preisunterschiede in der Autoversicherung aufmerksam macht. Bis Ende des Jahres möchte die Neodigital Autoversicherung bereits 50.000 Kunden gewinnen.

Eigener Telematik-Tarif im Sommer

Schon im Sommer 2023 plant das Unternehmen ein eigenes Telematikangebot. Da die Autoversicherung 2023 wegen hohen Inflationsraten bei Reparaturen und Ersatzteilen deutlich teurer wird, ist das ein guter Moment, um den Wettbewerb in der Autoversicherung zu forcieren. Der neue Telematik-Tarif soll für Fahrerinnen und Fehrer jeden Alters offen sein. Daher können nicht nur Jüngere, die noch keinen hohen Schadenfreiheitsrabatt besitzen, sparen, sondern auch fitte Senioren. "Es soll schon ein deutliches Sparpotenzial von zehn bis 30 Prozent geben", verspricht Voss. Die Fahrweise will der Online-Anbieter über eine kleine Sende-Box im Fahrzeug ermitteln. Das Tool ist keine Eigenentwicklung, sondern werde dazugekauft. Solche Systeme seien im Markt leicht erhältlich.

Möglich, dass der Newcomer sogar dem Marktführer preislich Konkurrenz machen kann. Immerhin würden alle Sachversicherungen und künftig auch die Kfz-Versicherung fast vollständig dunkelverarbeitet. "Das ist die Basis unseres Geschäftsmodells", so Voss. Neodigital stehe für eine komplette Online-Verwaltung aller Verträge und der Schadenabwicklung und zeichne sich durch einen hohen Automatisierungsgrad in der Prozessbearbeitung aus.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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