Azubi-Bewerber: Helikopter-Kinder oder führungslos?

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Von den Helikopter-Eltern durch sämtliche Höhen und Tiefen der Berufswahl geleitet? Bei der Bewerbung zu 100 Prozent aufs Smartphone eingestellt? Die diesjährige Ausgabe der Studie „Azubi-Recruiting Trends“ zeigt jenseits der Klischees ein genaueres Bild der Azubi-Bewerbung und -Bewerber in Deutschland.

Treten in Azubi-Bewerbungsverfahren die viel zitierten „Helikopter-Eltern“ wirklich in Erscheinung? Viele Väter und Mütter üben tatsächlich einen starken Einfluss auf die Ausbildungsplatzwahl der Kinder aus. 51 Prozent der teilnehmenden Schüler und Azubis bestätigten jedenfalls ihren „starken“ oder „sehr starken“ Einfluss auf die Berufswahl, bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs seien es noch 41 Prozent.

Auch Ausbildungsverantwortliche berichteten im Rahmen der Studie auf der einen Seite von überfürsorglichen Eltern, die ihre Sprösslinge bei allen Bewerbungsschritten an die Hand nähmen. Auf der anderen Seite würden viele Azubi-Bewerber allein gelassen. „In den meisten Fällen gibt es nur die Extreme - entweder kümmern die Eltern sich sehr und begleiten ihre Kinder sogar zum Vorstellungsgespräch, oder sie kümmern sich gar nicht, was zum Beispiel die Bewerbungen zeigen“, schreibt ein Ausbildungsverantwortlicher.

Azubis manchmal konservativer als Ausbildungsbetriebe
Auch der Blick auf die Medienpräferenzen der Azubi-Bewerber fördere Überraschendes zutage. Die heutige Generation der Schüler und Azubis sei auf der einen Seite so online-affin wie keine Generation vor ihr. Das zeige sich zum Beispiel in der Einstellung gegenüber E-Learning-Formaten in der Ausbildung, die erst von 23 Prozent der an der Studie teilnehmenden Unternehmen eingesetzt würden: 73 Prozent der Azubi-Teilnehmer fänden sie gut. Im Hinblick auf die Bewerbungsformen seien Azubi-Bewerber auf der anderen Seite zum Teil konservativer als die Ausbildungsbetriebe.

Der mit Abstand beliebteste Weg sei die Papierbewerbung, sie gelte als seriös sowie verlässlich und lasse aus Sicht der Zielgruppe besonders viel Raum für die Darstellung der Persönlichkeit. Rund 71 Prozent der befragten Schüler und Azubis würden sich deshalb „gerne“ oder „sehr gerne“ traditionell mit Mappe und Anschreiben bewerben, bei mobilen Bewerbungen läge diese Zustimmung nur noch bei 18 Prozent. „Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat auch keine Lust auf Arbeiten“, so ein Azubi-Teilnehmer.

Mit Skepsis betrachtet: Aussagekraft von Schulnoten
Wert auf die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit legten Azubi-Bewerber auch in den Auswahlverfahren. Persönlichkeits- und Kompetenztests stießen bei ihnen auf größere Zustimmung als Leistungs- und Wissenstests. Tests fänden Bewerber zu 65 Prozent generell „gut“ oder „sehr gut“, bei den Ausbildungsverantwortlichen seien es nur 44 Prozent. Im Hinblick auf die Aussagekraft von Schulnoten für die Auswahl von Azubis zeigten sich die Ausbildungsverantwortlichen skeptisch. Nur zwölf Prozent von ihnen schätzten sie als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein, was den langfristigen Berufserfolg von Auszubildenden angehe.

Studienergebnisse bestellen und Gutes tun
Interessierte können Ergebnisse der Studie unter www.testsysteme.de/studie bestellen. Der Bruttoerlös von 11,90 Euro aus dem Verkauf des Management Summarys geht an die Initiative „Rock Your Life!“, die mit Hilfe eines Mentoringprogramms Schülern aus schwierigen Verhältnissen den Weg in die Aus- oder Schulbildung ebnet.

Hintergrundinformationen zu der Studie

Professor Dr. Daniela Eisele (HSBA Hamburg School of Business Administration) hat die Untersuchung wissenschaftlich begleitet und der Ausbildungsspezialist u-form Testsysteme hat dafür 2.227 Azubis, Schüler und Ausbildungsverantwortliche befragt. Den Fragebogen haben 799 Ausbildungsverantwortliche und 1.428 Auszubildende sowie Bewerber im Frühjahr 2015 ausgefüllt.

In Form des „Bewerbernavigators“ stellt das Unternehmen ein elektronisches Bewerbermanagementsystem zur Verfügung, das laut eigenen Angaben auf den besonderen Bedarf von Ausbildungsbetrieben zugeschnitten werden kann. Der Ausbildungsbegleiter fördert Austausch und Wissen zum Thema Rekrutierung von Auszubildenden, zum Beispiel durch die regelmäßig erscheinende Studie „Azubi-Recruiting Trends“.

Textquelle: u-form Testsysteme; Bildquelle: © Alexander Raths/Fotolia

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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