bAV: Klarheit hilft Kosten sparen

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Transparenz in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) hat positive Effekte für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. So jedenfalls ist die Erfahrung in den Niederlanden, dem europaweit am weitesten entwickelten Pensionsmarkt. Die Handelsblatt Jahrestagung "Betriebliche Altersversorgung 2016" in Berlin bot Einblick in die bAV-Praxis unseres Nachbarlandes.

Die Niederlande sind keine Insel der Seligen und haben in der Niedrigzinsphase auch damit zu kämpfen, eine ausreichende Kapitaldeckung zu generieren. Aber: "In den Niederlanden nehmen Regulierung und Transparenz einen hohen Stellenwert ein", weiß Frank G. Vogel, Geschäftsleiter der KAS Bank. Kein Wunder, denn dort haben 90 Prozent der Arbeitnehmer Anwartschaften auf eine betriebliche Altersversorgung in der Regel in Firmen-, Branchen- oder Berufsgruppenpensionsfonds. Durch die Allgemeinverbindlichkeit der dortigen Tarifverträge könne man vom einem Quasi-Obligatorium sprechen.

Das niederländische Pensionsvolumen beträgt 184 Prozent des Bruttoinhaltsprodukts, in Deutschland sind es 13 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Schutz der Beitragszahlungen in den Niederlanden absolute Priorität hat.

Markt wird dynamischer
Der Pension Act and Financial Assessment Framework (FTK) sei einzigartig in Europa und übertreffe heute bereits bisherige EU-Regulierungen. Transparenz und Sicherheit würden durch das Offenlegen von Prämienzahlungen, Rentenanpassungen sowie Sanierungsplänen gewährleistet. Vogel stellte besonders die vorbildliche Kommunikation mit den Versorgungsberechtigten heraus.

Die FTK-Vorschriften haben den bAV-Markt im Nachbarland verändert. Ein Ausfinanzierungsgrad von mindestens 105 Prozent ist vorgeschrieben. Sinkt er darunter, muss ein Sanierungsplan erstellt werden. Fällt der Ausfinanzierungsgrad unter 90 Prozent sind Rentenkürzungen nötig. Ein kontinuierliches monatliches FTK-Reporting ist für alle Anbieter Pflicht. Diese hohen Transparenzanforderungen zögen mehr Kostentransparenz nach sich, erläuterte Vogel. Dies führe letztendlich zu sinkenden Kosten: Die Kostenquote in den Niederlanden sei 20 Prozent niedriger als in Deutschland. Auch entstünden neue Pensionsvehikel, die in der Asset Allokation flexibler seien.

Trend geht zu defined-contribution-Modellen
Insgesamt setze sich die Konsolidierung des Marktes fort und werde sogar durch die Aufsicht forciert. 2007 existierten über 700 Pensionsfonds in den Niederlanden, 2015 waren es rund 350. Ein positiver Nebeneffekt des Schrumpfungsprozesses: Durch die Nutzung von Skaleneffekten könnten Kosten gespart werden. In Deutschland stagniere die Zahl der Pensionsfonds, Sterbekassen und Pensionskassen bei gut 200.

Die steigende Transparenz führe zu einer stärkeren "Einbeziehung" der niederländischen Arbeitnehmer, hin zu mehr Risiko. Der Trend gehe klar von defined-benefit- (DB) hin zu defined-contribution-Modellen (DC-Modelle). Heute liege das Verhältnis bei 90 Prozent DB und zehn Prozent DC. 2035 werde die DC-Quote 100 Prozent betragen.

Transparenz könnte entschärfen
Natürlich sei der bAV-Markt in Deutschland anders aufgestellt. Vogel plädierte aber dennoch dafür, die Vorteile von mehr Transparenz auch hierzulande zu nutzen. Den die bAV befinde sich, wie in den Niederlanden auch, im Spannungsfeld zwischen Risiko, Leistung sowie Schutz & Garantien. Transparenz könne zur Entschärfung der Spannung beitragen.

Bildquelle: © Maury Mauser/Fotolia

Autor(en): Alexa Michopoulos

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